Habt ihr eine Identitätsstörung und wenn ja, wie macht sich diese bemerkbar?

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  • Habt ihr eine Identitätsstörung und wenn ja, wie macht sich diese bemerkbar?

    Manche leiden unter einer Identitätsstörung, aber nicht alle! Wie sieht es bei euch aus? Bemerkt ihr sie oder ist es euch oft gar nicht bewusst?

    Ich lieg zwar am Boden ... habe aber dadurch einen grandiosen Blick auf den Himmel ... :lballon:

  • Ich leide unter einer Identitätsstörung, dass konnte ich bei meinem letzten Klinikaufenthalt deutlich bemerken. Sie zeigt sich meist im Kontakt zu anderen. Es scheint, als ob mein Ich gänzlich verschwindet. z.B. jemand sagt oder meint ich könne ..., dann ist dies so für mich, ich laufe blindlinks in die vorgegebene Richtung (essen, arbeiten, Freizeit). Als ich, dass zum aller ersten Mal bewusst wahrnahm, war es ein Schock für mich. Jetzt muss ich höllisch aufpassen auf mich und ständig überprüfen, ob die Angebote für mich passen. Früher sah ich es nicht als Angebot, sondern als klare Aufforderung.

    Ich lieg zwar am Boden ... habe aber dadurch einen grandiosen Blick auf den Himmel ... :lballon:

  • ich hab ne schwere DIS

    aber ich glaube bei euch die explizit die borderlinediagnose haben ist das ein wenig anders als bei mir oder?

    mögt ihr mal erzählen?

    <3

    ...ich bin wo anders um bei mir zu sein und ich bin manchmal anders um ich zu sein...

    :smileypink401: :gruppentherapie: :smileypink401:

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    Maila-Lou

  • Also bei mir zeige sich das so, dass ich nicht wusste, wer ich bin, meine Stärken und Schwächen, was mich ausmachte, wohin ich will, meine Ziele und meine sexuelle Richtung, jetzt mittlerweile weiß ich das alles, durch viel Therapie und an mir arbeiten.

  • Also bei mir zeige sich das so, dass ich nicht wusste, wer ich bin, meine Stärken und Schwächen, was mich ausmachte, wohin ich will, meine Ziele und meine sexuelle Richtung, jetzt mittlerweile weiß ich das alles, durch viel Therapie und an mir arbeiten.

    Ich habe das jetzt erst erkannt, dass es so ist. Es erschüttert mich zutiefst, dass die Erkrankung trotz Jahrzehnte langer Therapie und Ausbildungen erst jetzt zum Ausbruch kam und erkannt wurde. Mir ist schon bewusst, dass Borderline veranlagt sein kann und sie durch die beschi... Ehe ausgelöst wurde, aber die Zusammenhänge und die einzelnen Symptome werden mir erst jetzt nach und nach klar. :smiley3983:

    Ich lieg zwar am Boden ... habe aber dadurch einen grandiosen Blick auf den Himmel ... :lballon:

  • Bei mir zeigt es sich, denke ich zumindest, darin dass ich oft gar nicht weiß, was ich möchte. Ich analysiere dann das Gegenüber und möchte mich dem anpassen. Ich suche mir oft starke Persönlichkeiten (Freunde/Partner) an denen ich mich orientieren kann. Ich weiß z.B. nicht, welche Musik mir eigentlich gefällt. Oder bestes Beispiel Essen bestellen im Restaurant. Ich muss erst wissen, was die anderen essen, bevor ich mich entscheiden kann. Ich hatte auch lange Zeit Probleme mit Kleidungsstil. Das bessert sich aber so langsam.

    Aber auch zu politischen oder moralischen Themen fällt es mir manchmal schwer Stellung zu beziehen. Ich bin so damit beschäftigt beim Gegenüber gut anzukommen und nicht anzuecken, dass ich gar nicht weiß, wie ich eigentlich selbst darüber denke.

  • das kenne ich gut, dieses verhalten kommt mir sehr bekannt vor.

    weisst du warum das so ist, dass du nirgendwo anecken magst?

    macht dir das angst, dass es irgendwelche konsequenzen hat?

    <3

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    Maila-Lou

  • Anjo ich habe das erst vor kurzen realisiert, dass es bei mir genau so abläuft. Deine Beschreibung trifft den Nagel auf den Kopf bei mir. Ich hätte es nie so kompakt beschreiben können. Danke dafür‼️ Seit ich total auf mich selbst zurück geworfen bin, muss ich alles Stück für Stück lernen. Es geht in meiner Therapie immer um Basic Basic… habe lange gebraucht, dass zu verstehen.

    Ich lieg zwar am Boden ... habe aber dadurch einen grandiosen Blick auf den Himmel ... :lballon:

  • Hope2022 irgendwie schön zu hören, dass ich nicht die einzige bin. Es macht das Leben sehr anstrengend. Aber es ist schon mal viel Wert sich dessen bewusst zu sein.


    Maila-Lou:

    Ich denke es hat vor allem den Grund, dass ich sehr stark von meiner älteren Schwester mit der ich das Zimmer geteilt habe, dominiert wurde. Sie war für mich eine extrem wichtige Bezugsperson, da meine Eltern viele Probleme hatten. Einerseits hatten wir auch ein gutes Verhältnis, aber alles was ich in der Pubertät so ausprobiert habe, wo man ja seinen Stil und Identität findet, wurde von ihr hart abgewertet. Und wenn ich mich an sie angepasst hab, war das auch falsch. Ich konnte es ihr eigentlich nicht Recht machen. Sie hat mich dann auch mit ignorieren gestraft.

    Auch meine Mutter hat mit Abweisung reagiert, wenn ich eigene Wege gehen wollte. Ich habe in meiner Familie gelernt , dass Individualität und Selbstständigkeit den Verlust von Beziehungen bedeuten kann.

    Ich habe sehr große Angst vor Ablehnung, vor allem dann, wenn ich mich zeige wie ich bin.

  • Also bei mir zeige sich das so, dass ich nicht wusste, wer ich bin, meine Stärken und Schwächen, was mich ausmachte, wohin ich will, meine Ziele und meine sexuelle Richtung, jetzt mittlerweile weiß ich das alles, durch viel Therapie und an mir arbeiten

    Genau so geht es mir aktuell phasenweise immer wieder. Was will ich im Leben erreichen, was sind meine Leidenschaften, was gewöhne ich mir aus gesellschaftlichen Druck an, was möchte ICH und was glaube ich wollen zu MÜSSEN? Welche Ziele im Leben will ich aus eigenem Antrieb erreichen und welche davon nur, weil ich das Gefühl hab die Erwartungen meiner Familie / Freunde erreichen zu müssen? Was gefällt mir und was würde mir einfach immer eingeredet?


    Es gibt ganz wenig Dinge in meinem Leben die bisher stabil zu meiner Persönlichkeit dazu gehören, die ich nicht mehr anzweifele. Alles andere wird ständig hinterfragt. Ich hab oft das Gefühl, ich probiere "Rollen" aus und versuche herauszufinden, in welche ich gut reinpasse und wo ich mich mit wohl fühle. Manchmal fühlt es sich am Anfang genau richtig und super an, nur um sich dann nach einiger Zeit herauszustellen, dass ich doch nicht für diese "Rolle" brenne. Dann zweifle ich wieder meine ganze Existenz und mein Urteils- und Reflektionsvermögen an.

  • Quote

    Ich hab oft das Gefühl, ich probiere "Rollen" aus und versuche herauszufinden, in welche ich gut reinpasse und wo ich mich mit wohl fühle. Manchmal fühlt es sich am Anfang genau richtig und super an, nur um sich dann nach einiger Zeit herauszustellen, dass ich doch nicht für diese "Rolle" brenne. Dann zweifle ich wieder meine ganze Existenz und mein Urteils- und Reflektionsvermögen an.

    Ich glaube damit bist du gar nicht so alleine, denn im grunde swicht jeder mensch im alltag in verschiedene rollen rein, probiert sich aus und stellt fest ah nee das war jetzt vielleicht die falsche rolle

    oder findet sie also die passende rolle zur angemessenen situation im alltag....

    muss man denn für jede rolle die man einnimmt brennen? manchmal wird man auch einfach in rollen gedrängt..... die man gar nicht haben möchte

    <3

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    Maila-Lou

  • Hi, mir gehts da sehr ähnlich. Schon wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, erkenne ich, dass es da null Identitätsgefühl gab. Ich war nur auf meine Außenwelt fokussiert, was die Menschen um mich wollen, mögen und machen und habe mich immer dem angepasst und daran orientiert. Ich hatte und habe kein Gefühl für „mich“. Auffallend ist auch, dass sobald ich mich in einem Gespräch mit mehr als einer Person befinde, entsteht extreme Panik. Bis vor nicht allzu langer Zeit, dachte ich, dass ich einfach zu schüchtern bin. Aber tatsächlich ist es ist einfach der Zwiespalt in den ich gerate, nicht zwei oder mehr Menschen gleichzeitig „entsprechen“ bzw. anpassen zu können. Weiß nicht ob man versteht was ich meine. Ich weiß bis heute nicht, welche sexuelle Orientierung ich habe. Habe keine Hobbies oder Interessen, Freunde,..ich fühl mich als nicht existent, habe überhaupt keine Verbindung bzw. Wahrnehmung für meinen Körper. Es gibt keine stabile Persönlichkeit wie es gesunde Menschen haben sondern einzelne Fragmente die wild herumschwirren, die nicht zusammenpassen sondern sich stark widersprechen. Ja so würde ich das beschreiben..mich belastet das schon sehr stark.

  • Hey,

    ich beschäftige mich aktuell sehr mit der Frage nach meiner Identität. Abgesehen von Essen habe ich wenig Ahnung was ich mag und was ich nicht mag. Politisch nehme ich häufig die Meinung meines Partners an, auch weil ich mich zu wenig mit solchen Themen auskenne. Hobbies habe ich bis auf "Gaming" keine, Freunde sehr wenige. Wenn ich auf der Arbeit eine Aufgabe bekomme, weiß ich idR vorher oder bald, ob ich sie mag. Wenn ich aber gefragt werde, was ich machen will ... Keine Ahnung..

    Vor allem im Bereich der Zukunftsfragen stoße ich zur Zeit immer wieder auf Schwierigkeiten. An einem Tag möchte ich gerne "Karriere machen" und die Welt bereisen/sehen, am nächsten Tag würde ich am liebsten Familie, Kinder und 5 Hunde haben und wieder am nächsten Tag würde ich am liebsten nie wieder arbeiten gehen und bin mir in der Kinderfrage sehr unsicher. Oft ändert sich das auch durch Kleinigkeiten und Gespräche mit anderen Personen.

    Irgendwann muss ich ja mal eine Entscheidung für die Zukunft treffen, bzw. keine zu treffen ist ja auch irgendwie eine. Wie geht ihr damit um? Wie habt ihr rausgefunden was ihr wolltet, wer ihr seid etc.? Gerne auch Literaturtipps o.ä. .

  • hm das ist schwieirig zu beantworten

    mit politik und so kram hab ich gar nichts am hut

    generell drücke ich mich vor "erwachsenen" themen

    ich glaub nicht dass ich ausser meinem kleidergeschmack meine identität gefunden habe .... :denk:

    ich weiss oft nicht wer ich bin und was ich will Yavanna89 du bist glaub nicht allein damit :knuddel:

    <3

    ...ich bin wo anders um bei mir zu sein und ich bin manchmal anders um ich zu sein...

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    Maila-Lou

  • Bei mir äußert es sich auch darin, dass ich keine stabile Persönlichkeit habe. Ich ändere laufend meine Meinung, lasse mich von Außen unentwegt beeinflussen (Menschen, Medien etc.). Ein Fähnchen im Wind. Sicher auch aus Angst vor Ablehnung, wenn es darum geht mich meinem Gegenüber anzupassen. Aber auch z.B. durch Medien lasse ich mir meinen Geschmack (Farben, Stile, Musik etc.) "diktieren", empfinde es dann aber wirklich so als käme es von mir selbst. Wenn man mir dann vorhält, was ich vor Kurzem noch gemeint oder gemocht habe, dann kann ich mich teilweise nicht mal mehr daran erinnern. Geschweige denn damit identifizieren - als wäre das ein anderer Mensch gewesen, aber definitiv nicht "ich". Ich bin also irgendwie immer nur das was ich im Moment denke/meine/empfinde. Wie lange das anhält bekomme ich selbst nicht mit. Man kann also sagen, "mich" gibt es gar nicht.


    An der Stelle muss ich sagen, dass ich anfange mich mit meiner Diagnose zu identifizieren. Also für mich ist es kaum noch ein "ich habe Borderline" sondern vielmehr ein "ich bin Borderliner". Denn diese Störung ist das Einzige was wirklich zu mir gehört, schon immer da war, und auch bleiben wird (vermutlich). Ich hoffe ihr versteht was ich meine. Ergeht es manchen von euch auch so?

  • Ich habe eine andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung... wobei niemand weiß wie ich vor der Extrembelastung war oder geworden wäre... Bemerkbar macht sich diese durch ein ganz ausgeprägtes wesen-tliches Merkmal: ich fühle mich immer "anders" als alle Anderen. Nicht "von dieser Welt", "aus einer anderen Zeit kommend", "von einem anderen Stern"...ich bin nicht wie sie, sondern "anders" und genau genommen ist es ja (leider) auch so...

  • Als ich 12 Jahre alt war, kam ich zu Pflegeeltern. Nach knapp einem Jahr sagte man mir, dass man meine Briefe, die ich meinen Freundinnen schrieb alle geöffnet worden sind und man stellte mich zu verschiedenen Sachen zur Rede.

    Später fand ich auch noch heraus, dass sie mein Tagebuch lasen. Ich fing da an, mein Tagebuch mit Dingen zu füllen, von denen ich annahm, dass sie die hören wollen.

    Als ich erwachsen war, sagte mir meine Pflegemutter Mal, dass sie genau wusste, wie sie mich manipulieren könnte, damit ich das machte, was sie als wünschenswert angesehen haben.

    Ich fange jetzt erst so langsam an, herauszufinden, wer ich bin und was ich will.

    Ich mache mir aber noch in vielen Situationen Gedanken, was die anderen über mich denken und Versuche mich so zu verhalten, wie ich denke, dass meine Umgebung es für gut und normal ansehen würde.

    Das führte so weit, dass ich, wenn ich was bei einem Pizzaservice bestelle, für 2 bestelle und während der Bote im Treppenhaus hoch kommt, rede ich laut mit einer imaginären Person. Weil ich will, dass man nicht denkt, da bestellt ne einsame Person essen.

    Beim Einkaufen kam es oft vor, dass ich nicht das in den Korb getan habe, was ich mag, sondern von dem ich annahm, dass das als ..... ja als was? Als gesund und ok angesehen wird. Kein Fast good, keine Süßigkeiten, keine Cola usw.

    Heute gibt es immer mehr Momente, an denen ich mit festen Schritt durch die Stadt gehe und mich als eine reale, in die Welt gehörende, eigenständige tolle Frau wahrnehme. Und das ist dann immer so überwältigend, dass mir manchmal dann die Tränen vor Freude kommen.

  • ich merke dass wir immernoch in der identitätskrise sind

    weil wir uns immernoch finden müssen in einigen dingen....

    komisch wir dachten das wäre durch

    aber nee wir suchen noch

    und vor allem müssen wir es dann auch mal durchsetzen egal was irgndwer sagt ob ihm das passt oder eben nicht

    <3

    ...ich bin wo anders um bei mir zu sein und ich bin manchmal anders um ich zu sein...

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    Maila-Lou

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