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  • Das erste Therapiegespräch – so bereitest du dich vor

    • Shalin
    • 22. Juni 2026 um 02:39
    • 32 Mal gelesen
    • 10 Minuten
    Lesezeit: 10 Minuten

    Das erste Therapiegespräch – so bereitest du dich vor

    Einleitung

    Du hast einen Termin für dein erstes Therapiegespräch – und vielleicht fühlt sich das gerade weniger nach Erleichterung als nach Anspannung an. Was soll ich sagen? Was, wenn ich blockiere? Was, wenn es die falsche Person ist? Diese Fragen sind völlig normal, gerade bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, wo Nähe, Vertrauen und das Gefühl, beurteilt zu werden, ohnehin oft mit starken Emotionen verbunden sind.

    Die gute Nachricht: Du musst beim ersten Termin nichts „können" und nichts perfekt machen. Es ist ein Kennenlernen – in beide Richtungen. Dieser Artikel zeigt dir, was dich erwartet, wie du dich vorbereiten kannst und wie du mit der Aufregung an dem Tag umgehst.

    Was beim ersten Gespräch eigentlich passiert

    Das erste Gespräch ist meist eine sogenannte psychotherapeutische Sprechstunde. Es geht noch nicht um „die Therapie" im eigentlichen Sinne, sondern um eine erste Einschätzung: Was beschäftigt dich? Wie geht es dir aktuell? Welche Form von Hilfe könnte passen?

    Die Therapeutin oder der Therapeut wird dir wahrscheinlich offene Fragen stellen und dir Raum geben, zu erzählen. Niemand erwartet, dass du dein ganzes Leben in einer Sitzung sortiert auf den Tisch legst. Wenn danach beide Seiten weitermachen möchten, folgen in der Regel einige probatorische Sitzungen – eine Art Kennenlernphase, bevor die eigentliche Therapie beginnt.

    Allein zu wissen, dass es ein Anfang und kein „Test" ist, nimmt vielen schon einen Teil des Drucks.

    Vor dem Termin: Organisatorisches

    Ein paar praktische Dinge, die du am Vortag oder am Morgen kurz checken kannst, damit dein Kopf nicht damit beschäftigt ist:

    • Versichertenkarte einpacken. Eine Überweisung brauchst du für die psychotherapeutische Sprechstunde in der Regel nicht.
    • Vorbefunde oder Entlassbriefe (z. B. von einem früheren Klinikaufenthalt) mitnehmen, falls vorhanden – sie können hilfreich sein, sind aber kein Muss.
    • Medikamentenliste: Wenn du Medikamente nimmst, schreib Namen und Dosierung auf einen Zettel. Das ist entspannter, als es aus dem Kopf abrufen zu müssen.
    • Anfahrt und Zeitpuffer klären. Lieber etwas zu früh da sein und in Ruhe ankommen, als gehetzt reinzukommen.

    Deine Gedanken sortieren

    Das Wichtigste passiert vor dem Termin im Kopf – und auch das darf in deinem Tempo geschehen. Du musst keinen Vortrag vorbereiten. Es hilft aber oft, dir vorher ein paar Stichpunkte aufzuschreiben, weil sich in der Aufregung sonst vieles verflüchtigt.

    Frag dich in Ruhe:

    • Warum bin ich jetzt hier? Was war der Auslöser, dir Hilfe zu suchen?
    • Was belastet mich am meisten? Nenne ruhig zwei oder drei Dinge – es muss nicht vollständig sein.
    • Was würde ich gern verändern? Auch wenn es nur ein vages „mir soll es besser gehen" ist – das reicht völlig.
    • Was sollte mein Gegenüber über mich wissen, damit es mich versteht?

    Schreib das auf einen Zettel oder ins Handy und nimm ihn mit. Du darfst beim Gespräch ausdrücklich auf deine Notizen schauen – das wirkt nicht unsicher, sondern strukturiert.

    Fragen, die du selbst stellen darfst

    Ein Therapiegespräch ist keine Einbahnstraße. Du suchst eine Person, der du dich öffnen möchtest – also darfst und solltest du auch prüfen, ob die Chemie und das Angebot passen. Gerade bei Borderline lohnt es sich, gezielt zu fragen:

    • Haben Sie Erfahrung mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung?
    • Mit welchem Verfahren arbeiten Sie? (Bei Borderline sind z. B. DBT, Schematherapie oder MBT verbreitet.)
    • Wie läuft eine Therapie bei Ihnen ungefähr ab?
    • Was passiert, wenn ich zwischen den Sitzungen in eine Krise gerate?

    Die Antworten geben dir nicht nur Informationen, sondern auch ein Gefühl dafür, ob du dich bei dieser Person sicher fühlst. Und genau dieses Sicherheitsgefühl ist später der wichtigste Wirkfaktor.

    Mit der Aufregung am Tag umgehen

    Es ist okay, nervös zu sein. Anspannung vor so einem Termin ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen, dass dir die Sache wichtig ist. Ein paar Dinge, die helfen können:

    • Plane einen ruhigen Vorlauf ein. Kein Stress direkt davor, wenn es sich vermeiden lässt.
    • Nutze einen Skill gegen die Anspannung, wenn die Spannung hochkocht. Falls du noch keine parat hast, findest du konkrete Soforthilfen in unserem Beitrag 10 Skills gegen innere Anspannung und sanfte Techniken zur Selbstberuhigung.
    • Erlaube dir, ehrlich zu sein – auch über die Aufregung selbst. Ein „Ich bin gerade ziemlich nervös" zu Beginn nimmt oft sofort Druck raus und ist für dein Gegenüber eine wertvolle Information.
    • Nimm etwas Vertrautes mit, das dich erdet – ein Skill-Gegenstand, ein Stein in der Tasche, ein kühles Getränk.

    Wenn du weißt, dass dich bestimmte Themen stark triggern, kann es helfen, dir das vorher bewusst zu machen. Unsere Triggerliste kann dir dabei eine Orientierung sein.

    Nach dem Gespräch

    Gib dir nach dem Termin einen Moment, bevor du wieder in den Alltag stürzt. Vielleicht magst du dir kurz notieren: Wie habe ich mich gefühlt? Habe ich mich verstanden gefühlt? Konnte ich offen sein?

    Und ganz wichtig: Es ist völlig in Ordnung, wenn es nicht sofort passt. Die erste Person, bei der du landest, muss nicht die richtige sein. Therapie lebt von Vertrauen, und Vertrauen darf wählerisch sein. Wenn du das Gefühl hast, dass die Chemie nicht stimmt, darfst du weitersuchen – das ist kein Scheitern, sondern Selbstfürsorge.

    Falls du noch ganz am Anfang stehst und überhaupt erst einen Platz suchst, hilft dir unser Beitrag Ambulanten Therapieplatz finden weiter.

    Zum Schluss

    Dass du diesen Termin überhaupt machst, ist bereits ein großer, mutiger Schritt. Du musst nicht stark wirken, nichts beweisen und nichts richtig machen. Es reicht, dass du kommst und ehrlich bist – so ehrlich, wie es dir an diesem Tag möglich ist.

    Sei geduldig mit dir. Der erste Termin ist nicht das Ziel, sondern der Anfang eines Weges, den du nicht allein gehen musst.


    Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder therapeutische Beratung, sondern soll dir Orientierung geben. Wenn du dich akut in einer Krise befindest, wende dich bitte an die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr) oder schau auf unsere Notfall- und Hilfeseite.

    Vorheriger Artikel Wie du Trigger erkennst – ein Leitfaden für mehr Verständnis und Stabilität

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