Wie kann eine Borderline-Beziehung funktionieren? Teil I

  • Wenn man sich trennt, weil man merkt, dass man selbst zugrunde geht und dem anderen allenfalls dabei hilft weiter krank zu bleiben, richtet man keinen Schaden an. Im Gegenteil. Aber nur meine Meinung und Erfahrung.

    Manche Menschen haben so einen Horror vor dem Alleinsein, dass sie unfassbar zerstörerische Beziehungen aufrecht erhalten (auch sogenannte gesunde und "nichtbetroffene"), da erlaube ich mir kein Urteil drüber. Meins ist das allerdings nicht.

    Vielleicht trennt sich auch manch eine/r nicht, weil er/sie sich dann eingestehen müsste, dass all die Mühen der vergangenen Jahre umsonst waren. So nach dem Motto "jetzt habe ich soviel investiert, jetzt will ich endlich die Belohnung". Die bleibt in aller Regel aber aus.

    Ich habe das ja auch nicht erfunden, und ich finde es traurig zu sagen, aber manche Beziehungen führen einfach nirgendwo hin, außer in Selbstzerstörung.

  • Als von Borderline betroffene bin ich froh, dass ich mich konsequent gewehrt habe "in die `richtige Richtung'" gelenkt zu werden oder mich mit Leckerli irgendwohin lotsen zu lassen.

    ...

    Es gibt leider Angehörige, die einen emotionalen Nutzen daraus ziehen, dem Borderliner oder Alki oder auch mehrfach betroffenem Partner überlegen zu sein. Darüber sind viele völlig unbewusst und richten dann viel Schaden an.

    Damit gebe ich dir Recht! Es ist eine ewige Gradwanderung, ein Eiertanz, für beide Seiten. Respektlos, herablassend oder sonst was in der Richtung darf keine Seite sein! Es kommt aber leider immer wieder mal vor, dann muss man drüber reden und sich ggf. auch dafür entschuldigen. Wichtig ist, so zumindest meine Meinung, dass man im Gespräch bleibt! Es muss nicht sofort sein, wenn eine oder beide Seiten noch in der Wut oder Emotionen stecken, aber kurz danach muss das Thema angegangen werden. Wenn meine Frau oder auch ich in so einer Situation stecken, bieten wir uns immer (dabei reicht eine Seite, falls die andere es in der aktuellen Situation nicht kann) an, später darüber zu sprechen. Zeitlich betrachtet kann dies in ein paar Minuten sein, kann aber auch erst in ein paar Tagen sein. Kommt immer ganz auf die Umstände und Phasen drauf an.

    Das verstehe ich nicht, kannst du mir das bitte erklären, was genau du damit meinst und wie es praktisch aussieht.

    Ich kann gern versuchen die Stop-Methode zu erklären, ist aber als Textweg schwierig. Wenn du die Möglichkeit hast mit einem Therapeuten oder auch Couch zu sprechen, ist das bestimmt besser und er kann dir anhand deines Verhaltens zeigen, wo es noch an etwas fehlt (nicht bös gemeint) und zudem noch das ganze Drumherum erklären.

    Im Prinzip geht es darum, Grenzen zu setzen und eine Grenzüberschreitung nicht zu tolerieren bzw. nur in den eigenen Möglichkeiten der Grenzüberschreitung zuzulassen. Dazu ist es allerdings notwendig, die eigenen Grenzen zu kennen. Ich muss gestehen, ich habe erst in meiner Therapie gemerkt, dass ich meine Grenzen nicht kannte und somit auch nicht in der Lage war diese zu kommunizieren. Wobei mich das auch direkt zu einem wichtigen Punkt bringt, die Grenzen müssen dem Partner bekannt sein, woher soll er sie auch sonst kennen, sie müssen also kommuniziert werden, in einem oder mehreren Gesprächen. Ist das Geschehen, sollten diese auf beiden Seiten gegenseitig bekannt sein.

    Ohne jetzt näher auf das Grenzen-Thema einzugehen, hat mich der Satz gut geprägt:

    Zitat

    Ein "Nein" zu anderen, ist ein "Ja" zu dir selbst.

    Spoiler anzeigen

    Nun aber zum Hauptteil der Stop-Methode. Ist meine Frau in ihrer, ich nenne es mal Phase, drin rufe ich laut und nachdrücklich "Stop, es reicht" aus. Meine Mimik und Gestik sind dann auch darauf abgestimmt, dass ich auch zeige, was ich sage. Das war und ist nicht so leicht, wie ich feststellen musste. Meine Therapeutin hat mit mir ein Rollenspiel dazu gemacht: Sie ist auf mich zugegangen und ich sollte sie mit Worten dazu bringen, mir nicht näher zu kommen. Es waren einige Versuche. Anfangs war ich zu lieb, die Stimme hat keinen wirklichen Druck, die Mimik und Gestik sah noch zu freundlich aus (ich habe anfangs gar nicht gemerkt, dass ich gelächelt habe, was ja so gar nicht zur Aussage passt). Ich musste es erst lernen.

    Zu Hause habe ich dann vor dem Spiegel geübt bzw. mich auch mit dem Handy aufgenommen, war ganz schön komisch. Aber ich habe es gelernt.

    Mit Worten, Mimik und Gestik ist es somit möglich, sein Gegenüber erstmal einzubremsen. Immer wenn ich das geschafft habe, kommt immer ein Angebot hinterher, das ich gern über das eben Geschehene reden möchte. Ob si das Angebot annimmt oder nicht, kann sie dann selbst entscheiden, wichtig ist aber, dass die Möglichkeit dazu eröffnet wurde. Und dann heißt es abwarten. Dauert mal länger, mal kürzer (siehe oben).

    Das Ganze darf nicht lächerlich, herablassend oder in einer anderen Weise verletzend sein.

    Klappt das nicht, verlasse ich die Situation bzw. den Ort des Geschehens. Sprich ich gehe nach draußen (auf jeden Fall die angenehmste Methode, da man auch selbst wieder zur Ruhe kommt), schließe mich in einen Raum ein (sie hämmert dann noch eine Zeitlang auf die Tür ein, ist aber meistens nach wenigen Minuten damit fertig).

    Danach ist dann der Sturm so schnell wieder vorbei, wie er gekommen ist. Kann man nicht erklären oder verstehen, ist aber so.

    WICHTIG, bevor es hier zu einer Eskalation kommt oder jemand es falsch versteht: bei der ganzen Methode kommt es zu keinerlei körperlicher Gewalt! Das ist ein absolutes NO GO! Egal für welche Seite!

    Respekt und Vertrauen sind bei dem Ganzen sehr, sehr wichtig!

    Habe lange Zeit auch so gedacht , Kämpfen und bloß nicht aufgeben, jetzt nach 6 einhalb Jahren bin ich kaputt, hab keine Kraft mehr.

    An der Stelle war ich auch schon und ich habe den Schritt gewagt, mir selbst Hilfe bei einem Therapeuten zu suchen, es war die Beste Entscheidung. Er hat mir geholfen, wieder zu mir zu finden und auch ohne schlechtes Gewissen etwas für mich zu tun. Das liest man hier und auch an anderen Stellen immer wieder: Denke bei allem auch an dich selbst und schütze dich entsprechend!

    Ich denke weitere Ausführungen zu dem Thema "Grenzen" und "Stop-Methode" sind in diesem Thema zu viel und es bedarf eigener Threads dazu.

    Noch etwas: ich bin kein Therapeut oder sonst was in der Form. Ich gebe hier nur meine Erfahrungen weiter und hoffe diese halbwegs verständlich ausgedrückt zu haben.

  • Das ist sehr schade für Sie und für euch beide. Keine Chance sie in die Richtige Richtung zu lenken?

    Erstmal nicht, sie macht sofort dicht. Aber es hilft Brotkrumen zu streuen. Wie sagt man so schön: steter Tropfen höhlt den Stein :) Langer Weg, aber nicht aufgeben.

    Da hast du es ja gut und ihr seid da für euch weiter, das mit der Stop-Methode wende ich auch an aber das führt dazu das er dann erst recht weiter macht.

    Bei uns klappt es, wenn man es mit Nachdruck macht, sich also wörtlich richtig Groß macht. Ich musste es lange mit meiner Therapeutin üben, bis ich es konnte.

  • Hm, ich bin da ja auch keine Fachfrau, nur betroffene und ehemalige Angehörige, aber mir erscheint die "Stopp-Methode" ziemlich heikel. Zumindest wenn ein Partner beschließt sie anzuwenden, ohne dass das vorher in paartherapeutischen Sitzungen kommuniziert worden wäre und auch der Boderderlinepartner grundsätzlich damit einverstanden ist.

    Ich fürchte anderenfalls kann das gefährlich eskalieren, besonders wenn wie bei Sharinas Partner noch Alkohol im Spiel ist.

  • Hm, ich bin da ja auch keine Fachfrau, nur betroffene und ehemalige Angehörige, aber mir erscheint die "Stopp-Methode" ziemlich heikel. Zumindest wenn ein Partner beschließt sie anzuwenden, ohne dass das vorher in paartherapeutischen Sitzungen kommuniziert worden wäre und auch der Boderderlinepartner grundsätzlich damit einverstanden ist.

    Ich fürchte anderenfalls kann das gefährlich eskalieren, besonders wenn wie bei Sharinas Partner noch Alkohol im Spiel ist.

    Mein Partner und ich sind jetzt 6einhalb Jahre zusammen er hat hier Zuhause nie was getrunken und nur wenn er mal weg, abgehauen ist aber auch nicht übermässig. Extremer ist es erst seit vergangenen Sommer aber auch nur da draussen in der Stadt mit diesen Obdachlosen Leuten. Das heisst alles was sie hier Zuhause abspielt ist er nüchtern. Es gab Paartherapeutische Gespräche und auch gemeinsa Absprachen. Er wurde sogar gefragt was er in bestimmten Situation brauche und brauche um wieder runterzukommen/sich zu beruhigen.

    Es war abgemacht, und den Vorschlag hat er selber gemacht, das ich ihm an die Schulter fasse und sage das er sich bitte beruhigen soll , er dann ins Bad geht skills anwendet und wenn das nicht hilft er aufs Trimmrad steigt. Er hat es auch selber verschriftlicht. aber sobald er wütend wird, wird er trotzig und frech und er hält sich dann an keine Absprache und Vereinbarung mehr. Auf Bitten kommt dann nur was interessieren mich deine scheiss Absprachen. Und die Stops waren auch eine Vereinbarung von Therapeuten, ich setze sie und muss sie setzen denn er lebt hier mit mir und zwei Kleinen Kindern die ich schützen muss.

    Mir fällt auf das von Beginn an dir einige Verhaltensweisen von Angehörigen gegenüber ihren Betroffenen Partnern, heikel oder nicht richtig angesehen sind, wie wäre denn ein "richtiges" Verhalten aus deiner Sicht?

    Wenn die Liebe Dir winkt, folge Ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil :explodierendesherz:

  • Damit gebe ich dir Recht! Es ist eine ewige Gradwanderung, ein Eiertanz, für beide Seiten. Respektlos, herablassend oder sonst was in der Richtung darf keine Seite sein! Es kommt aber leider immer wieder mal vor, dann muss man drüber reden und sich ggf. auch dafür entschuldigen. Wichtig ist, so zumindest meine Meinung, dass man im Gespräch bleibt! Es muss nicht sofort sein, wenn eine oder beide Seiten noch in der Wut oder Emotionen stecken, aber kurz danach muss das Thema angegangen werden. Wenn meine Frau oder auch ich in so einer Situation stecken, bieten wir uns immer (dabei reicht eine Seite, falls die andere es in der aktuellen Situation nicht kann) an, später darüber zu sprechen. Zeitlich betrachtet kann dies in ein paar Minuten sein, kann aber auch erst in ein paar Tagen sein. Kommt immer ganz auf die Umstände und Phasen drauf an.

    Das ist hier leider komplett anders. Alles ist gut und alles läuft gut so lange alles so läuft wie er sich das auch vorstellt, bin ich anderer Meinung die nicht mit seiner konform ist oder möchte ich etwas machen was ihm nicht passt, wird er sofort wütend und fängt das provozieren und streiten an. Reagiere ich nicht darauf fängt er Streit über die Kinder an denn da bekommt er eine Reaktion von mir. Und klar werde ich irgendwann auch sauer dann sind aber schon einige Stunden vergangen wo er noch immer nicht aufhört. Klar wäre reden das Wichtigste ist hier aber nicht möglich. Dieses Wir gehen uns aus dem Weg bis wir uns beruhigt haben und reden dann klappt nicht denn er möchte wüten.

    Ich bin ganz neu in einer Beratungsstelle angebunden wo ich derzeit Gespräche habe und die Berater sind auch alles Therapeuten. Suche aber auch eine Psychotherapiepraxis.

    Wenn die Liebe Dir winkt, folge Ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil :explodierendesherz:

  • Sharina

    Du hast nach meiner Sicht nach einem "richtigen Verhalten" gefragt. Meiner Ansicht nach kann es das in den von dir beschriebenen Situationen fast nicht mehr geben, insbesondere weil, wie du sagst er die Kinder benutzt um zu provozieren. Du schreibst, und da stimme ich dir voll zu, dass du die Kinder schützen musst, bzw. schützen müsstest. Aus meiner Sicht, wäre das Verhalten deines Partners derart inakzeptabel, für die Kinder derart schädlich, dass ich auf sofortige räumliche Trennung bestehen würde. Bis auf weiteres kein Kontakt zu den Kindern. Ein Weiterführen der Beziehung käme für mich nicht in Frage.

    Das soll jetzt kein Ratschlag (den du sicher nicht befolgen würdest) sein, lediglich meine Sicht der Dinge.

    Ich habe selbst übrigens keine Kinder, aber ich weiß, was es anrichtet, wenn man Kind ist und Eltern, Stiefeltern, verschiedene Partner der Eltern sich in der beschriebenen Weise aufführen.

  • Wenn meine Frau wüten will, kann sie oft auch nichts mehr aufhalten. Wie gesagt helfen Themenwechsel, räumliche Trennung oder ignorieren. Kommt immer auf die Situation an.

    Wir haben drei Kinder, die wissen aber über BL Bescheid. Ich habe mit den Kindern eine eigene WhatsApp Gruppe, so dass ich in solchen "Wutphasen" entsprechende Infos geben kann bzw. sie mir auch Nachrichten schicken können, wenn mal was aus dem Ruder läuft. Dasselbe haben die Großeltern auch gemacht. Glücklicherweise hilft aus der Ferne immer ein Anruf, wo die Kinder dann bewusst nicht dran gehen und meine Frau dran gehen muss (einer ihrer Zwänge), somit ist sie erstmal abgelenkt. Die Kinder entscheiden dann selbstständig ob sie sich räumlich trennen (Tür zu, raus gehen, etc) oder der Anruf schon ausreichte.

    Ich weis nicht, wie alt deine Kinder sind. Meinen hat es sehr geholfen ihnen einzeln Altersgerecht zu erklären, was mit Mama los ist. Ganz wichtig ist meinen Kindern dabei zu wissen, egal was passiert, wie lieben uns trotzdem und ich verlasse Mama nicht. Dazu gibt es noch ein gemeinsames Zeichen, um zu zeigen in welcher Situation wir uns grad befinden. Oft machen wir auch einfach "Männergespräche" um über das erlebte zu sprechen, hilft sowohl mir als auch den Kindern. Der Spruch: "Reden hilft viel" entspricht absolut der Wahrheit!

    In den letzten Monaten zeigt meine Frau auch vermehrt Einsicht nach einer "Wutphase" und entschuldigt sich bei den Betroffenen Familienmitgliedern. Ich finde, das ist für sie ein enormer Schritt und bestimmt nicht leicht. Aber es hilft uns allen :)

    Da ist sie von allein drauf gekommen.

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