Eine dissoziative Identitätsstörung (DIS) – früher oft „multiple Persönlichkeitsstörung“ genannt – ist eine psychische Erkrankung, bei der eine Person zwei oder mehr unterscheidbare Persönlichkeitszustände („Anteile“, „Identitäten“) erlebt. Diese Anteile können sich in Wahrnehmung, Denken, Erinnerungen, Verhalten, Stimme, Körperhaltung oder Vorlieben deutlich unterscheiden. Betroffene erleben oft Gedächenslücken (Amnesien), Zeitverlust oder das Gefühl, nicht sie selbst zu sein.
1 Typische Merkmale
- mehrere Identitätszustände, die abwechselnd „die Kontrolle übernehmen“
- Gedächenslücken, fehlende Erinnerungen an Ereignisse oder Zeiträume
- Gefühl von Entfremdung vom eigenen Körper oder der Realität
- innere „Stimmen“ oder Dialoge zwischen Anteilen (nicht gleichzusetzen mit Schizophrenie!)
- starke Belastung und Beeinträchtigung im Alltag
2 Ursachen
DIS entsteht meist als Schutzreaktion auf schwere, oft frühe und wiederholte Traumata, vor allem in der Kindheit
(z. B. Missbrauch, extreme Vernachlässigung, Gewalt). Dissoziation hilft Kindern kurzfristig, Unerträgliches auszuhalten – langfristig kann daraus die Störung werden.
3 Unterschiede zu Schizophrenie
Wird häufig verwechselt:
- Bei DIS: Identitäten/Anteile + Gedächtnislücken
- Bei Schizophrenie: Wahn, Halluzinationen, Realitätsverlust
➡️ Es sind unterschiedliche Erkrankungen mit unterschiedlicher Behandlung.
4 Behandlung
- Traumatherapie, meist langdauernd
- Stabilisierung, Arbeit mit Anteilen, Verarbeitung traumatischer Erfahrungen
- evtl. unterstützende Medikamente (gegen Begleitsymptome wie Depression/Angst), aber kein „Medikament gegen DIS“
5 Wann Hilfe suchen?
Wenn Identitätswechsel, Erinnerungslücken oder starke Entfremdungsgefühle auftreten und der Alltag leidet. Spezialisiertes therapeutisches Setting ist wichtig.