Eine Identitätsstörung im Rahmen der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) bedeutet, dass das Erleben der eigenen Person instabil und unsicher ist. Betroffene haben oft kein dauerhaft klares Gefühl dafür, wer sie sind, was sie wollen oder wofür sie stehen.
1 Was heißt das konkret?
Die eigene Identität – also Selbstbild, Werte, Ziele, Rollen und Vorlieben – kann sich rasch und stark verändern, oft abhängig von:
- der aktuellen Stimmung,
- der jeweiligen Beziehung,
- äußeren Rückmeldungen (Bestätigung oder Kritik).
Das „Ich-Gefühl“ ist dadurch brüchig oder wechselhaft.
2 Typische Merkmale einer Identitätsstörung bei BPS
- Widersprüchliches Selbstbild
(„Ich bin stark“ ↔ „Ich bin wertlos“) - Häufige Veränderungen von Zielen, Berufsplänen, Interessen oder sexueller Orientierung
- Starkes Anpassen an andere Menschen, um Nähe zu sichern
- Gefühl innerer Leere oder „nicht wirklich zu existieren“
- Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen
- Gefühl, sich selbst von außen zu beobachten (Derealisation/Depersonalisation kann vorkommen)
3 Abgrenzung zu anderen Störungen
- Nicht gleichzusetzen mit einer dissoziativen Identitätsstörung (keine „mehreren Persönlichkeiten“).
- Es geht um eine instabile Identität, nicht um getrennte Identitäten.
4 Warum tritt das bei BPS auf?
- Häufige frühe Beziehungserfahrungen, die inkonsistent, unsicher oder traumatisch waren
- Fehlende Möglichkeit, ein stabiles Selbstbild in der Entwicklung aufzubauen
- Starke Abhängigkeit vom Feedback anderer, um sich selbst zu spüren
5 Auswirkungen im Alltag
- Unsicherheit in Beziehungen („Wer bin ich für dich?“)
- Schwierigkeiten, langfristige Entscheidungen zu treffen
- Gefühl, „sich selbst zu verlieren“, besonders in engen Beziehungen
- Starke innere Spannungen und Leere, wenn äußere Orientierung fehlt
6 Wichtig zu wissen
- Eine Identitätsstörung bei BPS ist veränderbar.
- In Therapien wie z. B. DBT, Schematherapie oder Mentalisierungsbasierter Therapie wird gezielt daran gearbeitet,
- ein stabileres Selbstbild zu entwickeln,
- eigene Werte und Bedürfnisse besser wahrzunehmen,
- sich weniger über andere zu definieren.