1 PLEASE-Skill
Der PLEASE-Skill ist eine Fertigkeit aus der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT). Er gehört zum Bereich der Emotionsregulation und beschäftigt sich vor allem mit der körperlichen und alltäglichen Grundlage emotionaler Stabilität.
Die Grundidee lautet: Wenn der Körper dauerhaft belastet ist, können auch Emotionen schwieriger reguliert werden. Deshalb geht es darum, grundlegende körperliche Bedürfnisse ernst zu nehmen und die eigene emotionale Verletzlichkeit zu reduzieren.
PLEASE steht für verschiedene Bereiche:
P – Physical illness behandeln
Körperliche Erkrankungen und Beschwerden sollten ernst genommen und angemessen behandelt werden. Körperliche Belastungen können sich auch auf die psychische Verfassung auswirken.
L – Eating ausgewogen
Eine möglichst regelmäßige und ausgewogene Ernährung kann dazu beitragen, den Körper mit ausreichend Energie zu versorgen. Starker Hunger oder unregelmäßiges Essen können körperliche und emotionale Anspannung verstärken.
E – Avoid mood-altering drugs
Der Skill empfiehlt, Substanzen zu vermeiden, die die Stimmung oder Wahrnehmung ungünstig beeinflussen können. Dazu gehören insbesondere Alkohol oder andere berauschende Substanzen, wenn sie die emotionale Stabilität beeinträchtigen.
A – Avoid excessive sleep deprivation
Ausreichend Schlaf und Erholung sind wichtig. Schlafmangel kann die emotionale Belastbarkeit verringern und dazu führen, dass Stress und Gefühle intensiver erlebt werden.
S – Exercise
Regelmäßige körperliche Bewegung kann dabei helfen, Stress abzubauen und das körperliche Wohlbefinden zu unterstützen. Dabei muss es nicht um intensiven Sport gehen. Auch Spaziergänge oder andere passende Bewegungsformen können hilfreich sein.
E – Build mastery
Der letzte Bereich bezieht sich darauf, regelmäßig Dinge zu tun, bei denen man ein Gefühl von Kompetenz und Selbstwirksamkeit erleben kann. Das können kleine Aufgaben sein, die herausfordern, aber erreichbar sind.
Der PLEASE-Skill macht deutlich, dass Emotionsregulation nicht erst in einer akuten Krise beginnt. Auch alltägliche Faktoren wie Schlaf, Ernährung, Bewegung und körperliches Wohlbefinden können beeinflussen, wie verletzlich man gegenüber Stress und starken Emotionen ist.
Ein Beispiel: Eine Person bemerkt, dass sie nach mehreren Nächten mit wenig Schlaf, unregelmäßigem Essen und dauerhaftem Stress wesentlich schneller gereizt und emotional überfordert ist. Statt diese Reaktionen ausschließlich als persönliches Versagen zu betrachten, kann sie überprüfen, welche körperlichen Grundbedürfnisse gerade vernachlässigt wurden.
Wichtig ist, dass der PLEASE-Skill keinen perfekten Lebensstil verlangt. Es geht nicht darum, immer gesund zu essen, ausreichend zu schlafen oder ständig produktiv zu sein. Vielmehr soll die eigene körperliche Grundlage so weit wie möglich stabilisiert werden.
Auch kleine Schritte können sinnvoll sein: eine regelmäßige Mahlzeit, eine Ruhepause, ein kurzer Spaziergang, ein Arzttermin bei körperlichen Beschwerden oder eine überschaubare Aufgabe, die ein Erfolgserlebnis vermittelt.
Der PLEASE-Skill kann somit dazu beitragen, die emotionale Widerstandsfähigkeit und Selbstfürsorge zu stärken. Er erinnert daran, dass psychische Stabilität und körperliches Wohlbefinden miteinander verbunden sind.
Der zentrale Gedanke lautet:
„Wenn ich mich um meine körperlichen Grundlagen kümmere, schaffe ich bessere Voraussetzungen dafür, mit meinen Emotionen umgehen zu können.“