1 Bodenanker
Ein Bodenanker ist eine einfache Stabilisierungstechnik, die dabei helfen kann, sich in belastenden Situationen wieder stärker im Hier und Jetzt zu orientieren. Besonders bei starker Anspannung, emotionaler Überflutung, Angst oder dissoziativen Zuständen können Bodenanker dabei unterstützen, die Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment und die unmittelbare Umgebung zu richten.
Der Begriff beschreibt einen inneren oder äußeren Anker, der Sicherheit und Orientierung vermitteln soll. Dabei kann der eigene Körper oder ein Gegenstand in der Umgebung als Bezugspunkt genutzt werden.
Eine einfache Möglichkeit besteht darin, bewusst den Kontakt der Füße mit dem Boden wahrzunehmen. Man kann sich hinstellen oder hinsetzen und darauf achten, wie sich der Boden unter den Füßen anfühlt. Dabei kann man sich beispielsweise innerlich sagen:
„Meine Füße stehen auf dem Boden. Ich bin hier. Ich bin im gegenwärtigen Moment.“
Auch die Wahrnehmung der Umgebung kann als Bodenanker dienen. Man kann bewusst benennen, was man gerade sieht, hört und fühlt. Beispielsweise:
- „Ich sehe den Tisch vor mir.“
- „Ich höre ein Geräusch aus dem Raum.“
- „Ich spüre den Stuhl unter meinem Körper.“
- „Meine Füße berühren den Boden.“
- „Ich bin gerade hier und nehme meine Umgebung wahr.“
Ein Bodenanker kann auch ein konkreter Gegenstand sein. Ein kleiner Stein, ein Schlüsselanhänger, ein Stoffstück oder ein anderer vertrauter Gegenstand kann in der Hand gehalten und bewusst ertastet werden. Die Aufmerksamkeit wird dabei auf Form, Oberfläche, Gewicht und Temperatur gelenkt.
Auch die Körperhaltung kann als Anker genutzt werden. Eine aufrechte, stabile Sitz- oder Stehposition kann bewusst wahrgenommen werden. Langsame Bewegungen können zusätzlich helfen, den eigenen Körper wieder deutlicher zu spüren.
Bodenanker können besonders hilfreich sein, wenn Gedanken stark abschweifen oder eine Person das Gefühl hat, innerlich den Bezug zur Gegenwart zu verlieren. Sie können eine Verbindung zwischen innerem Erleben und äußerer Realität herstellen.
Dabei sollte ein Bodenanker nicht als Zwang verstanden werden. Wenn eine Übung unangenehme Empfindungen verstärkt, kann eine andere Form der Orientierung sinnvoller sein. Wichtig ist, eine Methode zu wählen, die sich möglichst sicher und stabilisierend anfühlt.
Bodenanker können außerdem mit anderen Skills kombiniert werden, beispielsweise mit Achtsamkeit, STOP, Selbstberuhigung oder Sinnesübungen. Sie können sowohl im Alltag als auch in angespannten Situationen eingesetzt werden.
Das Ziel besteht nicht darin, unangenehme Gefühle sofort verschwinden zu lassen. Vielmehr soll ein Gefühl von Orientierung, Gegenwärtigkeit und Stabilität entstehen.
Der zentrale Gedanke lautet:
„Ich bin hier. Meine Füße haben Kontakt zum Boden. Ich kann wahrnehmen, was um mich herum geschieht, und Schritt für Schritt wieder im gegenwärtigen Moment ankommen.“