1 Emotionale Taubheit
Emotionale Taubheit bezeichnet das Gefühl, eigene Gefühle nur noch abgeschwächt oder gar nicht mehr wahrzunehmen. Betroffene können sich innerlich leer, abgestumpft, unberührt oder von den eigenen Emotionen abgeschnitten fühlen.
Es bedeutet nicht unbedingt, dass überhaupt keine Gefühle vorhanden sind. Häufig sind Emotionen zwar vorhanden, werden aber kaum bewusst wahrgenommen oder erreichen die Person nur gedämpft.
Typische Merkmale können sein:
- Gefühl innerer Leere
- kaum Freude oder Begeisterung
- Traurigkeit wird nur abgeschwächt wahrgenommen
- Schwierigkeiten, Gefühle zu erkennen oder zu benennen
- Gefühl, emotional „abgeschaltet“ zu sein
- wenig Reaktion auf eigentlich wichtige Ereignisse
- Distanz zu den eigenen Gefühlen
- Gefühl, wie „hinter einer Glasscheibe“ zu sein
- Schwierigkeiten, emotionale Nähe zu anderen zu empfinden
- vermindertes Interesse an Dingen, die früher wichtig waren
- Gefühl von Gleichgültigkeit
- manchmal gleichzeitig starke innere Anspannung trotz äußerlicher Gefühllosigkeit
2 Mögliche Zusammenhänge
Emotionale Taubheit kann beispielsweise bei Depressionen, starker psychischer Belastung, traumatischen Erfahrungen, Dissoziation oder emotionaler Überforderung auftreten. Sie kann auch als eine Art Schutzreaktion verstanden werden: Wenn Gefühle als zu schmerzhaft oder überwältigend erlebt werden, kann die Psyche die emotionale Wahrnehmung vorübergehend herunterregulieren.
3 Emotionale Taubheit und Dissoziation
Bei einer dissoziativen emotionalen Taubheit kann zusätzlich das Gefühl entstehen, von sich selbst oder der eigenen inneren Welt getrennt zu sein. Manche Menschen beschreiben dies als „Ich fühle mich wie neben mir“ oder „Ich weiß, dass ich eigentlich etwas fühlen müsste, aber ich fühle nichts.“
Emotionale Taubheit ist daher nicht dasselbe wie Gleichgültigkeit. Eine Person kann durchaus Gefühle haben, aber keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu ihnen erleben.