1 Anamnese
Die Anamnese bezeichnet die systematische Erhebung der Krankheits-, Lebens- und Vorgeschichte einer Person. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der medizinischen und psychotherapeutischen Diagnostik.
Dabei werden Informationen gesammelt, die helfen, aktuelle Beschwerden, mögliche Ursachen, bisherige Erkrankungen und persönliche Lebensumstände besser zu verstehen.
1.1 Bestandteile einer Anamnese
Je nach Situation können unter anderem folgende Bereiche erfragt werden:
- Aktuelle Beschwerden: Welche Symptome bestehen und seit wann?
- Krankheitsgeschichte: Frühere Erkrankungen, Beschwerden oder Diagnosen
- Medikamente: Aktuelle und frühere Medikamente
- Psychische Vorgeschichte: Frühere psychische Krisen, Therapien oder Klinikaufenthalte
- Sozialanamnese: Familie, Partnerschaft, Freundschaften, Arbeit und Wohnsituation
- Biografische Anamnese: Wichtige Erfahrungen und Entwicklungen im bisherigen Leben
- Familienanamnese: Erkrankungen oder psychische Belastungen innerhalb der Familie
- Suchtanamnese: Umgang mit Alkohol, Drogen, Medikamenten oder anderen Substanzen
- Schlaf und Ernährung: Schlafverhalten und Essverhalten
- Belastungen: Aktuelle Konflikte, Krisen oder besondere Lebensereignisse
1.2 Psychiatrische Anamnese
In der Psychiatrie wird besonders nach Stimmung, Ängsten, Antrieb, Schlaf, Wahrnehmung, Denken, Verhalten und sozialen Beziehungen gefragt. Auch frühere Krisen und Behandlungen können eine wichtige Rolle spielen.
1.3 Beispiel
Eine Ärztin fragt:
Zitat„Seit wann fühlen Sie sich niedergeschlagen? Wie hat sich Ihr Schlaf verändert? Gab es einen bestimmten Auslöser? Hatten Sie solche Beschwerden schon früher?“
Die Antworten sind Bestandteil der Anamnese.
Kurz gesagt: Eine Anamnese ist die strukturierte Erhebung der persönlichen und gesundheitlichen Vorgeschichte, um Beschwerden besser einordnen und eine passende Diagnostik und Behandlung planen zu können.