1 Abhängigkeitssyndrom
Das Abhängigkeitssyndrom bezeichnet ein Krankheitsbild, bei dem sich eine starke körperliche und/oder psychische Abhängigkeit von einer Substanz oder einem Verhalten entwickelt. Besonders bekannt ist es im Zusammenhang mit Alkohol, Medikamenten oder illegalen Drogen. Eine Abhängigkeit kann jedoch auch bei bestimmten Verhaltensweisen entstehen.
1.1 Typische Merkmale
Ein Abhängigkeitssyndrom kann sich unter anderem durch folgende Merkmale zeigen:
- Starker Wunsch oder innerer Drang („Craving“), die Substanz zu konsumieren
- Kontrollverlust über Beginn, Menge oder Dauer des Konsums
- Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Konsums
- Fortgesetzter Konsum trotz schädlicher Folgen
- Toleranzentwicklung – es wird zunehmend mehr benötigt, um die gleiche Wirkung zu erreichen
- Entzugssymptome, wenn die Substanz reduziert oder abgesetzt wird
- Wiederholte erfolglose Versuche, den Konsum zu reduzieren oder zu beenden
- Viel Zeit für Beschaffung, Konsum oder Erholung von den Folgen
1.2 Körperliche und psychische Abhängigkeit
Körperliche Abhängigkeit bedeutet, dass sich der Körper an eine Substanz angepasst hat. Wird sie plötzlich abgesetzt, können Entzugssymptome auftreten.
Psychische Abhängigkeit zeigt sich beispielsweise durch ein starkes Verlangen nach der Substanz und das Gefühl, ohne sie bestimmte Situationen oder Gefühle nicht bewältigen zu können.
Beides kann gleichzeitig auftreten, muss aber nicht.
1.3 Abhängigkeit und psychische Erkrankungen
Bei psychischen Erkrankungen kann ein problematischer Substanzkonsum manchmal als Versuch entstehen, unangenehme Gefühle, innere Anspannung, Angst, Leere oder traumatische Belastungen zu regulieren. Dadurch kann kurzfristig eine Erleichterung entstehen. Langfristig können sich jedoch sowohl die Abhängigkeit als auch die psychischen Beschwerden verstärken.
1.4 Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Substanz und der individuellen Situation. Mögliche Bausteine sind:
- ärztlich begleiteter Entzug
- Psychotherapie
- Suchtberatung
- Psychoedukation
- Rückfallprophylaxe
- Aufbau alternativer Bewältigungsstrategien
- Behandlung gleichzeitig bestehender psychischer Erkrankungen
- Unterstützung durch Selbsthilfegruppen
Wichtig: Bei manchen Substanzen, insbesondere Alkohol oder bestimmten Beruhigungs- und Schlafmitteln, kann ein plötzliches Absetzen gefährlich sein und sollte ärztlich begleitet werden.
Kurz gesagt: Ein Abhängigkeitssyndrom ist mehr als „zu viel Konsum“. Entscheidend sind unter anderem Kontrollverlust, starkes Verlangen, Gewöhnung, Entzug und die Fortsetzung trotz negativer Folgen.