1 Familienaufstellung
Die Familienaufstellung ist eine psychotherapeutische bzw. beraterische Methode, bei der familiäre Beziehungen, Rollen und wiederkehrende Beziehungsmuster sichtbar gemacht werden sollen. Sie wird häufig im Rahmen der systemischen Arbeit eingesetzt.
Dabei werden Mitglieder eines Familiensystems – teilweise auch abwesende oder verstorbene Personen – symbolisch dargestellt. Dies kann beispielsweise durch andere Menschen in einer Gruppe oder durch Figuren, Gegenstände oder Plätze im Raum geschehen.
1.1 Grundidee
Die Methode geht davon aus, dass persönliche Schwierigkeiten teilweise mit Beziehungserfahrungen und familiären Mustern zusammenhängen können.
In einer Aufstellung können beispielsweise Themen betrachtet werden wie:
- Konflikte innerhalb der Familie
- schwierige Eltern-Kind-Beziehungen
- wiederkehrende Beziehungsmuster
- Loyalitätskonflikte
- Gefühle von Schuld oder Scham
- Abgrenzung und fehlende Grenzen
- Trennungen und Verlusterfahrungen
- Rollen innerhalb der Familie
1.2 Wie läuft eine Familienaufstellung ab?
Eine mögliche Aufstellung kann folgendermaßen ablaufen:
- Die Person beschreibt ein aktuelles Problem oder eine Fragestellung.
- Relevante Personen oder Themen werden ausgewählt.
- Diese werden durch Personen, Figuren oder andere Symbole dargestellt.
- Die Anordnung im Raum wird betrachtet.
- Gefühle, Wahrnehmungen und Beziehungsmuster werden gemeinsam reflektiert.
- Es können alternative Anordnungen oder neue Perspektiven ausprobiert werden.
1.3 Familienaufstellung und Borderline
Bei Borderline können beispielsweise Bindungsmuster, Verlustangst, Konflikte, Abgrenzungsprobleme oder wiederkehrende Beziehungsmuster thematisiert werden.
Eine Aufstellung kann dabei helfen, bestimmte Beziehungen aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Sie ist jedoch keine spezifische Borderline-Therapie und ersetzt evidenzbasierte Verfahren wie beispielsweise DBT oder andere geeignete Psychotherapien nicht.
1.4 Kritische Betrachtung
Familienaufstellungen sind wissenschaftlich nicht so gut abgesichert wie viele etablierte Psychotherapieverfahren. Insbesondere klassische Aufstellungsformen können problematisch sein, wenn Annahmen über „verborgene familiäre Dynamiken“ oder vermeintlich objektive Wahrheiten als Tatsachen dargestellt werden.
Deshalb sollte eine solche Methode fachlich kompetent, freiwillig und mit ausreichender psychischer Sicherheit durchgeführt werden. Gerade bei traumatischen Erfahrungen sollte darauf geachtet werden, dass keine überwältigende Konfrontation entsteht.
Kurz gesagt:
ZitatEine Familienaufstellung versucht, familiäre Beziehungen und wiederkehrende Muster symbolisch sichtbar zu machen und dadurch neue Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.