1 Phobophobie
Phobophobie bezeichnet die Angst vor der eigenen Angst. Betroffene fürchten nicht unbedingt eine bestimmte äußere Situation, sondern vor allem die körperlichen und psychischen Angstsymptome selbst.
Der Begriff setzt sich aus Phobie (Angst) und Phobos (Furcht) zusammen.
1.1 Typische Gedanken
Betroffene können beispielsweise denken:
- „Was, wenn ich wieder Panik bekomme?“
- „Ich könnte die Kontrolle verlieren.“
- „Was, wenn mein Herz plötzlich rast?“
- „Ich halte diese Angst nicht aus.“
- „Was, wenn andere bemerken, dass ich Angst habe?“
- „Was, wenn mir wegen der Angst etwas passiert?“
1.2 Typische Symptome
Schon die Erwartung von Angst kann körperliche Reaktionen auslösen:
- Herzklopfen
- Zittern
- Schwitzen
- Schwindel
- Atemnot oder das Gefühl, nicht richtig atmen zu können
- Übelkeit
- Muskelanspannung
- innere Unruhe
- Derealisation oder Depersonalisation
- Panikgefühle
Dadurch kann ein Angstkreislauf entstehen:
Angstsymptom → Angst vor dem Symptom → stärkere körperliche Aktivierung → noch mehr Angst → verstärktes Angstsymptom
1.3 Vermeidung
Aus Angst vor einer erneuten Angstreaktion können Betroffene bestimmte Situationen vermeiden. Beispielsweise verzichten sie auf:
- Menschenansammlungen
- öffentliche Verkehrsmittel
- lange Autofahrten
- Sport oder körperliche Anstrengung
- Veranstaltungen
- Situationen, in denen eine Flucht schwierig erscheint
Dadurch kann sich die Angst langfristig verstärken.
1.4 Behandlung
Eine wichtige Behandlungsmöglichkeit ist die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei werden beispielsweise:
- angstauslösende Gedanken überprüft
- Vermeidungsverhalten reduziert
- Angstreaktionen besser verstanden
- Expositionsübungen eingesetzt
- der Umgang mit körperlichen Angstsymptomen trainiert
Bei einer starken Angst vor körperlichen Empfindungen kann beispielsweise die interozeptive Exposition eingesetzt werden. Dabei werden bestimmte ungefährliche Körperempfindungen gezielt und kontrolliert ausgelöst, damit die Person lernt, sie nicht automatisch als gefährlich zu interpretieren.
1.5 Phobophobie und Borderline
Bei Borderline können intensive emotionale Zustände selbst als bedrohlich erlebt werden. Beispielsweise kann die Angst entstehen, von einer starken Wut, Verzweiflung oder Verlustangst überwältigt zu werden.
Das ist jedoch nicht dasselbe wie eine Phobophobie im engeren diagnostischen Sinn.
Kurz gesagt:
ZitatPhobophobie ist die Angst vor der eigenen Angst. Die betroffene Person fürchtet insbesondere die körperlichen oder psychischen Symptome der Angst und kann dadurch in einen sich selbst verstärkenden Angst-Vermeidungs-Kreislauf geraten.