1 Invalidierung (DBT) – Lexikonartikel
Invalidierung bezeichnet im Rahmen der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) das Aberkennen, Abwerten oder Nicht-Anerkennen innerer Erfahrungen eines Menschen. Dazu gehören Gefühle, Gedanken, Bedürfnisse, Wahrnehmungen oder körperliche Empfindungen. Invalidierung kann durch andere erfolgen – oder als Selbstinvalidierung von innen heraus.
1.1 Definition
In der DBT bedeutet Invalidierung, dass einer Person direkt oder indirekt vermittelt wird:
- „So wie du fühlst, ist falsch.“
- „Du übertreibst.“
- „Das ist nicht so schlimm.“
- „Reiß dich zusammen.“
Dabei geht es nicht darum, ob eine Reaktion objektiv „angemessen“ ist, sondern darum, dass die subjektive innere Erfahrung nicht ernst genommen wird.
1.2 Formen der Invalidierung
1. Äußere Invalidierung
- Abwertung oder Bagatellisierung von Gefühlen („Andere haben es viel schlimmer.“)
- Leugnen der Wahrnehmung („Das hast du dir eingebildet.“)
- Pathologisieren ohne Verständnis („Du bist halt Borderliner, deshalb reagierst du so.“)
- Übergehen von Bedürfnissen („Jetzt stell dich nicht so an.“)
2. Selbstinvalidierung
- Eigene Gefühle abwerten („Ich darf mich nicht so fühlen.“)
- Schuld- und Schamgedanken für Emotionen
- Unterdrücken von Bedürfnissen
- Sich selbst nicht glauben oder ernst nehmen
1.3 Bedeutung bei Borderline (BPS)
Die DBT geht davon aus, dass viele Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung in einem invalidierenden Umfeld aufgewachsen sind. Das kann dazu beitragen, dass:
- Gefühle sehr intensiv erlebt werden
- Unsicherheit über eigene Wahrnehmungen entsteht
- Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation auftreten
- Selbsthass und Selbstinvalidierung verstärkt werden
Invalidierung gilt in der DBT als zentraler Risikofaktor für emotionale Instabilität.
1.4 Folgen von Invalidierung
- Verstärkung emotionaler Schmerzen
- Gefühl, „falsch“ oder „zu viel“ zu sein
- Rückzug oder eskalierende Gefühlsausbrüche
- Zunahme von Selbstverletzung oder anderen dysfunktionalen Bewältigungsstrategien
- Vertrauensverlust in sich selbst und andere
1.5 Gegenpol: Validierung
Validierung ist ein Kernkonzept der DBT. Sie bedeutet:
- Gefühle als verständlich anerkennen (auch wenn man das Verhalten nicht gutheißt)
- Die innere Logik einer Reaktion würdigen
- Ernstnehmen statt Bewerten
Beispiel:
Zitat„Deine Reaktion ergibt Sinn, wenn man betrachtet, was du erlebt hast.“
Validierung heißt nicht, alles gutzuheißen – sondern Verstehen vor Veränderung.
1.6 DBT-Haltung
Die DBT verbindet zwei scheinbare Gegensätze:
- Akzeptanz der inneren Realität
- Veränderung dysfunktionaler Verhaltensweisen
Ohne Validierung ist nachhaltige Veränderung kaum möglich.
1.7 Merksatz
ZitatInvalidierung verletzt – Validierung reguliert.
Querverweise: Emotionsregulation · Biosoziales Modell · Selbstmitgefühl · Achtsamkeit · Validierung
Hinweis: Dieser Artikel dient der psychoedukativen Information und ersetzt keine therapeutische Begleitung.