Eine Emotionsregulationsstörung bedeutet, dass es einer Person schwer oder nur eingeschränkt möglich ist, eigene Gefühle in ihrer Intensität, Dauer und ihrem Ausdruck zu steuern. Emotionen entstehen sehr schnell, sehr stark und klingen oft nur langsam wieder ab.
Es geht dabei nicht um fehlenden Willen oder mangelnde Selbstkontrolle, sondern um eine veränderte Verarbeitung von Gefühlen im Nervensystem.
1 Was passiert bei einer Emotionsregulationsstörung?
Menschen mit einer Emotionsregulationsstörung erleben:
- Gefühle intensiver als andere
- einen schnelleren emotionalen Anstieg
- ein langsameres Abklingen von Emotionen
- Schwierigkeiten, sich in emotionalen Momenten zu beruhigen
Das innere Erleben kann sich anfühlen wie:
Zitat„Meine Gefühle überrollen mich.“
2 Typische Auswirkungen
Gedanken
- Schwarz-Weiß-Denken
- Tunnelblick
- Schwierigkeiten, logisch zu bleiben
Gefühle
- sehr starke Angst, Wut, Traurigkeit oder Scham
- schnelle Stimmungswechsel
- emotionale Überforderung
Verhalten
- impulsive Reaktionen
- Rückzug oder Eskalation
- Handlungen zur schnellen Spannungsreduktion
3 Zusammenhang mit Borderline
Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist die Emotionsregulation besonders betroffen:
- das Stresssystem reagiert sehr sensibel
- emotionale Reize werden stärker bewertet
- beruhigende Gegenmechanismen greifen verzögert
Deshalb reichen oft kleine Auslöser aus, um starke emotionale Reaktionen auszulösen.
4 Wichtig: Keine Charakterschwäche
Eine Emotionsregulationsstörung ist:
- keine Übertreibung
- keine Manipulation
- kein Zeichen von Unreife
Sie ist eine erlernte und neurobiologisch geprägte Reaktionsweise, die sich mit Unterstützung verändern lässt.
5 Was hilft?
Ziel ist nicht, Gefühle zu unterdrücken, sondern:
- Emotionen früher zu erkennen
- ihre Intensität regulierbar zu machen
- angemessen auf sie zu reagieren
Hilfreich sind u. a.:
- Stresstoleranz- und Emotionsregulations-Skills
- Achtsamkeit
- therapeutische Begleitung
- sichere Beziehungen