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  3. Interpersonelle Probleme

Interpersonelle Probleme

  • Shalin
  • 22. August 2026 um 10:01

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  • Interpersonelle Probleme sind Schwierigkeiten, die im Umgang mit anderen Menschen und in zwischenmenschlichen Beziehungen entstehen können.

    1 Interpersonelle Probleme

    2 Was sind interpersonelle Probleme?

    Interpersonelle Probleme sind Schwierigkeiten, die im Umgang mit anderen Menschen und in zwischenmenschlichen Beziehungen entstehen können.

    Der Begriff „interpersonell“ bedeutet schlicht „zwischen Menschen“.

    Jeder Mensch erlebt gelegentlich Konflikte, Missverständnisse oder Enttäuschungen. Bei manchen psychischen Erkrankungen können zwischenmenschliche Schwierigkeiten jedoch besonders häufig, intensiv oder belastend auftreten.

    Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung spielen interpersonelle Probleme häufig eine wichtige Rolle. Beziehungen können dabei sehr intensiv erlebt werden und gleichzeitig durch starke Emotionen, Unsicherheit und Angst vor Zurückweisung oder Verlassenwerden belastet sein.

    3 Wie können sich interpersonelle Probleme zeigen?

    Zwischenmenschliche Schwierigkeiten können sehr unterschiedlich aussehen.

    Mögliche Beispiele sind:

    • häufige Konflikte
    • starke Angst vor Zurückweisung
    • Verlassenheitsangst
    • Schwierigkeiten mit Nähe und Distanz
    • starkes Bedürfnis nach Bestätigung
    • Probleme, Grenzen zu setzen
    • Schwierigkeiten, Grenzen anderer zu akzeptieren
    • intensive Freundschaften oder Partnerschaften
    • häufige Beziehungsabbrüche
    • starke Eifersucht
    • Misstrauen
    • schnelle Enttäuschung
    • Idealisierung und Entwertung
    • Schwarz-Weiß-Denken
    • impulsive Reaktionen auf Konflikte
    • Schwierigkeiten, Kritik auszuhalten
    • Probleme, eigene Bedürfnisse auszudrücken

    Nicht alle diese Schwierigkeiten müssen gleichzeitig auftreten.

    4 Beziehungen bei Borderline

    Menschen mit Borderline können Beziehungen häufig besonders intensiv erleben.

    Eine Person kann innerhalb kurzer Zeit sehr wichtig werden:

    Zitat

    „Endlich habe ich jemanden gefunden, der mich wirklich versteht.“

    Gleichzeitig kann die Angst entstehen, diese Person wieder zu verlieren.

    Schon kleine Veränderungen können dann Unsicherheit auslösen:

    Zitat

    „Warum schreibt sie heute weniger?“

    Zitat

    „Ist sie sauer auf mich?“

    Zitat

    „Habe ich etwas falsch gemacht?“

    Diese Unsicherheit kann wiederum starke Gefühle auslösen.

    5 Der Kreislauf zwischenmenschlicher Probleme

    Ein möglicher Kreislauf kann so aussehen:

    Situation

    Eine wichtige Person antwortet nicht.

    ↓

    Gedanke

    „Sie will nichts mehr mit mir zu tun haben.“

    ↓

    Gefühl

    Angst und Verzweiflung.

    ↓

    Anspannung

    Die emotionale Belastung steigt.

    ↓

    Verhalten

    Mehrere Nachrichten werden geschrieben oder es kommt zu Vorwürfen.

    ↓

    Reaktion der anderen Person

    Sie fühlt sich unter Druck und zieht sich zurück.

    ↓

    Interpretation

    „Ich wusste es. Sie verlässt mich.“

    ↓

    Noch stärkere Angst

    Der Kreislauf beginnt erneut.

    Das Problem liegt dabei nicht unbedingt in einem einzelnen Verhalten. Häufig verstärken sich Angst, Interpretation und Reaktion gegenseitig.

    6 Nähe und Distanz

    Ein häufiges Thema kann die Balance zwischen Nähe und Distanz sein.

    Einerseits besteht ein starkes Bedürfnis nach Nähe:

    Zitat

    „Bitte bleib bei mir.“

    Andererseits kann zu viel Nähe ebenfalls überfordernd sein.

    Dann kann plötzlich der Wunsch entstehen:

    Zitat

    „Lass mich in Ruhe.“

    Diese scheinbaren Gegensätze können für Betroffene und ihre Mitmenschen schwer verständlich sein.

    Es kann helfen zu erkennen, dass Nähe und der Wunsch nach Abstand gleichzeitig existieren können.

    7 Angst vor Zurückweisung

    Die Angst vor Zurückweisung kann dazu führen, dass neutrale Situationen als Ablehnung interpretiert werden.

    Beispiel:

    Zitat

    „Heute habe ich keine Zeit.“

    kann gehört werden als:

    Zitat

    „Ich möchte nichts mit dir zu tun haben.“

    Die emotionale Reaktion richtet sich dann möglicherweise nicht nur auf das Gesagte, sondern auf die befürchtete Bedeutung dahinter.

    Hilfreich kann die Frage sein:

    Zitat

    „Was wurde tatsächlich gesagt – und was denke ich, was es bedeutet?“

    8 Verlassenheitsangst

    Auch die Verlassenheitsangst kann Beziehungen stark beeinflussen.

    Die Befürchtung, einen wichtigen Menschen zu verlieren, kann zu

    • Klammern,
    • Rückversicherung,
    • Eifersucht,
    • Kontrollverhalten,
    • Wut,
    • Rückzug
    • oder impulsiven Beziehungsabbrüchen

    führen.

    Dabei steckt hinter dem Verhalten häufig eine starke Angst.

    Das Verhalten kann für die andere Person trotzdem belastend sein.

    Deshalb ist es wichtig, sowohl die zugrunde liegende Angst als auch die Auswirkungen des eigenen Verhaltens ernst zu nehmen.

    9 Idealisierung und Entwertung

    Eine weitere mögliche Schwierigkeit ist der Wechsel zwischen Idealisierung und Entwertung.

    Eine Person kann zunächst als außergewöhnlich positiv erlebt werden:

    Zitat

    „Sie ist die beste Freundin, die ich jemals hatte.“

    Nach einer Enttäuschung kann sich die Wahrnehmung stark verändern:

    Zitat

    „Sie ist genauso wie alle anderen. Ich kann ihr nicht vertrauen.“

    Dieses Muster wird häufig mit Splitting in Verbindung gebracht.

    Es bedeutet nicht, dass die Gefühle bewusst vorgetäuscht werden.

    Vielmehr können sich Wahrnehmung und Gefühle unter starker emotionaler Belastung sehr stark verändern.

    10 Konflikte und Wutausbrüche

    Zwischenmenschliche Konflikte können starke Wut auslösen.

    Ein Streit kann beispielsweise nicht nur als Meinungsverschiedenheit erlebt werden, sondern als:

    Zitat

    „Du verstehst mich nicht.“

    oder:

    Zitat

    „Du bist gegen mich.“

    Die Wut kann dann schnell eskalieren.

    Mögliche Reaktionen sind:

    • Schreien
    • Vorwürfe
    • Beschimpfungen
    • impulsive Nachrichten
    • Rückzug
    • Kontaktabbruch
    • Drohungen
    • Weinen
    • Selbstverletzungsdruck

    Nach dem Konflikt können wiederum Scham, Schuldgefühle und Angst vor dem Verlust der Beziehung entstehen.

    11 Kommunikationsprobleme

    Interpersonelle Probleme entstehen nicht immer durch starke Emotionen. Auch Schwierigkeiten in der Kommunikation können eine Rolle spielen.

    Beispielsweise kann es schwerfallen,

    • eigene Bedürfnisse klar auszudrücken,
    • „Nein“ zu sagen,
    • Kritik anzunehmen,
    • Kritik angemessen zu formulieren,
    • Grenzen zu setzen,
    • um Hilfe zu bitten,
    • einen Konflikt auszuhalten,
    • Kompromisse zu finden.

    Manchmal werden Bedürfnisse indirekt ausgedrückt.

    Statt:

    Zitat

    „Ich wünsche mir gerade etwas Aufmerksamkeit.“

    kann beispielsweise gesagt werden:

    Zitat

    „Dir ist ja sowieso alles egal.“

    Der eigentliche Wunsch nach Nähe geht dabei in einem Vorwurf unter.

    12 Grenzen setzen

    Gesunde Beziehungen brauchen Grenzen.

    Eine Grenze bedeutet beispielsweise:

    Zitat

    „Ich möchte heute nicht telefonieren.“

    oder:

    Zitat

    „Ich brauche nach unserem Streit erst einmal etwas Zeit.“

    Eine Grenze ist nicht automatisch eine Zurückweisung.

    Das zu unterscheiden kann bei starker Verlassenheitsangst besonders schwierig sein.

    Gleichzeitig ist es wichtig, auch die eigenen Grenzen wahrzunehmen:

    Zitat

    „Ich möchte nicht beschimpft werden.“

    Zitat

    „Ich brauche eine Pause.“

    Zitat

    „Darüber möchte ich später sprechen.“

    13 Was kann im Konflikt helfen?

    Wenn die Emotionen stark ansteigen, kann es sinnvoll sein, das Gespräch zunächst zu unterbrechen.

    Eine mögliche Formulierung lautet:

    Zitat

    „Ich merke, dass ich gerade sehr angespannt bin. Ich möchte das Gespräch nicht eskalieren lassen und brauche kurz Zeit, um mich zu beruhigen.“

    Damit wird der Kontakt nicht automatisch beendet.

    Es wird lediglich eine Pause zur Emotionsregulation geschaffen.

    14 Fakten und Interpretationen unterscheiden

    Eine sehr hilfreiche Übung kann sein, zwischen dem tatsächlichen Ereignis und der eigenen Interpretation zu unterscheiden.

    14.1 Situation

    Zitat

    „Meine Freundin hat heute nicht auf meine Nachricht geantwortet.“

    14.2 Interpretation

    Zitat

    „Sie ist sauer auf mich.“

    14.3 Befürchtung

    Zitat

    „Sie will mich verlassen.“

    14.4 Gefühl

    Zitat

    „Angst und Verzweiflung.“

    Alle vier Ebenen können sich real anfühlen, sind aber nicht dasselbe.

    Diese Unterscheidung kann helfen, nicht sofort auf eine Interpretation zu reagieren.

    15 Was kann langfristig helfen?

    Interpersonelle Probleme können psychotherapeutisch bearbeitet werden.

    Bei Borderline ist insbesondere die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) bekannt für ihre Arbeit an zwischenmenschlichen Fähigkeiten.

    Ein wichtiger Bereich sind die zwischenmenschlichen Fertigkeiten.

    Dabei kann unter anderem gelernt werden:

    • eigene Wünsche klar auszudrücken
    • Grenzen zu setzen
    • Beziehungen zu erhalten
    • Konflikte besser zu bewältigen
    • Selbstachtung zu bewahren
    • angemessen „Nein“ zu sagen
    • Bedürfnisse zu formulieren
    • Kritik auszuhalten
    • zwischen Gefühl und Handlung zu unterscheiden

    Auch MBT, Schema-Therapie und TFP können bei Schwierigkeiten in Beziehungen eingesetzt werden.

    16 Beziehungskompetenz kann gelernt werden

    Zwischenmenschliche Schwierigkeiten bedeuten nicht, dass jemand grundsätzlich unfähig zu Beziehungen ist.

    Kommunikation, Grenzen, Konfliktlösung und Emotionsregulation sind Fähigkeiten, die gelernt und trainiert werden können.

    Dabei muss nicht jede Beziehung gerettet werden.

    Eine gesunde Beziehung bedeutet nicht, dass man jeden Konflikt vermeiden muss.

    Vielmehr geht es darum, Konflikte zunehmend so zu bewältigen, dass beide Menschen ihre Bedürfnisse und Grenzen ernst nehmen können.

    17 Was Angehörige und Freunde wissen sollten

    Für Angehörige und Freunde können starke emotionale Reaktionen schwer verständlich sein.

    Es kann helfen, die Gefühle ernst zu nehmen, ohne jedes Verhalten gutzuheißen.

    Zum Beispiel:

    Zitat

    „Ich verstehe, dass du gerade sehr verletzt bist. Ich möchte aber nicht angeschrien werden. Wir können darüber sprechen, wenn wir beide ruhiger sind.“

    Damit werden gleichzeitig Emotion und Grenze anerkannt.

    Verständnis bedeutet nicht, dass andere Menschen sich alles gefallen lassen müssen.

    18 Ein kleiner Selbstcheck

    Nach einem Konflikt können folgende Fragen helfen:

    1. Was ist tatsächlich passiert?
    2. Was habe ich darüber gedacht?
    3. Welche Gefühle hatte ich?
    4. Was habe ich spontan tun wollen?
    5. Was habe ich tatsächlich getan?
    6. Wie hat die andere Person vermutlich darauf reagiert?
    7. Was hat die Situation verschärft?
    8. Was hat geholfen?
    9. Welche Grenze wurde möglicherweise berührt?
    10. Was könnte ich beim nächsten Mal anders machen?

    Diese Fragen können helfen, wiederkehrende Muster zu erkennen.

    19 Kurz zusammengefasst

    Interpersonelle Probleme sind Schwierigkeiten in Beziehungen und im Umgang mit anderen Menschen.

    Bei Borderline können sie unter anderem durch starke Emotionen, Verlassenheitsangst, Zurückweisungsempfindlichkeit, Schwierigkeiten mit Nähe und Distanz, Splitting und Probleme bei der Emotionsregulation verstärkt werden.

    Dabei sind Beziehungen nicht grundsätzlich zum Scheitern verurteilt.

    Mit therapeutischer Unterstützung und dem Erlernen neuer Fähigkeiten können Betroffene lernen, Gefühle besser zu regulieren, Bedürfnisse klarer auszudrücken, Grenzen zu setzen und Konflikte anders zu bewältigen.

    Zitat

    Merksatz: Gute Beziehungen bedeuten nicht, dass es niemals Konflikte gibt. Entscheidend ist, zu lernen, wie man mit Konflikten, Grenzen, Nähe und Distanz umgehen kann, ohne dass jede schwierige Situation die gesamte Beziehung infrage stellt.

    Hinweis: Dieser Lexikonartikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.

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Inhaltsverzeichnis

  • 1 Interpersonelle Probleme
  • 2 Was sind interpersonelle Probleme?
  • 3 Wie können sich interpersonelle Probleme zeigen?
  • 4 Beziehungen bei Borderline
  • 5 Der Kreislauf zwischenmenschlicher Probleme
  • 6 Nähe und Distanz
  • 7 Angst vor Zurückweisung
  • 8 Verlassenheitsangst
  • 9 Idealisierung und Entwertung
  • 10 Konflikte und Wutausbrüche
  • 11 Kommunikationsprobleme
  • 12 Grenzen setzen
  • 13 Was kann im Konflikt helfen?
  • 14 Fakten und Interpretationen unterscheiden
    • 14.1 Situation
    • 14.2 Interpretation
    • 14.3 Befürchtung
    • 14.4 Gefühl
  • 15 Was kann langfristig helfen?
  • 16 Beziehungskompetenz kann gelernt werden
  • 17 Was Angehörige und Freunde wissen sollten
  • 18 Ein kleiner Selbstcheck
  • 19 Kurz zusammengefasst

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