1 Klammern
Klammern beschreibt das starke Bedürfnis, die Nähe zu einem anderen Menschen aufrechtzuerhalten. Besonders in engen Beziehungen kann die Angst entstehen, den anderen zu verlieren, zurückgewiesen zu werden oder nicht mehr wichtig zu sein. Dadurch kann der Wunsch nach häufigem Kontakt, Rückversicherung und emotionaler Nähe sehr stark werden.
Klammern ist häufig weniger ein bewusstes Kontrollverhalten als vielmehr ein Versuch, innere Unsicherheit und Angst zu regulieren. Wenn der andere sich zurückzieht, nicht sofort antwortet oder Zeit für sich braucht, kann dies als bedrohlich erlebt werden. Gedanken wie „Er will mich nicht mehr“, „Ich habe etwas falsch gemacht“ oder „Er wird mich verlassen“ können dann sehr schnell entstehen.
Das Klammern kann sich beispielsweise darin zeigen, dass man ständig Nachrichten schreibt, häufig nachfragt, ob alles in Ordnung ist, ungern alleine bleibt oder Schwierigkeiten damit hat, dem Partner Freiraum zu geben. Kurzfristig kann die Nähe beruhigen. Langfristig kann jedoch ein Kreislauf entstehen: Je größer die Verlustangst wird, desto stärker wird geklammert – und je stärker der andere sich dadurch eingeengt fühlt, desto größer kann wiederum die Angst vor Distanz werden.
Hinter dem Klammern liegen oft Bedürfnisse nach Sicherheit, Verlässlichkeit, Bestätigung und emotionaler Nähe. Diese Bedürfnisse sind grundsätzlich nicht falsch. Problematisch wird es vor allem dann, wenn das eigene Wohlbefinden vollständig davon abhängt, wie verfügbar oder zugewandt eine andere Person gerade ist.
Ein wichtiger Schritt kann deshalb sein, zwischen Nähe und Abhängigkeit zu unterscheiden. Nähe bedeutet, einem Menschen verbunden zu sein und gleichzeitig die eigene Person, eigene Interessen und eigenen Freiraum zu behalten. Es geht nicht darum, keine Bedürfnisse nach Nähe mehr zu haben, sondern darum, diese Bedürfnisse wahrzunehmen, ohne dass Angst und Unsicherheit vollständig die Kontrolle übernehmen.
Klammern ist somit häufig ein Ausdruck von Verlustangst und einem starken Bedürfnis nach emotionaler Sicherheit. Es kann helfen, die dahinterliegenden Gefühle zu verstehen und nach und nach andere Möglichkeiten zu entwickeln, mit Unsicherheit, Alleinsein und Angst vor Zurückweisung umzugehen.