1 Anorexie
Anorexie, auch Anorexia nervosa oder Magersucht genannt, ist eine ernsthafte psychische Erkrankung aus dem Bereich der Essstörungen. Im Mittelpunkt stehen häufig eine starke Angst vor Gewichtszunahme, eine intensive Beschäftigung mit Körpergewicht und Körperform sowie ein verändertes Verhältnis zum Essen und zum eigenen Körper.
Menschen mit Anorexie können ihren Körper trotz eines sehr niedrigen Körpergewichts als zu dick wahrnehmen oder eine große Angst davor haben, zuzunehmen. Das eigene Gewicht und die Körperform können einen erheblichen Einfluss auf das Selbstwertgefühl bekommen. Dadurch kann der Wunsch entstehen, das Körpergewicht immer weiter zu reduzieren oder eine Gewichtszunahme unbedingt zu verhindern.
Anorexie zeigt sich nicht bei allen Betroffenen auf dieselbe Weise. Manche schränken ihre Nahrungsaufnahme stark ein, vermeiden bestimmte Lebensmittel oder lassen Mahlzeiten aus. Andere versuchen zusätzlich, eine Gewichtszunahme durch übermäßige Bewegung oder andere kompensatorische Verhaltensweisen zu verhindern. Entscheidend ist nicht nur das sichtbare Körpergewicht, sondern die zugrunde liegende psychische Problematik.
Die Gedanken an Essen, Gewicht und Körper können einen großen Teil des Tages einnehmen. Mahlzeiten können mit Angst, Schuldgefühlen oder starkem innerem Druck verbunden sein. Manche Betroffene erleben nach dem Essen intensive Selbstvorwürfe und haben das Gefühl, etwas „Falsches“ getan zu haben.
Auch emotional kann Anorexie sehr belastend sein. Häufig treten Gefühle wie Angst, Scham, Schuld, Kontrollbedürfnis oder ein vermindertes Selbstwertgefühl auf. Sozialer Rückzug kann ebenfalls entstehen, beispielsweise weil gemeinsame Mahlzeiten vermieden werden oder die betroffene Person Angst hat, dass andere ihr Essverhalten bemerken.
Die Erkrankung kann außerdem erhebliche körperliche Folgen haben. Durch eine unzureichende Energie- und Nährstoffversorgung können unter anderem Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Frieren, Kreislaufbeschwerden, hormonelle Veränderungen und eine erhöhte körperliche Schwäche auftreten. Bei schwerer Anorexie können lebensbedrohliche Komplikationen entstehen. Deshalb ist eine medizinische Betreuung besonders wichtig.
Anorexie ist keine bewusste Entscheidung und auch keine einfache „Diät, die außer Kontrolle geraten ist“. Das Verhalten kann für Betroffene zunächst das Gefühl von Kontrolle oder Sicherheit vermitteln. Gleichzeitig kann die Erkrankung zunehmend das Denken und Handeln bestimmen und es immer schwieriger machen, aus dem Kreislauf herauszukommen.
Die Behandlung von Anorexie umfasst in der Regel mehrere Bereiche. Dazu gehören eine medizinische Überwachung, eine ausreichende Ernährung und psychotherapeutische Unterstützung. Je nach Schweregrad kann auch eine stationäre Behandlung notwendig sein. Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist es, die zugrunde liegenden Ängste, Gedanken und Verhaltensmuster zu verstehen und schrittweise zu verändern.
Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass Betroffene die eigene Erkrankung manchmal nicht vollständig erkennen oder die Gewichtszunahme als besonders bedrohlich empfinden. Das bedeutet nicht, dass ihnen die Erkrankung egal ist. Vielmehr kann die Angst vor Veränderung selbst ein Teil der Erkrankung sein.
Genesung ist möglich, auch wenn sie Zeit benötigen kann. Ziel ist nicht nur eine körperliche Stabilisierung, sondern auch ein gesünderes Verhältnis zu Essen, Körper und Selbstwert. Dazu gehört, wieder mehr Vertrauen in den eigenen Körper zu entwickeln und den eigenen Wert nicht mehr hauptsächlich von Gewicht, Aussehen oder Kontrolle über das Essen abhängig zu machen.
Anorexie ist eine ernsthafte Erkrankung, die Unterstützung verdient. Je früher sie erkannt und behandelt wird, desto besser können gesundheitliche Risiken begrenzt und die Chancen auf eine langfristige Genesung verbessert werden.