1 Somatoforme Störungen
Somatoforme Störungen sind psychische Erkrankungen, bei denen körperliche Beschwerden im Vordergrund stehen. Die Beschwerden sind dabei real und werden tatsächlich empfunden – sie sind nicht eingebildet oder absichtlich vorgetäuscht.
Betroffene können beispielsweise unter Schmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Herzbeschwerden, Erschöpfung oder anderen körperlichen Symptomen leiden. Häufig lässt sich trotz medizinischer Untersuchungen keine ausreichende körperliche Ursache finden, die die Stärke oder Dauer der Beschwerden vollständig erklärt.
1.1 Typische Merkmale
- wiederkehrende oder anhaltende körperliche Beschwerden
- Schmerzen oder Druckgefühle
- Magen-Darm-Beschwerden
- Schwindel oder Herzklopfen
- Erschöpfung und Kraftlosigkeit
- starke Beschäftigung mit körperlichen Symptomen
- Sorge, ernsthaft körperlich krank zu sein
- häufiges Aufsuchen medizinischer Hilfe
- zunehmende Beeinträchtigung im Alltag
- Verstärkung der Beschwerden durch Stress oder emotionale Belastungen
1.2 Zusammenhang zwischen Körper und Psyche
Körperliche und psychische Prozesse beeinflussen sich gegenseitig. Stress, Angst und emotionale Anspannung können körperliche Beschwerden verstärken oder auslösen, beispielsweise Muskelverspannungen, Magen-Darm-Probleme, Herzklopfen oder Schmerzen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Beschwerden „nur psychisch“ sind. Die körperlichen Symptome sind für die betroffene Person real und können erhebliches Leiden verursachen.
1.3 Diagnostik
Vor einer Diagnose sollte zunächst sorgfältig geprüft werden, ob eine körperliche Erkrankung vorliegt. Eine somatoforme Störung bedeutet nicht, dass jede körperliche Beschwerde psychisch verursacht sein muss.
Für die Diagnose spielt außerdem eine Rolle, wie stark die Gedanken, Sorgen und das Verhalten rund um die körperlichen Beschwerden das Leben beeinträchtigen.
1.4 Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach den individuellen Beschwerden. Häufig hilfreich sind:
- eine verlässliche ärztliche Begleitung
- Psychotherapie, beispielsweise kognitive Verhaltenstherapie
- der Umgang mit Stress und Überforderung
- Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen
- schrittweiser Aufbau von Aktivität
- Erlernen eines besseren Umgangs mit Körperempfindungen
- Behandlung vorhandener körperlicher Beschwerden
Ziel ist nicht, die körperlichen Symptome als „eingebildet“ abzutun, sondern Körper und Psyche gemeinsam zu betrachten und den Leidensdruck zu reduzieren.