1 Passivität
Passivität beschreibt eine deutlich verringerte Bereitschaft oder Fähigkeit, selbst aktiv zu werden, Entscheidungen zu treffen oder Einfluss auf die eigene Situation zu nehmen. Betroffene warten häufig ab, anstatt selbst zu handeln, und können das Gefühl haben, dass eigene Aktivitäten ohnehin wenig bewirken.
1.1 Typische Merkmale
- wenig Eigeninitiative
- Schwierigkeiten, Aufgaben selbstständig zu beginnen
- häufiges Abwarten
- Entscheidungen werden vermieden oder anderen überlassen
- geringe Motivation, etwas zu verändern
- Rückzug aus Aktivitäten
- wenig Beteiligung an sozialen Situationen
- Bedürfnisse werden kaum geäußert
- Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen
- andere bestimmen häufig, was passiert
- Gefühl von Hilflosigkeit
- fehlendes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
- Vernachlässigung von Aufgaben und Verpflichtungen
1.2 Typische Gedanken
- „Es bringt sowieso nichts.“
- „Andere wissen besser, was richtig ist.“
- „Ich kann daran ohnehin nichts ändern.“
- „Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.“
- „Mir fehlt die Kraft, etwas zu unternehmen.“
- „Ich lasse es einfach auf mich zukommen.“
1.3 Passivität und Antriebslosigkeit
Passivität und Antriebslosigkeit können sich ähnlich zeigen, haben aber unterschiedliche Schwerpunkte:
Passivität:
Man handelt wenig oder überlässt Entscheidungen häufig anderen.
Antriebslosigkeit:
Es fehlt die innere Energie oder Motivation, überhaupt etwas zu beginnen.
Passivität kann beispielsweise aus Erschöpfung, Angst, Unsicherheit, Depression, Überforderung oder dem Gefühl von Hilflosigkeit entstehen.
1.4 Folgen
Wenn Passivität länger anhält, kann ein belastender Kreislauf entstehen:
Hilflosigkeit → Passivität → weniger eigene Erfahrungen und Erfolgserlebnisse → weniger Selbstvertrauen → noch mehr Passivität
Dadurch können Selbstwertgefühl, Selbstständigkeit und soziale Beziehungen beeinträchtigt werden.
1.5 Was kann helfen?
Hilfreich können kleine, konkrete Handlungsschritte sein. Statt sich vorzunehmen, eine große Aufgabe vollständig zu erledigen, kann man beispielsweise zunächst nur einen kleinen Teil davon beginnen.
Auch Fragen wie:
- „Was kann ich heute selbst beeinflussen?“
- „Was ist der kleinste nächste Schritt?“
- „Welche Entscheidung kann ich selbst treffen?“
- „Was brauche ich gerade?“
können dabei helfen, wieder mehr Selbstwirksamkeit und Eigeninitiative zu entwickeln.
Passivität ist dabei nicht unbedingt eine bewusste Entscheidung. Sie kann eine Reaktion auf Überforderung oder psychische Belastung sein.