1 Gruppentherapie
Kurzdefinition: Gruppentherapie ist eine psychotherapeutische Behandlungsform, bei der mehrere Patient:innen gemeinsam unter Anleitung einer Therapeutin oder eines Therapeuten arbeiten. Sie nutzt die Dynamik der Gruppe gezielt als Wirkfaktor – etwa um zwischenmenschliche Erfahrungen zu machen, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und neue Verhaltensweisen im geschützten Rahmen zu erproben.
2 Was ist Gruppentherapie?
Anders als in der Einzeltherapie findet die Behandlung hier nicht im Zweiergespräch statt, sondern in einer Gruppe von meist 6 bis 12 Teilnehmenden. Die Gruppe trifft sich in der Regel regelmäßig (z. B. wöchentlich) über einen festgelegten Zeitraum – teils offen mit wechselnder Zusammensetzung, teils geschlossen mit einer festen Gruppe über die gesamte Behandlungsdauer.
Gruppentherapie kann eigenständig oder ergänzend zu einer Einzeltherapie stattfinden und wird sowohl ambulant als auch stationär angeboten. Je nach Ausrichtung stehen unterschiedliche Schwerpunkte im Vordergrund – von reinem Erfahrungsaustausch bis zu stark strukturierten, störungsspezifischen Programmen wie dem DBT-Skillstraining.
3 Wirkfaktoren der Gruppentherapie
Die Wirksamkeit von Gruppentherapie beruht auf mehreren, gut erforschten Faktoren:
- Universalität des Leidens – die Erfahrung, mit den eigenen Problemen nicht allein zu sein, kann sehr entlastend wirken
- Interpersonelles Lernen – die Gruppe bietet einen geschützten Raum, um neue Verhaltensweisen im Kontakt mit anderen auszuprobieren und direktes Feedback zu erhalten
- Modelllernen – vom Umgang anderer Teilnehmender mit ähnlichen Themen lernen
- Gruppenzusammenhalt – das Gefühl von Zugehörigkeit und gegenseitiger Unterstützung
- Vermittlung von Hoffnung – zu sehen, dass andere Fortschritte machen, kann eigene Veränderung realistischer erscheinen lassen
4 Formen der Gruppentherapie bei Borderline
- DBT-Skillsgruppe – strukturiertes Training konkreter Fertigkeiten (Achtsamkeit, Stresstoleranz, Emotionsregulation, zwischenmenschliche Fertigkeiten), meist mit festem Curriculum und Hausaufgaben
- Psychoedukationsgruppe – Vermittlung von Wissen über die Störung, ihre Entstehung und Behandlungsmöglichkeiten
- Themenzentrierte Gruppen – z. B. zu Emotionsregulation, Selbstwert oder zwischenmenschlichen Beziehungen
- Offene Gesprächsgruppen – freier Austausch über aktuelle Themen und Belastungen, oft mit geringerer Struktur
Im stationären und teilstationären Rahmen ist Gruppentherapie häufig ein zentraler Bestandteil des Behandlungsplans, oft in Kombination mit Einzeltherapie und weiteren Bausteinen wie Ergotherapie oder Sport- und Bewegungstherapie.
5 Gruppentherapie bei Borderline-Persönlichkeitsstörung
Für Menschen mit BPS kann die Gruppe eine besonders wertvolle, aber auch herausfordernde Erfahrung sein:
- Zwischenmenschliche Themen – ein Kernbereich der BPS – lassen sich in der Gruppe unmittelbar und lebensnah bearbeiten, anders als in der Einzeltherapie
- Gleichzeitig können Gruppensituationen selbst Trigger sein, etwa bei Angst vor Ablehnung, starker Rivalität oder Konflikten zwischen Teilnehmenden
- Feste Regeln (z. B. zu Vertraulichkeit, Umgang miteinander, Verhalten bei starker Anspannung) und eine erfahrene Gruppenleitung sind daher besonders wichtig, um einen sicheren Rahmen zu gewährleisten
- Viele DBT-Programme kombinieren aus diesem Grund gezielt Skillsgruppe (eher strukturiert, weniger emotional konfrontativ) und Einzeltherapie (Raum für individuelle, tiefere Themen)
6 Was Gruppentherapie nicht ist
Gruppentherapie ist keine reine Selbsthilfegruppe ohne fachliche Leitung – auch wenn beide Formate von Austausch und gegenseitiger Unterstützung leben. Der entscheidende Unterschied: Gruppentherapie wird von ausgebildeten Therapeut:innen geleitet, folgt einem therapeutischen Konzept und ist Teil einer Behandlung. Selbsthilfegruppen sind demgegenüber in der Regel unabhängig von professioneller Anleitung organisiert und können Therapie sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen.
7 Wirksamkeit
Gruppentherapie gilt für zahlreiche Störungsbilder als vergleichbar wirksam wie Einzeltherapie, bei bestimmten Themen (insbesondere zwischenmenschlichen Schwierigkeiten) teils sogar mit spezifischen Vorteilen. Für DBT-Skillsgruppen speziell bei BPS liegt eine gute Evidenzlage vor, insbesondere in Kombination mit begleitender Einzeltherapie.
8 Fazit
Gruppentherapie nutzt den Kontakt mit anderen Betroffenen gezielt als therapeutisches Werkzeug – für Austausch, neues Verhalten im geschützten Rahmen und das Gefühl, mit den eigenen Themen nicht allein zu sein. Bei Borderline-Persönlichkeitsstörung ist sie häufig fester Bestandteil eines Gesamtbehandlungskonzepts, meist in Kombination mit Einzeltherapie und klaren Rahmenbedingungen.