1 Hypnose
Hypnose ist ein Verfahren, bei dem eine Person in einen Zustand erhöhter Aufmerksamkeit und fokussierter Konzentration geführt wird. Gleichzeitig kann die Aufmerksamkeit gegenüber äußeren Reizen und bestimmten Gedanken reduziert sein. Häufig wird dabei mit Suggestionen, Vorstellungen und Entspannung gearbeitet.
Hypnose ist kein Zustand der Bewusstlosigkeit. Die Person bekommt normalerweise mit, was geschieht, und kann eine Hypnose grundsätzlich ablehnen oder beenden.
1.1 Wie funktioniert Hypnose?
Eine Hypnose kann beispielsweise aus folgenden Phasen bestehen:
- Vorgespräch: Anliegen und Ziel werden besprochen.
- Einleitung: Die Aufmerksamkeit wird auf bestimmte Wahrnehmungen gelenkt, beispielsweise auf die Atmung.
- Vertiefung: Entspannung und Konzentration werden weiter gefördert.
- Suggestionen: Es werden passende Vorstellungen oder Impulse angeboten.
- Rückführung: Die Aufmerksamkeit wird wieder stärker auf die normale Umgebung gelenkt.
1.2 Wofür kann Hypnose eingesetzt werden?
Hypnose beziehungsweise Hypnotherapie wird unter anderem ergänzend eingesetzt bei:
- Stress und Anspannung
- bestimmten Ängsten
- Schlafproblemen
- Schmerzbewältigung
- Gewohnheitsänderungen
- psychosomatischen Beschwerden
- der Unterstützung bei bestimmten Verhaltensänderungen
Die Wirksamkeit ist je nach Anwendungsgebiet unterschiedlich gut belegt. Hypnose sollte deshalb nicht als allgemeines Heilverfahren für jede psychische Erkrankung verstanden werden.
1.3 Hypnose und Trauma
Bei traumatischen Erfahrungen ist besondere Vorsicht angebracht. Hypnose kann intensive Erinnerungen, Gefühle oder Vorstellungen aktivieren. Sie sollte deshalb bei entsprechender Vorgeschichte nur von qualifizierten Fachpersonen und mit einem sicheren therapeutischen Rahmen eingesetzt werden.
Besonders problematisch ist die Vorstellung, Hypnose könne zuverlässig „verdrängte Erinnerungen zurückholen“. Erinnerungen können unter bestimmten Bedingungen beeinflusst oder verfälscht werden. Hypnose sollte daher nicht dazu eingesetzt werden, vermeintlich vergessene Ereignisse als objektiv wahre Erinnerungen zu rekonstruieren.
1.4 Hypnose und Borderline
Bei Borderline kann Hypnose unter bestimmten Umständen ergänzend zur Behandlung eingesetzt werden, beispielsweise zur Entspannung oder zur Unterstützung der Emotionsregulation. Sie ist jedoch keine spezifische Standardtherapie für Borderline.
Verfahren wie die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) oder andere evidenzbasierte Psychotherapien haben einen wesentlich größeren Stellenwert in der Behandlung.
1.5 Hypnose ist nicht dasselbe wie Manipulation
Ein häufiger Irrtum ist, dass eine hypnotisierte Person automatisch die Kontrolle über sich verliert. Hypnose macht Menschen nicht zu willenlosen „Marionetten“. Eine Person behält grundsätzlich ihre Entscheidungsfähigkeit und muss nicht automatisch Anweisungen befolgen, die sie ablehnt.
Kurz gesagt:
ZitatHypnose ist ein Zustand fokussierter Aufmerksamkeit, der therapeutisch genutzt werden kann. Sie kann bei bestimmten Beschwerden hilfreich sein, sollte aber fachgerecht angewendet werden und ersetzt bei psychischen Erkrankungen keine geeignete Psychotherapie.