1 Validation
Validation bedeutet in der Psychologie, die Gefühle, Gedanken und die persönliche Wahrnehmung eines Menschen ernst zu nehmen und anzuerkennen, ohne automatisch allem zustimmen zu müssen.
Validation vermittelt:
„Ich sehe, dass dich das gerade belastet. Deine Gefühle dürfen da sein.“
Gerade bei emotionaler Überflutung, Konflikten, Verlustangst oder hoher innerer Anspannung kann Validation helfen, Gefühle zu beruhigen und zwischenmenschliche Beziehungen zu stabilisieren.
1.1 Was bedeutet Validation?
Validation bedeutet nicht:
- „Du hast mit allem recht.“
- „Dein Verhalten war automatisch richtig.“
- „Ich muss deine Meinung übernehmen.“
- „Ich darf dir keine Grenzen setzen.“
Stattdessen geht es darum, die emotionale Reaktion nachvollziehbar zu machen.
Beispiel:
Invalidierend:
Zitat„Du übertreibst schon wieder.“
Validierend:
Zitat„Ich merke, dass dich das gerade sehr stark trifft.“
Die zweite Aussage bestätigt nicht zwangsläufig die Interpretation der Situation, sondern erkennt das Gefühl an.
1.2 Ebenen der Validation
Validation kann auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden:
1. Zuhören
Aufmerksam sein und die Person ausreden lassen.
2. Wahrnehmen
Benennen, was möglicherweise gerade erlebt wird:
Zitat„Du wirkst gerade sehr angespannt.“
3. Gefühle anerkennen
Zitat„Ich kann verstehen, dass dich das verletzt.“
4. Perspektive verstehen
Zitat„Wenn du die Situation so erlebt hast, kann ich nachvollziehen, warum du Angst bekommen hast.“
5. Menschliche Reaktionen einordnen
Zitat„Viele Menschen würden sich in einer solchen Situation verunsichert fühlen.“
6. Echtes Verständnis zeigen
Zitat„Ich verstehe vielleicht nicht genau, wie es sich für dich anfühlt, aber ich sehe, dass es gerade sehr schwer für dich ist.“
1.3 Selbstvalidation
Validation kann auch gegenüber sich selbst angewendet werden.
Statt:
Zitat„Ich darf nicht so fühlen.“
kann man sagen:
Zitat„Ich fühle gerade sehr intensiv. Das ist unangenehm, aber mein Gefühl darf da sein.“
Oder:
Zitat„Meine Angst ist gerade sehr stark. Ich muss deshalb nicht sofort handeln.“
Selbstvalidation kann dabei helfen, Gefühle anzunehmen, ohne automatisch nach ihnen handeln zu müssen.
1.4 Validation bei Borderline
Bei Borderline können Emotionen besonders intensiv und schnell wechselnd erlebt werden. Validation kann helfen, emotionale Eskalationen zu reduzieren.
Eine mögliche Reihenfolge ist:
Gefühl wahrnehmen → Gefühl benennen → Gefühl anerkennen → Sicherheit geben → erst danach über Lösungen sprechen
Beispiel:
Zitat„Ich sehe, dass du gerade große Angst hast, verlassen zu werden. Das fühlt sich für dich gerade wahrscheinlich sehr real und bedrohlich an. Lass uns erst einmal schauen, wie wir die Anspannung etwas herunterbekommen. Danach können wir überlegen, was tatsächlich passiert ist.“
1.5 Validation bedeutet nicht, alles gutzuheißen
Ein wichtiger Unterschied:
Gefühle validieren ≠ Verhalten bestätigen.
Man kann beispielsweise sagen:
Zitat„Ich verstehe, dass du gerade unglaublich wütend bist. Gleichzeitig ist es nicht in Ordnung, mich zu beleidigen.“
Damit werden Gefühl und Grenze gleichzeitig anerkannt.
1.6 Invalidierung
Das Gegenteil von Validation ist Invalidierung. Dabei werden Gefühle oder Erfahrungen abgewertet, ignoriert oder als unangemessen dargestellt.
Beispiele:
- „Stell dich nicht so an.“
- „Das ist doch überhaupt kein Grund.“
- „Andere haben viel größere Probleme.“
- „Du bist viel zu empfindlich.“
- „Beruhige dich endlich.“
Solche Aussagen können dazu führen, dass Menschen ihre eigenen Gefühle zunehmend infrage stellen.
1.7 Validation und Kommunikation
Validation ist besonders hilfreich, wenn zwei Menschen unterschiedliche Sichtweisen haben.
Man kann die Wahrnehmung des anderen anerkennen und trotzdem eine andere Meinung vertreten:
Zitat„Ich verstehe, dass du das so erlebt hast. Ich habe die Situation allerdings anders wahrgenommen.“
Damit entsteht ein wichtiger Grundsatz:
„Ich muss deine Sichtweise nicht teilen, um deine Gefühle ernst zu nehmen.“
Merksatz:
ZitatValidation bedeutet: Gefühle anerkennen, ohne jedes Verhalten oder jede Interpretation gutheißen zu müssen.