1 Helfersyndrom
Das Helfersyndrom beschreibt ein Verhaltensmuster, bei dem eine Person ein übermäßig starkes Bedürfnis hat, anderen zu helfen, sich um sie zu kümmern oder ihre Probleme zu lösen. Dabei können die eigenen Bedürfnisse, Grenzen und Belastungsgrenzen in den Hintergrund geraten.
Der Begriff ist keine eigenständige psychische Diagnose.
1.1 Typische Merkmale
Menschen mit einem ausgeprägten Helferverhalten können beispielsweise:
- sich für die Probleme anderer verantwortlich fühlen
- nur schwer „Nein“ sagen
- die eigenen Bedürfnisse zurückstellen
- ständig für andere verfügbar sein
- Schuldgefühle entwickeln, wenn sie nicht helfen
- Anerkennung und Wertschätzung über das Helfen suchen
- versuchen, andere zu „retten“ oder deren Probleme zu lösen
- Schwierigkeiten mit persönlichen Grenzen haben
- sich übermäßig für das Wohlergehen anderer verantwortlich fühlen
- eigene Gefühle und Belastungen vernachlässigen
1.2 Warum entsteht ein Helfersyndrom?
Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Mögliche Faktoren sind beispielsweise:
- ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung
- Angst vor Ablehnung oder Verlassenwerden
- geringes Selbstwertgefühl
- früh erlernte Verantwortungsübernahme
- die Erfahrung, nur dann wertvoll zu sein, wenn man etwas für andere tut
- schwierige familiäre Rollen oder Beziehungserfahrungen
- ein stark ausgeprägtes Bedürfnis nach Kontrolle oder Sicherheit
Wichtig ist: Helfen an sich ist nichts Problematisches. Entscheidend ist, ob das Helfen freiwillig und ausgewogen geschieht oder ob die Person das Gefühl hat, helfen zu müssen.
1.3 Helfersyndrom und Abgrenzung
Ein gesundes Helfen bedeutet:
Zitat„Ich möchte dir helfen und kann das gerade leisten.“
Ein problematisches Helfermuster kann eher so aussehen:
Zitat„Ich muss dir helfen, sonst bin ich ein schlechter Mensch.“
Gesunde Grenzen können deshalb besonders wichtig sein. Dazu gehört auch, akzeptieren zu können, dass andere Menschen für ihre eigenen Entscheidungen und Probleme verantwortlich sind.
1.4 Helfersyndrom und Borderline
Im Zusammenhang mit Borderline können übermäßiges Helfen und emotionale Abhängigkeit, Verlustangst oder Schwierigkeiten mit Grenzen miteinander verbunden sein. Manche Menschen versuchen beispielsweise, durch intensive Fürsorge eine Beziehung zu sichern oder die Angst vor Ablehnung zu reduzieren.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Helfersyndrom ein typisches oder notwendiges Merkmal von Borderline ist.
1.5 Mögliche Folgen
Wenn die eigenen Grenzen dauerhaft überschritten werden, können entstehen:
- emotionale Erschöpfung
- Überforderung
- Frustration
- innere Anspannung
- Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse
- Konflikte in Beziehungen
- Gefühl, ausgenutzt zu werden
- Burnout bzw. Erschöpfungszustände
Kurz gesagt:
ZitatDas Helfersyndrom beschreibt ein übermäßiges Bedürfnis, für andere da zu sein, bei dem die eigenen Bedürfnisse und Grenzen regelmäßig vernachlässigt werden. Gesundes Helfen beinhaltet dagegen auch die Fähigkeit, „Nein“ zu sagen und Verantwortung bei der anderen Person zu lassen.