1 Reizkonfrontation
Reizkonfrontation ist ein psychotherapeutisches Verfahren, bei dem sich eine Person gezielt einem angstauslösenden Reiz oder einer gefürchteten Situation aussetzt, anstatt diese zu vermeiden. Sie ist eine Form der Exposition und wird vor allem in der Verhaltenstherapie eingesetzt.
1.1 Grundprinzip
Bei Angst entsteht häufig ein Kreislauf:
Reiz → Angst → Vermeidung → kurzfristige Erleichterung → langfristige Aufrechterhaltung der Angst
Durch die Reizkonfrontation wird dieser Kreislauf unterbrochen.
Die Person erlebt beispielsweise:
Zitat„Ich habe Angst, aber ich kann die Situation trotzdem aushalten.“
Mit der Zeit können neue Lernerfahrungen entstehen und die bisherige Angstreaktion kann an Bedeutung verlieren.
1.2 Formen der Reizkonfrontation
In-vivo-Exposition:
Die tatsächliche Situation wird aufgesucht.
Beispiel: Eine Person mit Höhenangst geht schrittweise auf einen höheren Aussichtspunkt.
Imaginative Exposition:
Der angstauslösende Inhalt wird in der Vorstellung bearbeitet.
Interozeptive Exposition:
Gefürchtete Körperempfindungen werden kontrolliert ausgelöst.
Beispiel: Bei Angst vor Herzrasen können unter fachlicher Anleitung ungefährliche körperliche Empfindungen erzeugt werden, um deren bedrohliche Bedeutung zu überprüfen.
1.3 Reizkonfrontation bei Phobophobie
Bei Phobophobie, also der Angst vor der eigenen Angst, kann die Konfrontation beispielsweise auf die gefürchteten Körperempfindungen ausgerichtet sein.
Dabei soll die Person lernen:
Zitat„Angst fühlt sich unangenehm an, ist aber nicht automatisch gefährlich.“
1.4 Wichtig
Reizkonfrontation bedeutet nicht, eine Person plötzlich und unvorbereitet mit ihrer schlimmsten Angst zu überfordern. Die Vorgehensweise sollte individuell geplant werden. Bei komplexen Traumafolgestörungen, starker Dissoziation oder anderen erheblichen psychischen Belastungen ist eine fachlich begleitete Vorgehensweise besonders wichtig.
Kurz gesagt:
ZitatReizkonfrontation bedeutet, sich gezielt mit einem angstauslösenden Reiz auseinanderzusetzen, statt ihn zu vermeiden. Dadurch können neue Erfahrungen entstehen und Angst sowie Vermeidungsverhalten langfristig reduziert werden.