Innere Leere wird von Betroffenen oft als ein schmerzhaftes Vakuum im Inneren beschrieben. Es ist nicht einfach nur die Abwesenheit von Gefühl, sondern ein aktives, oft quälendes Erleben von Sinnlosigkeit, Isolation und Entfremdung.
Man fühlt sich, als wäre man „hohl“, wie ein Zuschauer im eigenen Leben oder als hätte man den Kontakt zu seinen eigenen Wünschen und Emotionen verloren.
1 Wie fühlt sich innere Leere an?
Das Erleben ist individuell, aber häufig fallen folgende Beschreibungen:
- Gefühlstaubheit: Man fühlt weder richtige Freude noch tiefe Trauer. Alles wirkt „grau“ oder gedämpft.
- Mangelnde Verbundenheit: Man steht neben anderen Menschen, fühlt sich aber emotional meilenweit entfernt.
- Sinnverlust: Fragen wie „Wozu das alles?“ oder „Wer bin ich eigentlich?“ drängen sich in den Vordergrund.
- Hunger nach Reizen: Um das Loch im Inneren zu stopfen, greifen Menschen oft zu extremen Reizen (z. B. übermäßiges Essen, riskantes Verhalten, viel Arbeit oder exzessiver Medienkonsum).
2 Warum entsteht dieses Gefühl?
Innere Leere ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann:
- Psychische Erkrankungen:
- Borderline-Persönlichkeitsstörung: Hier ist die chronische innere Leere ein Kernsymptom, oft verbunden mit der Angst vor dem Verlassenwerden.
- Depression: Leere tritt hier oft an die Stelle von Traurigkeit (man fühlt sich „leer statt schwer“).
- Burnout: Wenn alle emotionalen Ressourcen aufgebraucht sind, bleibt oft nur Leere zurück.
- Entfremdung vom Selbst: Wenn man jahrelang nur die Erwartungen anderer erfüllt und die eigenen Bedürfnisse unterdrückt hat, verliert man den Kontakt zu seinem „Kern“.
- Trauma: Als Schutzmechanismus spaltet die Psyche Gefühle ab (Dissociation), was sich später als Leere anfühlen kann.
- Existenzielle Krisen: Große Umbrüche (Rente, Auszug der Kinder, Jobverlust) können ein vorübergehendes Gefühl der Sinnleere auslösen.
3 Der Zusammenhang zur DBT (Dialektisch-Behaviorale Therapie)
Da Sie vorhin nach der Verhaltensanalyse gefragt haben: In der DBT ist das Aushalten oder „Füllen“ dieser inneren Leere ein zentrales Thema. Viele problematische Verhaltensweisen (wie Selbstverletzung oder Impulsivität) sind eigentlich Versuche, die quälende Leere durch einen starken Reiz zu beenden.
In der Therapie lernt man:
- Die Leere als Zustand zu akzeptieren, ohne sofort schädlich zu handeln (Radikale Akzeptanz).
- Sich wieder mit den eigenen Werten zu verbinden, um dem Leben Farbe zurückzugeben.
- Achtsamkeit, um das Gefühl der Leere genau zu beobachten, statt davor zu flüchten.
4 Ein kleiner Impuls
Wenn Sie dieses Gefühl kennen: Tritt es in bestimmten Situationen auf (z. B. wenn Sie allein sind) oder ist es ein ständiger Begleiter?