1 Komorbidität
Komorbidität bezeichnet das gleichzeitige Auftreten von zwei oder mehr psychischen oder körperlichen Erkrankungen bei einer Person. Dabei bestehen die Erkrankungen nebeneinander, können sich gegenseitig beeinflussen oder verstärken, ohne dass eine die andere zwingend verursacht.
In der Psychiatrie und Psychotherapie ist Komorbidität sehr häufig. Viele Menschen erfüllen nicht nur die Kriterien einer einzelnen Diagnose, sondern mehrere gleichzeitig.
Beispiele:
- Borderline-Persönlichkeitsstörung und Depression
- Angststörung und Suchterkrankung
- Posttraumatische Belastungsstörung und Essstörung
Komorbiditäten können:
- die Diagnose erschweren
- den Krankheitsverlauf beeinflussen
- die Behandlung komplexer machen
Daher ist es wichtig, alle bestehenden Erkrankungen zu berücksichtigen und die Therapie entsprechend anzupassen. Oft werden Behandlungsansätze kombiniert oder in einer bestimmten Reihenfolge durchgeführt (z. B. zuerst Stabilisierung, dann Traumatherapie).
Komorbidität ist kein Zeichen von „Schwere“ oder persönlichem Versagen, sondern ein häufiges und gut bekanntes Phänomen in der Medizin und Psychologie.