1 Elektrokrampftherapie (EKT)
Die Elektrokrampftherapie (EKT) ist ein medizinisches Behandlungsverfahren, das in der heutigen Psychiatrie nur in schweren Ausnahmefällen eingesetzt wird. Sie kommt vor allem dann infrage, wenn Menschen unter extremen, lebensbedrohlichen psychischen Zuständen leiden und andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben.
Für viele Betroffene klingt EKT zunächst beängstigend. Wichtig ist: Die heutige EKT hat nichts mit den historischen „Schocktherapien“ zu tun, die oft aus Filmen bekannt sind.
1.1 Wie läuft eine EKT ab?
- Die Behandlung erfolgt unter Vollnarkose
- Zusätzlich wird ein Muskelentspannungsmittel gegeben
- Ein kurzer elektrischer Impuls löst einen kontrollierten Krampfanfall aus
- Der Krampf dauert nur wenige Sekunden
- Die betroffene Person spürt keine Schmerzen und erinnert sich meist nicht an den Moment
Eine EKT-Serie besteht häufig aus mehreren Sitzungen über einige Wochen.
1.2 Warum wird EKT eingesetzt?
EKT kann erwogen werden bei:
- schweren, therapieresistenten Depressionen
- akuter Suizidgefahr
- katatonen Zuständen
- schweren psychotischen Symptomen
Oft wird sie eingesetzt, wenn eine schnelle Wirkung notwendig ist und andere Therapien zu langsam oder wirkungslos sind.
1.3 EKT und Borderline
Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung selbst ist die EKT keine Standardbehandlung.
Sie kann jedoch in seltenen Fällen eine Rolle spielen, wenn zusätzlich eine schwere Depression oder akute Suizidalität vorliegt, die anders nicht ausreichend behandelbar ist.
EKT ersetzt keine Psychotherapie und keine Skills-Arbeit. Sie kann – wenn überhaupt – nur eine unterstützende Krisenmaßnahme sein.
1.4 Mögliche Nebenwirkungen
Manche Betroffene berichten nach EKT von:
- vorübergehenden Gedächtnislücken (v. a. rund um den Behandlungszeitraum)
- Kopfschmerzen oder Müdigkeit
- kurzfristiger Verwirrtheit nach dem Aufwachen
Diese Nebenwirkungen sind meist zeitlich begrenzt und werden medizinisch eng begleitet.
1.5 Wichtig für Betroffene
- EKT erfolgt nur mit Einwilligung
- Niemand darf ohne Zustimmung behandelt werden
- Du hast jederzeit das Recht auf Aufklärung, Nachfragen und Bedenkzeit
- Zweifel, Ängste oder Ablehnung sind völlig legitim
1.6 Einordnung für die Selbsthilfe
EKT ist kein Zeichen von Versagen, sondern eine mögliche medizinische Maßnahme in extremen Situationen.
Gleichzeitig ist sie kein Heilmittel für Borderline. Langfristige Stabilisierung entsteht vor allem durch:
- therapeutische Beziehungen
- Skills & Emotionsregulation
- Selbsthilfe & Austausch
- Zeit, Übung und Selbstmitgefühl