1 Ergotherapie
Ergotherapie ist eine therapeutische Behandlungsform, die Menschen dabei unterstützt, ihren Alltag besser zu bewältigen und wieder handlungsfähig zu werden. Im Mittelpunkt stehen nicht Symptome allein, sondern das praktische Leben: sich strukturieren, mit Gefühlen umgehen, Beziehungen gestalten und sich selbst stabilisieren.
1.1 Was bedeutet Ergotherapie konkret?
In der Ergotherapie geht es darum, Fähigkeiten zu stärken, die im Alltag wichtig sind, zum Beispiel:
- Tagesstruktur aufbauen
- mit Stress und Überforderung umgehen
- Konzentration und Belastbarkeit verbessern
- eigene Grenzen wahrnehmen
- Selbstwirksamkeit erleben („Ich kann etwas tun“)
Dabei wird oft handelnd gearbeitet, nicht nur gesprochen.
1.2 Wie läuft Ergotherapie ab?
Je nach Ziel und Setting kann Ergotherapie beinhalten:
- kreative Tätigkeiten (z. B. Malen, Gestalten, Handarbeit)
- alltagsnahe Übungen (Planen, Strukturieren, Üben von Abläufen)
- Training sozialer und emotionaler Kompetenzen
- Gespräche über Erlebtes und Gefühle während der Tätigkeit
Ergotherapie kann einzeln oder in Gruppen stattfinden.
1.3 Ergotherapie und Borderline
Für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung kann Ergotherapie besonders hilfreich sein, weil sie:
- hilft, Emotionen über Handlung zu regulieren
- Abstand von Grübelschleifen schafft
- Stabilität und Struktur im Alltag fördert
- Selbstwert durch konkrete Erfolge stärkt
Viele Betroffene erleben Ergotherapie als weniger konfrontativ als reine Gesprächstherapie.
1.4 Wo findet Ergotherapie statt?
Ergotherapie wird angeboten:
- ambulant (Ergotherapiepraxen)
- in Tageskliniken
- in psychiatrischen oder psychosomatischen Kliniken
- in Reha-Einrichtungen
Sie kann ärztlich verordnet werden und ist oft Kassenleistung.
1.5 Wichtig zu wissen
- Ergotherapie ist keine „Bastelstunde“
- Jede Übung hat ein therapeutisches Ziel
- Es geht nicht um Leistung, sondern um Entwicklung
- Pausen, Überforderung und Zweifel sind erlaubt
1.6 Einordnung für die Selbsthilfe
Ergotherapie kann helfen, wieder ins Tun zu kommen, wenn alles zu viel oder leer erscheint.
Sie verbindet Körper, Gefühle und Alltag – und kann ein stabilisierender Baustein auf dem eigenen Weg sein.