1 Ausschleichen
Ausschleichen bedeutet, ein Medikament schrittweise und langsam zu reduzieren, anstatt es plötzlich abzusetzen. Ziel ist es, dem Körper und dem Nervensystem Zeit zu geben, sich an die geringere Dosis zu gewöhnen.
Ausschleichen wird besonders bei Psychopharmaka empfohlen.
1.1 Warum ist Ausschleichen wichtig?
Viele Medikamente wirken direkt auf das Gehirn.
Wird ein Medikament abrupt abgesetzt, kann es zu:
- Entzugssymptomen
- starken Stimmungsschwankungen
- körperlichen Beschwerden
- Rückfall-ähnlichen Zuständen
kommen.
Ausschleichen hilft, diese Risiken zu verringern.
1.2 Was kann beim Ausschleichen auftreten?
Mögliche vorübergehende Reaktionen sind:
- innere Unruhe oder Angst
- Schlafprobleme
- Reizbarkeit
- körperliche Symptome (z. B. Schwindel, Übelkeit)
Das bedeutet nicht automatisch, dass das Medikament „gebraucht wird“, sondern oft, dass das Nervensystem sich anpasst.
1.3 Ausschleichen und Borderline
Bei Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung ist Ausschleichen besonders wichtig, da:
- Emotionen ohnehin sehr intensiv erlebt werden
- abrupte Veränderungen Krisen auslösen können
- Stabilität ein zentrales Ziel ist
Ein langsames Vorgehen kann helfen, emotionale Ausnahmezustände zu vermeiden.
1.4 Wichtig zu wissen
- Ausschleichen sollte immer ärztlich begleitet werden
- Tempo und Schritte sind individuell
- Langsam ist kein Rückschritt, sondern Selbstfürsorge
- Rückfragen und Unsicherheiten sind völlig legitim
1.5 Einordnung für die Selbsthilfe
Ausschleichen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein achtsamer Umgang mit sich selbst.
Es schützt vor unnötigen Krisen und unterstützt einen stabileren Übergang – egal ob es um Medikamente, Sicherheit oder Vertrauen geht.