Borderline und der destruktive Konsum
Die Sucht
Siech (mittelhochdeutsch) bedeutet Krank
Gibt es etwas in deinem Leben, das du gerne und viel machst?
Zum Beispiel Videospiele spielen, Lieblingsserie schauen, tanzen gehen, draußen sein.
Vieles, was wir in unserem Alltag gerne machen, wird in der heutigen Zeit schnell als Sucht abgestempelt. Zum Glück entspricht das nicht ganz dem, was wir als Krankheitsbild sehen und kennen.
Es gibt klare Merkmale, um herauszufinden, ob du wirklich von Sucht betroffen bist.
Welche dies sind, schauen wir uns in diesem Artikel genauer an.
Mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung ist das Risiko eine Suchterkrankung zu entwickeln um 70% erhöht, als ohne. Mit dem Krankheitsbild kämpft man, Tag für Tag, mit verschiedenen Begleiterscheinungen wie einer instabilen Gefühlswelt, einem negativen Selbstbild oder impulsiven Handlungen.
Alkohol wird am häufigsten konsumiert, gefolgt von Drogen, legal oder illegal, Tabak, riskantes Sexualverhalten, Selbstverletzung, Essen, usw.
Wird eine Sucht nicht erkannt und behandelt, können starke körperliche oder psychische Einschränkungen die Folge sein.
Eine Doppeldiagnose, Suchterkrankung und Borderline, ist in den meisten Fällen herausfordernder zu stellen.
Sie überschneiden sich vor allem in den Punkten:
-Selbstzerstörerisches Verhalten
-Schlechtes Urteilsvermögen
-Verzerrtes Selbstbild
-Schlechte Impulskontrolle
-Finanzielle Probleme
-Instabilität z.B: Job, Beziehungen, Partnerschaft;
Was passiert beim Konsum in unserem Gehirn?
Beispiel anhand Alkohol:
Ist dir schon mal aufgefallen, dass bevor du Alkohol konsumierst, kannst du in dir eine Wand voller Hemmungen/Blockaden feststellen. Sie zeigen sich zum Beispiel durch Angst, Selbstzweifel, Schüchternheit.
Mit jedem alkoholischen Getränk verschwinden diese Hemmungen und du fühlst dich entspannter.
Es fühlt sich lockerer, einfacher und lustiger an. Je mehr man trinkt, desto mutiger wird man und die Bereitschaft, etwas zu wagen, das man sonst nie machen würde, steigt. Das liegt daran, dass Alkohol in die Neurotransmitter eingreift und diese sofort beginnen Glückshormone zu produzieren. Solange man trinkt, werden sie freigesetzt und man verspürt Glücksgefühle.
Hört man auf zu konsumieren, beginnt der Körper seine eigene Produktion stark zu reduzieren.
Danach dauert es lange, bis die Erzeugung der eigenen Botenstoffe wieder vollständig normalisiert ist.
In der Zeit nach dem Konsum erlebst du eine Leere, Bedrückung oder Traurigkeit.
Diese Leere kann dazu führen, dass deine Bereitschaft, nochmal zu trinken, dich selbst zu verletzen oder suizidale Gedanken zu haben, erhöht ist.
Vor allem psychische und körperliche Probleme können den Weg in eine Abhängigkeit fördern.
Was gibt dir Sucht?
Das erste Mal Konsumieren gibt dir ein unglaublich “schönes” Erlebnis, du empfindest Freude und denkst dir, wie schön dieser Moment ist. So kann das doch bleiben.
Egal ob beim Feiern, mit Freunden oder beim gemütlichen Beisammensein. Das behältst du gut in Erinnerung, bis der Gedanke kommt: Ich möchte nochmal.
Das nächste erleben ist zwar schön, nur nicht so wie beim ersten Mal. Irgendwann beginnst du, wenn dich Gefühle wie Angst, Verlassenheitsängste, Scham oder innere Leere heimsuchen, zu konsumieren. Denn der Rausch vermittelt dir Gefühle von Geborgenheit, Wärme oder Verstanden zu werden.
Zwanghaft versuchst du diesen Zustand wieder zu erleben, aber erreichst diese Qualität nicht mehr. Deshalb gibst du dich mit einer immer schlechteren Version davon zufrieden.
Die Versuchung, diese Emotionen mit der Sucht zu betäuben, kostet dich mehr als nur Geld. Du lügst dich selbst an, weil es dich kurz tröstet und dich dann verzweifelter zurück lässt.
Ein Leben im Chaos
Sucht ist zwanghaft, ja sie ist krankhaft!
Starkes Verlangen:
Es entwickelt sich ein unbezwingbares Verlangen nach mehr!
Wie Alkohol, Drogen, Medikamente, Spielautomat, Essen, Einkaufen. Ich weiß ich habe genug und möchte nicht mehr, doch ich muss noch ein Glas trinken…
Toleranzbildung:
Die Gefahr zur Dosissteigerung ist sichtlich vorhanden.
Es bleibt nicht bei diesem Mal oder bei der netten Party am Wochenende. Es beginnt schon in der Arbeit, beim nach Hause gehen oder alleine hinter verschlossener Tür.
Fortsetzung trotz negativer Folgen:
Die psychische Abhängigkeit macht sich bemerkbar.
Schuldgefühle suchen dich heim. Du konsumierst lieber alleine, aus Scham verurteilt zu werden. Nervosität und Unruhe machen sich in dir breit, depressive Stimmung kommt auf. Die Zeiträume, es ohne Konsum auszuhalten, verkürzen sich.
Der Körper macht sich bemerkbar:
Der Körper zeigt auf, dass die Konzentration immer schlechter wird, spürt Schmerzen und die Reaktionsfähigkeit verschlechtert sich enorm. Paranoia zeigt sich, man stellt alles in Frage, sogar die eigene Wahrnehmung, die Vernachlässigung der Körperhygiene oder auch der starke Verlust von Körpergewicht.
Vernachlässigung:
Schädigendes Verhalten deiner Person oder der Gesellschaft.
Dir ist alles egal! Wichtige Termine oder Verabredungen von Freunden/ Partner/ Beruf werden abgesagt, nur um zu konsumieren. Du schreibst nicht mehr zurück oder ziehst dich komplett aus der Atmosphäre.
Kontrollverlust:
Verlust von Kontrolle über das eigene Verhalten und die eigene Autonomie.
Es stellt sich, für dich, nicht mehr die Frage: Wie viel will ich heute trinken oder spielen? Nein, du musst konsumieren, du musst es einfach tun, egal was.
Was für Süchte gibt es?
Impulsive Sucht:
Für Menschen, die von einer Borderline Persönlichkeitsstörung betroffen sind, stellt diese Suchtform ein erhöhtes Risiko dar. Es ist schwierig, die eigenen Impulse zu kontrollieren und bietet dadurch einen leichten Weg, ein Suchtverhalten zu entwickeln.
Durch das aktive Belohnungs - Bestrafungssystem ist die Versuchung größer, ohne dabei auf ernste Konsequenzen zu achten.
Die Substanzgebundene Sucht:
In die Substanzgebundene Sucht fällt alles, was deinen Körper und deine Psyche mit abhängig macht. Egal ob legale oder illegale Substanzen, wenn du sie regelmäßig konsumierst, vergiften sie dich.
Dazu zählen: Alkohol, Nikotin, Drogen(Kokain, Heroin, Cannabis), Medikamente (Schlafmittel, Schmerzmittel), Essen;
Die Substanzungebundene Sucht:
Die substanzungebundene Sucht wird auch Verhaltenssucht genannt. Das bedeutet, das wiederholte Verhalten löst in einem eine zwanghafte Suche aus.
Dazu zählen: Glücksspiel, Selbstverletzung, Sexsucht, Kaufsucht, Internetsucht, Messi-Syndrom, Exzessives Sport machen oder auch Arbeitssucht;
Nach dem Chaos: Was jetzt?
Ist es einer Person in deinem Unterstützernetzwerk aufgefallen? Gibt es bei dir Veränderungen, die in diese Richtung gehen könnten?
Oder kannst du es bei einem geliebten Menschen erkennen, dass etwas anders ist?
Was kann ich tun?
Suche das Gespräch
Ein offenes und ehrliches Gespräch ist für den Anfang sehr wichtig. Ein geschützter Raum, in dem du dich sicher fühlst und ehrlich sein kannst, ist schon ein großer Schritt in die richtige Richtung.
Heutzutage gibt es auch spezialisierte Einrichtungen, die unverbindliche Beratungsgespräche anbieten und eine gute Stütze sein können.
Entgiftung
Gib deinem Körper und deiner Psyche Zeit sich zu erholen und zu entgiften. Ein Entzug ist ein nächster wichtiger Schritt und kann auf verschiedene Arten bewältigt werden. Es gibt den Reduktions-Entzug, man startet mit Hilfe und Absprache eines Therapeuten oder Arztes die Reduktion der Substanz, bis man bei null ankommt.
Der Kalte-Entzug bedeutet, von heute auf morgen mit der Substanz oder dem Verhalten aufzuhören. Das ist das herausfordernste an dieser Vorgehensweise.
WICHTIG - Vertraue dich unbedingt jemandem an! Ein kalter Entzug kann ohne Unterstützung negative Effekte haben.
Therapiemöglichkeiten
Eine Psychotherapie ist eine gute Startmöglichkeit. Gefolgt von einer kognitiven Verhaltenstherapie, die den Raum bietet, Muster zu erkennen, zu verstehen und das Verhalten auf lange Sicht zu verändern. Eine medikamentöse Therapie kann auch eine hilfreiche Stütze sein, um zu lernen mit dem Suchtdruck und den Versuchungen umzugehen.
Impulskontrolle ist eine wichtige Eigenschaft, die in der Therapie erlernt werden kann.
Neuer Weg
Ein neuer Plan wird gemacht, wie dein Leben in der Zukunft aussehen kann. Mit kleinen Zielen wird gearbeitet, um dich nicht zu überfordern. Du hast ja schon mit großen Schritten begonnen. Dein neues Leben ohne Substanzen oder Verhalten hast du schon längst begonnen. Sei stolz auf dich!
Rückfallprävention
Auch die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall ist am Anfang der Reise erhöht. Gerade für Menschen mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung sind Rückfälle mit starken Schuld und Schamgefühlen verbunden. Doch mit deinen Unterstützern und deinem Ziel vor Augen kannst du es dadurch schaffen!
Es gibt mittlerweile gute Angebote, die dir dabei helfen können, am Ball zu bleiben. Zum Beispiel Selbsthilfegruppen, Gruppentherapie, Einzelcoaching, Internetforen zur Information und Austausch.
Du kannst es schaffen, du bist am Weg!