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  • Stigmatisierung

    • Shalin
    • 2. Oktober 2025 um 07:19
    • 359 Mal gelesen
    • 8 Antworten
    In diesem Artikel möchten wir über Stigmatisierung aufklären und die Folgen von Stigmatisierung betrachten.
    Lesezeit: 5 Minuten

    Stigmatisierung

    In diesem Artikel möchte ich die Folgen von Stigmatisierung betrachten.


    Der Wortstamm von “Stigmatisierung” ist das griechische “Stigma”- was ursprünglich “Brandmal” bedeutet und tatsächlich früher ein eingebranntes Mal zur Kennzeichnung von Sklaven und Verbrechern meinte.

    Heute bezeichnet es eine negative Zuschreibung und Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer Merkmale.


    Stigmatisierung entsteht, wenn bestimmte Personen oder Gruppen aufgrund vermeintlicher oder tatsächlicher gesellschaftlicher Normierung als “andersartig” erlebt und bezeichnet werden. Dabei handelt es sich meißt um gesellschaftliche Minderheiten, denen negative und andersartige Eigenschaften zugeschrieben werden, um zwischen einem “Wir” und “Die” unterscheiden zu können und als Folge das “Wir” als besser zu erleben.

    Die Tendenz zur Stigmatisierung ist ein erlernter Prozess, es ist bekannt, dass Kindern eine “Andersartigkeit” des Gegenübers gleichgültig ist- bis es durch die Umwelt und Erziehung lernt, dass dem nicht so ist und Menschen in Kategorien eingeteilt werden können und vermeintlich auch müssen.

    So kann dies bereits sehr früh beginnen- mit zum Beispiel Ausgrenzung in Kindergarten und Schule aufgrund nicht erwartungsgemäßer Kleidung.

    Stigmatisierung ist auch immer eine Folge der Möglichkeit zur Ausübung von Macht:

    “Wir sind besser als Ihr und stehen über Euch”

    Also kann davon ausgegangen werden, dass Stigmatisierung besonders in Gesellschaften und Gruppen zu finden ist, die sich vorrangig über Leistung und soziale Unterschiede definieren.


    Folgen

    Stigmatisierung kann alle Bereiche einer Gesellschaft betreffen:

    Religion und ethnische Zugehörigkeit

    Politische und private Orientierung

    Bildungswesen

    Arbeitswelt

    Gesundheitswesen

    Folgen einer Stigmatisierung können für den Betroffenen sehr weitreichend sein und das gesamte Leben betreffen. Sie führt zu

    Sozialer Ausgrenzung und Rückzug

    Verminderten Selbstwert

    Weniger und schlechtere Chancen und Möglichkeiten in Bildung und Arbeit

    Schlechtere Behandlung im Gesundheitswesen


    Hier im Rahmen des Selbsthilfeforums gehe ich auf die möglichen Nachteile im Gesundheitswesen ein:

    Auch heute ist es noch so, dass Therapeuten die Behandlung bestimmter Erkrankungen ablehnen- bekannt dafür ist es bei Betroffenen der BPS. Die Betroffenen werden oft als anstrengend, übergriffig, wechselhaft “eingeteilt”, sie übertreiben ständig, dramatisieren und wollen keine Verantwortung übernehmen.

    Das dies alles die Folgen einer nicht ermöglichten ausreichenden Entwicklung ist, wird dabei leider übersehen- und dem Betroffenen eine Verantwortung aufgebürdet, welche aufgrund mangelnder Entwicklung anfangs gar nicht übernommen werden kann.

    Vorurteile in diesem Setting können zu einer Verschlechterung der Symptomatik bis hin zur Therapieverweigerung führen- der Patient lernt, dass er keine angemessene Hilfe finden wird und seine Hilflosigkeit “falsch” ist, da sein Leidensdruck nicht ernst genommen wird.

    Anstatt das Erleben und die Gefühle des Patienten zu validieren, werden diese relativiert und als unangemessen erlebt.


    Auch im allgemeinen Gesundheitswesen kommt es zu Stigmatisierungen:

    Die Beschreibung von Schmerzen und anderen Symptomen wird nicht ernst genommen- und unter Umständen eine notwendige Behandlung verweigert.


    Eine in ihrer Problematik nicht zu unterschätzende Folge von Stigmatisierung ist die “Selbststigmatisierung”:

    Der Patient übernimmt die von außen kommenden Vorurteile, fühlt sich selbst schuld an seiner Erkrankung und empfindet sich als willensschwach und inkompetent. Die Folge dieser Widersprüche der von Aussen kommenden Vorurteile und Bewertungen und dem eigenen inneren Erleben sind tiefe Konflikte und möglicherweise die Weigerung, sich angemessene Hilfe zu suchen.

    Somit gerät der Patient in eine immer tiefer gehende negative Abwärtsspirale.


    Vorbeugen

    Verhindern kann man eine solch “krankmachende” Beziehung eigentlich nur, indem auf das eigene Erleben geachtet und dies ernst genommen wird:

    Macht der Therapeut Vorschriften und viel zu enge Regeln?

    Fühle ich mich zu etwas gezwungen?

    Fühle ich mich ernst genommen oder werden meine Gefühle und Probleme abgetan und relativiert?

    Ich denke, für einen Patienten, der nie gelernt hat, auf sich und seine Gefühle zu achten, dies ernst zu nehmen und danach zu handeln, ist es unter Umständen sehr schwer, eine solch belastende Beziehung zu erkennen und zu beenden.

    Doch jeder Patient ist in der Lage zu erkennen, ob Fortschritte möglich sind und sich zeigen oder nicht- und möglichst danach zu handeln. Weitere Anzeichen sind eine Verschlechterung und Unzufriedenheit beim Patienten, oder ein Konflikt mit dem Therapeuten, der sich nicht lösen lässt.

    Die Schwierigkeit kann allerdings darin liegen, diese Erkenntnis auch zuzulassen und daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen- was einen Prozess für sich darstellt.

    Es lässt sich also feststellen, dass Stigmatisierungen in der Psychotherapie ein sehr ernst zu nehmendes Problem darstellen- da Krankheitsbilder und Leidensdruck dadurch massiv erhöht werden können.

    Stigmatisierungen können durch Aufklärung, Bildung und Austausch verhindert und verringert werden- indem auch ein Therapeut willens ist, sein Denken, Handeln und Behandlungsmethoden zu hinterfragen.

    Gesellschaftliche Angebote wie Aufklärungsarbeit, Information und vor allem Kontakt zu Betroffenen kann zu einem deutlichen Abbau von Stigmatisierung führen.


    geschrieben von Rugrat

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    Antworten 8

    space
    2. Oktober 2025 um 09:19

    Vielen Dank für diesen tollen Artikel.

    Das Thema Selbst-Stigmatisierung ist bei mir häufig präsent, ich habe wiederkehrende Ängste darüber, dass ich andere manipuliere oder ich meine Probleme dramatisiere. Kann ich natürlich beides nicht 100% ausschließen, aber falls dem nicht so wäre hindert es mich unnötig daran über mein Leid zu sprechen. Ich wünschte ich hätte nach der Diagnose einfach nie danach gegoogelt...

    Hope2022
    2. Oktober 2025 um 10:05

    Ja space dem kann ich mich ganz und gar anschließen, einschließlich dem Googeln. Allerdings habe ich auch tatsächlich von einer Therapeutin eine klare Absage erhalten, mit dem Wortlaut, mir sei nicht mehr zu helfen. . Meine damalige Psychiaterin meinte ich solle sie der Ärztekammer melden.. Hätte ich mal machen sollen, wäre sicherlich ein mega Schritt auf meinem Therapieweg gewesen.

    Jörg
    2. Oktober 2025 um 11:02
    Zitat von Hope2022

    von einer Therapeutin eine klare Absage erhalten, mit dem Wortlaut, mir sei nicht mehr zu helfen. .

    Unfassbar solche Aussagen von Therapeuten! Das erschreckt mich immer wieder.
    Die "richtige" Formulierung wäre gewesen: "ICH kann Ihnen nicht mehr helfen." . Das wäre wenigstens ehrlich gewesen, samt Verweis an einen anderen Thera, wo es evtl. besser passt.
    Aber doch bitte nicht immer so pauschal, als ob der Patient/Klient (in dem Fall) "hoffnungslos verloren" wäre....

    space
    2. Oktober 2025 um 11:02

    Hope2022 das ist ja unglaublich... wie kann man als Therapeut so etwas nur sagen? Mag mir gar nicht vorstellen wie du dich dabei gefühlt haben musst :(

    Hope2022
    2. Oktober 2025 um 11:39
    Zitat von Jörg

    Aber doch bitte nicht immer so pauschal, als ob der Patient/Klient (in dem Fall) "hoffnungslos verloren" wäre....

    Ja genau, ich war damals eh massiv instabil und hatte erst kurz zuvor die Borderline Diagnose in der Klinik bekommen.

    Hope2022
    2. Oktober 2025 um 11:42
    Zitat von space

    Mag mir gar nicht vorstellen wie du dich dabei gefühlt haben musst :(

    Ich hab mich gefühlt, als das man mir nicht mehr helfen kann. Meine Psychiaterin hatte mächtig zu tun, dass ich nicht komplett aufgebe, mich aufgebe. Zum Glück bekam ich dann überraschend schnell bei einer sehr erfahrenen Therapeutin einen Termin. Da war ich auch dann von 2019-2024

    Jörg
    2. Oktober 2025 um 11:59

    Ich habe oft den Eindruck, manche Therapeuten/innen wissen überhaupt nicht, was sie alleine mit Worten alles anrichten können.
    Da können in 5 Minuten Dinge in einem Menschen zerstört werden, die vorher mühevoll evtl. über Jahre aufgebaut wurden.

    Und wenn solche Aussagen sogar gleich am Anfang (also direkt nach einer Diagnosestellung) getroffen werden, ist das für mich noch unfassbarer.
    Es ist gut, dass nicht jeder Therapeut auch auf alle PS zugelassen bzw. spezialisiert ist.

    So macht es z.B. ein Großcousin von mir in Ost-Deutschland, der ebenfalls als Psychotherapeut tätig ist und mit dem ich mich vor Jahren mal über das Thema BPS etc. unterhalten habe:
    Da er sich selber nicht auf BPS spezialisiert hat, weist er entsprechende Klienten zwar nicht grundsätzlich ab, sagt aber von vornherein dass das nicht SEIN Kernthema ist und vermittelt direkt möglichst an einen Kollegen bzw. eine Kollegin im Nahbereich, die/der speziell auf Borderline fokussiert ist.
    Das ist allemal besser und ehrlicher, als den Menschen mit "Ihnen kann niemand mehr helfen" gleich nach Hause zu schicken.

    Wenn man da als Therapeut nicht zu 100% im Thema ist, kann man da mehr zerstören als "retten". Auch ein somatischer Arzt führt schließlich keine Herz-OP durch, wenn er Orthopäde, Gynäkologe oder Endokrinologe ist. Dafür gibt es ja schließlich die verschiedenen Fachbereiche. Aber niemand von denen würde wohl einem Patienten "Fachbereich-übergreifend" an den Kopf werfen "da kann man nichts mehr machen!", sondern eher an einen Fachkollegen verweisen. Ein Onkologe wird kaum Diagnosen über Herzklappen-Fehler stellen und umgekehrt ein Kardiologe wohl kaum Tipps zur Krebs-Therapie oder Diagnostik geben.

    Warum können das manche Therapeuten nicht genauso handhaben? . Burnout ist nun mal nicht dasselbe wie eine PS wie Borderline etc..

    Rugrat
    2. Oktober 2025 um 14:18
    Zitat von space

    Hope2022 das ist ja unglaublich... wie kann man als Therapeut so etwas nur sagen? Mag mir gar nicht vorstellen wie du dich dabei gefühlt haben musst :(

    So schlimm wie es ist: ich habe mir noch ganz andere Dinge anhören müssen- bis hin zur offenen Bezichtigung der Lüge und der Androhung des Behandlungsabbruch.

    Ich habe vor meinen Recherchen nie gedacht, dass dieses Problem tatsächlich so weit verbreitet ist.

    Sicher, Therapeuten sind auch "nur" Menschen- aber warum studieren die einen Beruf, wo es ganz viel um Akzeptanz und Wohlwollen geht, um dann schwer kranke Leute in Schubladen zu packen🫩

    Bei mir war es so, dass Therapeuten mit mir überfordert waren- und anstatt sich das einzugestehen und Konsequenzen zu ziehen, wurde versucht, mich ihrem fachlichen "Können" anzupassen.

    Und wenn meine Probleme nicht in deren Bild gepasst haben🤷 na dann hat der Patient halt übertrieben und gelogen...

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