1 Sicherheitsverhalten
Sicherheitsverhalten bezeichnet Verhaltensweisen, die eine Person einsetzt, um sich vor einer befürchteten Gefahr, Angst oder unangenehmen Situation zu schützen. Kurzfristig kann das Sicherheit und Erleichterung geben. Langfristig kann Sicherheitsverhalten jedoch dazu beitragen, dass Ängste bestehen bleiben.
Typische Beispiele sind:
- Situationen vermeiden oder frühzeitig verlassen
- ständig Rückversicherung bei anderen suchen
- wiederholt nachfragen: „Ist wirklich alles okay?“
- Menschen nur ungern alleine aufsuchen
- immer eine Begleitperson mitnehmen
- Fluchtwege oder Notausgänge überprüfen
- Medikamente oder andere „Notfallmittel“ ständig bei sich tragen
- Symptome oder den eigenen Körper ständig kontrollieren
- Puls, Atmung oder Blutdruck wiederholt überprüfen
- Gespräche oder bestimmte Themen vermeiden
- besonders vorsichtig oder kontrolliert handeln
- ständig das Verhalten anderer beobachten
- sich innerlich auf eine mögliche Katastrophe vorbereiten
2 Beispiel bei Angst
Eine Person hat Angst, in der Öffentlichkeit eine Panikattacke zu bekommen. Sie setzt sich deshalb immer in die Nähe eines Ausgangs, nimmt Wasser und Medikamente mit und geht nur mit einer vertrauten Person aus.
Das kann kurzfristig beruhigen. Gleichzeitig kann jedoch der Eindruck entstehen: „Ich bin nur sicher, weil ich diese Dinge dabei habe.“ Dadurch wird die eigene Angst möglicherweise weiter aufrechterhalten.
3 Sicherheitsverhalten und Vermeidung
Vermeidung bedeutet, eine gefürchtete Situation gar nicht erst aufzusuchen.
Sicherheitsverhalten bedeutet dagegen, die Situation zwar aufzusuchen, sie aber durch bestimmte Maßnahmen vermeintlich sicherer zu machen.
Beides kann bei Angststörungen eine wichtige Rolle spielen. In der Therapie wird häufig schrittweise gelernt, auf unnötiges Sicherheitsverhalten zu verzichten und die Erfahrung zu machen, dass Angst auch ohne diese Schutzmaßnahmen bewältigt werden kann.