1 Übermäßige Selbstkritik
Übermäßige Selbstkritik bezeichnet eine sehr strenge, abwertende oder unbarmherzige Bewertung der eigenen Person. Eigene Fehler, Schwächen oder vermeintliche Misserfolge werden dabei häufig stärker wahrgenommen als Erfolge und positive Eigenschaften.
Betroffene haben oft das Gefühl, nicht gut genug zu sein oder ständig etwas falsch zu machen.
Typische Merkmale können sein:
- ständiges Zweifeln an sich selbst
- starke Selbstvorwürfe
- sich für kleine Fehler übermäßig kritisieren
- hohe oder unrealistische Ansprüche an sich selbst
- Schwierigkeiten, eigene Erfolge anzuerkennen
- ständiges Vergleichen mit anderen
- Angst, Erwartungen nicht zu erfüllen
- Gedanken wie „Ich bin nicht gut genug“
- starkes Grübeln über eigene Fehler
- ausgeprägte Schuld- oder Schamgefühle
- geringes Selbstwertgefühl
- Schwierigkeiten, sich selbst etwas zu verzeihen
- das Gefühl, sich ständig verbessern oder beweisen zu müssen
2 Typischer Gedankenprozess
Ein kleiner Fehler kann beispielsweise zu einer starken inneren Abwertung führen:
„Ich habe einen Fehler gemacht.“ → „Ich mache immer alles falsch.“ → „Mit mir stimmt etwas nicht.“
Dabei wird aus einem einzelnen Ereignis eine allgemeine negative Bewertung der eigenen Person.
3 Unterschied zu gesunder Selbstreflexion
Gesunde Selbstreflexion bedeutet, eigenes Verhalten kritisch zu betrachten und daraus zu lernen.
Übermäßige Selbstkritik geht darüber hinaus: Der Fehler wird nicht nur bewertet, sondern häufig die gesamte eigene Person abgewertet.
Ein hilfreicher Perspektivwechsel kann sein:
Zitat„Ich habe etwas falsch gemacht“ bedeutet nicht „Ich bin falsch.“
Übermäßige Selbstkritik kann unter anderem bei Depressionen, Angststörungen, Perfektionismus, niedrigem Selbstwert oder nach belastenden Beziehungserfahrungen auftreten.