1 Notaufnahme
Kurz erklärt: Die Notaufnahme (auch: Notfallambulanz, Zentrale Notaufnahme/ZNA) ist die Anlaufstelle eines Krankenhauses für akute, nicht planbare medizinische und psychiatrische Notfälle. Für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) kann sie in akuten Krisen ein wichtiger, manchmal lebensrettender Anlaufpunkt sein – aber auch eine Erfahrung, die mit gemischten Gefühlen verbunden ist.
2 Wann ist die Notaufnahme der richtige Ort?
Die Notaufnahme ist sinnvoll bei:
- akuter Suizidalität mit konkreter Handlungsabsicht oder bereits erfolgtem Suizidversuch
- schweren Selbstverletzungen, die eine Wundversorgung erfordern (z. B. tiefe Schnitte, starke Blutungen)
- Vergiftungen, etwa nach Tabletteneinnahme in gefährlicher Menge
- akuten dissoziativen Zuständen mit Gefahr für die eigene Sicherheit
- körperlichen Begleiterscheinungen einer Krise, die medizinisch abgeklärt werden müssen
Bei akuter Lebensgefahr gilt in Deutschland immer zuerst der Notruf 112.
3 Was in der Notaufnahme passiert
- Triage: Eine Ersteinschätzung, meist durch Pflegepersonal, sortiert Patient:innen nach Dringlichkeit – nicht nach Ankunftszeit. Das erklärt oft lange Wartezeiten bei psychischen Krisen, wenn körperlich "schwerere" Fälle vorgezogen werden.
- Ärztliches Gespräch: Abklärung der aktuellen Situation, ggf. körperliche Untersuchung oder Wundversorgung.
- Psychiatrischer Konsildienst: Bei psychischen Notfällen wird häufig ein:e Fachärzt:in für Psychiatrie hinzugezogen, die/der über weiteres Vorgehen entscheidet.
- Entscheidung über das weitere Vorgehen: Entlassung nach Hause (ggf. mit Empfehlungen), ambulante Weiterbehandlung, oder stationäre Aufnahme – letztere im Ausnahmefall auch gegen den eigenen Willen, wenn akute Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt (siehe Unterbringungsrecht der Bundesländer, z. B. PsychKG/PsychKHG).
4 Was viele Betroffene berichten
In unserer Community wird die Notaufnahme unterschiedlich erlebt. Manche berichten von einfühlsamem, professionellem Umgang. Andere erleben Stigmatisierung, Ungeduld gegenüber "wiederkehrenden" Patient:innen oder das Gefühl, mit ihrer Krise nicht ernst genommen zu werden. Beides ist real – und beides sagt nichts über den Wert oder die "Berechtigung" der eigenen Krise aus.
5 Praktische Tipps für den Besuch
- Krisenplan mitnehmen, falls vorhanden – er hilft dem Personal, schneller einzuschätzen, was hilft und was nicht.
- Aktuelle Medikation (Name, Dosierung) griffbereit haben oder aufschreiben.
- Wenn möglich, eine Vertrauensperson zur Begleitung mitnehmen.
- Klar und konkret benennen, was passiert ist – Ärzt:innen können nur auf das reagieren, was ausgesprochen wird.
- Es ist in Ordnung, nach dem Grund für Entscheidungen zu fragen (z. B. warum eine stationäre Aufnahme empfohlen wird).
6 Abgrenzung zu anderen Anlaufstellen
- Sozialpsychiatrischer Dienst / Krisendienst: oft niedrigschwelliger, telefonisch oder vor Ort, für Krisen, die (noch) keine akute Notfallversorgung erfordern.
- Ambulanz der Psychiatrie: für nicht-akute fachärztliche Anliegen, meist mit Termin.
- Notaufnahme: ausschließlich für akute, unaufschiebbare Notfälle gedacht.