1 Rationalisierung
Rationalisierung ist ein psychischer Abwehrmechanismus. Dabei werden für ein Verhalten, eine Entscheidung oder ein Gefühl nachträglich scheinbar vernünftige und nachvollziehbare Gründe gefunden, während die eigentlichen, oft unangenehmen oder schwer akzeptierbaren Motive unbewusst verborgen bleiben.
Die Person belügt sich dabei nicht unbedingt bewusst. Die Erklärung kann sich für sie selbst tatsächlich überzeugend und logisch anfühlen.
Beispiele:
- Jemand bekommt eine Absage und sagt: „Die Stelle wollte ich sowieso nicht“, obwohl er eigentlich enttäuscht ist.
- Eine Person beendet eine Beziehung aus Angst vor Zurückweisung und erklärt anschließend: „Wir haben einfach nicht zusammengepasst.“
- Jemand reagiert aus Eifersucht sehr wütend und begründet dies ausschließlich damit, dass der andere „respektlos“ gewesen sei.
- Eine Person schiebt eine Aufgabe immer wieder auf und erklärt: „Unter Druck arbeite ich einfach besser.“
Funktion der Rationalisierung:
- Schutz des Selbstwertgefühls
- Verringerung unangenehmer Gefühle
- Vermeidung von Scham oder Schuld
- Herstellung eines Gefühls von Kontrolle
- Entlastung bei inneren Konflikten
Rationalisierung bei Borderline:
Bei starker emotionaler Belastung können Menschen versuchen, intensive Gefühle wie Angst, Scham, Wut oder Verlustangst nachträglich logisch zu erklären. Dadurch kann die eigentliche emotionale Ursache zunächst weniger spürbar sein.
Wichtig: Rationalisierung ist nicht dasselbe wie bewusstes Lügen. Sie geschieht häufig unbewusst und dient zunächst dem psychischen Schutz.
Kurz gesagt:
ZitatRationalisierung bedeutet, dass man für ein Verhalten oder Gefühl eine plausible logische Erklärung findet, um einen unangenehmen oder schwer akzeptierbaren inneren Grund nicht wahrnehmen zu müssen.