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  • Borderline Selbsthilfe: DBT-Skills und Strategien für den Alltag

    • Shalin
    • 30. Mai 2026 um 02:56
    • 124 Mal gelesen
    • 0 Antworten
    Wer mit Borderline lebt, kennt das Gefühl: Zwischen zwei Therapiestunden liegt eine Woche voller intensiver Momente, auf die man nicht vorbereitet ist. Borderline Selbsthilfe auf Basis von DBT-Skills gibt dir konkrete Werkzeuge an die Hand, mit denen du auch zwischen den Sitzungen handlungsfähig bleibst – und die Wissenschaft zeigt, dass das einen echten Unterschied machen kann.
    Lesezeit: 15 Minuten
    🔄 Zuletzt aktualisiert: Mai 2026 – Inhalte auf Basis aktueller Forschungsliteratur und der geltenden S3-Leitlinie überprüft; alle Quellenangaben entsprechen dem Stand Frühjahr 2026.
    Hinweis: Wenn du gerade in einer schwierigen Phase steckst oder dich belastet fühlst, ist es okay, erst zu pausieren. Auf der Notfallseite des Forums findest du schnelle Orientierung. Die Telefonseelsorge ist kostenlos und rund um die Uhr erreichbar: 0800 111 0 111 (24/7, kostenlos).

    Borderline Selbsthilfe bedeutet nicht, allein klarzukommen – sie bedeutet, aktiv mitzumachen, was in der Therapie passiert, und zwischen den Sitzungen nicht einfach auf den nächsten Termin zu warten. DBT-Skills sind dabei das wichtigste Werkzeug: Sie wurden gezielt für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) entwickelt und lassen sich auch im Alltag ohne therapeutische Begleitung schrittweise einüben.

    Auf einen Blick
    • BPS betrifft etwa 1–2 % der Bevölkerung; Langzeitstudien zeigen hohe Remissionsraten bei gezielter Behandlung.[1]
    • Die DBT gilt als das am besten belegte Therapieverfahren bei BPS – ihre Skills sind auch zur Selbsthilfe geeignet.[2]
    • Selbsthilfe ersetzt keine Psychotherapie, kann aber die Zeit bis zum Therapiestart überbrücken und laufende Behandlungen wirksam ergänzen.
    • Vier Kernbereiche der DBT-Selbsthilfe: Achtsamkeit, Emotionsregulation, Stresstoleranz, zwischenmenschliche Fertigkeiten.
    • Komorbide Störungen wie PTBS, ADHS oder Depression brauchen eigene Berücksichtigung – Skills helfen auch hier.
    📋 Inhaltsverzeichnis ▼
    1. Was Borderline Selbsthilfe wirklich bedeutet
    2. DBT-Skills im Alltag: Die vier Module
    3. Selbsthilfe bei Komorbiditäten: PTBS, ADHS und Depression
    4. Selbsthilfegruppen und weitere Ressourcen
    5. Ausblick: Was ist realistisch möglich?
    6. FAQ
    7. Quellenangaben

    Was Borderline Selbsthilfe wirklich bedeutet

    Wenn man frisch die Diagnose bekommen hat – oder schon seit Jahren damit lebt, aber das Gefühl nicht loswird, irgendwie auf der Stelle zu treten –, klingt „Selbsthilfe" manchmal fast zynisch. Als würde jemand sagen: Mach das halt einfach selbst. Dabei geht es um etwas anderes: Selbsthilfe bei BPS bedeutet, zwischen den Therapiesitzungen nicht passiv zu warten, sondern Werkzeuge zu nutzen, die nachweislich wirken.[2] Sie ist keine Alternative zur Fachbehandlung, aber eine sinnvolle Ergänzung – und manchmal das Einzige, was bleibt, wenn der nächste freie Therapieplatz noch Monate entfernt ist.

    BPS ist keine seltene Diagnose. [1] Schätzungsweise etwa zwei von hundert Menschen erfüllen im Laufe ihres Lebens die Kriterien. Was viele nicht wissen: Der Verlauf ist deutlich günstiger, als man früher annahm. Langzeitstudien zeigen, dass nach etwa zehn Jahren mehr als neunzig Prozent der Betroffenen die vollständigen diagnostischen Kriterien nicht mehr erfüllen.[3] Das ist keine Beschönigung – viele kämpfen trotz Remission noch mit funktionalen Einschränkungen. Aber es ist eine echte Hoffnungsbasis.

    Selbsthilfe als aktive Haltung, nicht als Notlösung

    Der Unterschied zwischen „Ich lese etwas über BPS" und echter Selbsthilfe liegt in der Regelmäßigkeit. Wissen allein verändert nichts – erst das wiederholte Üben von Fertigkeiten baut neue Reaktionsmuster auf. Das klingt simpel, ist aber der Kern dessen, was die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) als wissenschaftlich fundiertes Verfahren auszeichnet: Lernen durch Tun, Schritt für Schritt.[2]

    Die S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung der DGPPN, die seit Ende 2022 gilt, empfiehlt ausdrücklich strukturierte, störungsspezifische Psychotherapieprogramme.[4] In der Praxis heißt das: DBT-Skillstraining ist der Goldstandard – und viele Elemente davon lassen sich auch außerhalb des Therapiesettings nutzen. Selbsthilfe bedeutet also, sich diese Werkzeuge anzueignen und ernsthaft auszuprobieren, nicht nur zu lesen und wieder zu vergessen.

    Worauf du dich einstellen solltest

    Selbsthilfe bei BPS verläuft selten linear. Es gibt Tage, an denen ein Skill wunderbar funktioniert – und andere, an denen sich alles anfühlt wie Tischtennis gegen eine Betonwand. Das ist normal und kein Zeichen, dass du es „falsch machst" oder dass die Methode nichts taugt. Es bedeutet, dass du es mit deinem Nervensystem zu tun hast, das anders auf Reize reagiert als bei Menschen ohne BPS. Diese höhere emotionale Empfindlichkeit ist real und hat neurobiologische Hintergründe.[2] Sie ist kein Charakterfehler.

    Wichtig: Selbsthilfe ist kein Ersatz für Krisenintervention. Wenn du dich in einer akuten Krise befindest, wende dich an die Notfallseite des Forums oder ruf die Telefonseelsorge an: 0800 111 0 111 (kostenlos, 24/7).

    DBT-Skills im Alltag: Die vier Module

    Das DBT-Skillstraining gliedert sich in vier Bereiche, die sich gegenseitig ergänzen.[5] Du musst nicht alle gleichzeitig angehen. Gerade am Anfang hilft es, sich auf einen Bereich zu konzentrieren und dort Routine aufzubauen, bevor der nächste dazukommt.

    Modul 1: Achtsamkeit – das Fundament

    Achtsamkeit klingt oft nach Entspannungskurs oder Wellness – dabei ist sie bei BPS das härteste und gleichzeitig wichtigste Modul. Es geht darum, im gegenwärtigen Moment zu bleiben, ohne sofort zu bewerten oder zu reagieren. Das ist besonders schwer, wenn Emotionen schnell und intensiv kommen. Trotzdem ist Achtsamkeit die Voraussetzung dafür, dass alle anderen Skills überhaupt funktionieren: Wer nicht merkt, dass eine starke Emotion aufsteigt, kann keine Gegenmaßnahmen einleiten.

    Eine einfache Übung für den Einstieg ist die 5-4-3-2-1-Methode: Du benennst innerlich fünf Dinge, die du siehst, vier, die du hörst, drei, die du körperlich spürst, zwei, die du riechst, und eines, das du schmeckst. Das dauert etwa zwei Minuten und erdet dich im Moment – ohne dass du meditieren oder irgendwo still sitzen musst. Diese Übung hilft besonders dann, wenn Dissoziation oder starke innere Anspannung aufkommen.

    Modul 2: Emotionsregulation – Gefühle kennen und lenken

    Aus DBT-Sicht sind Schwierigkeiten in der Emotionsregulation ein zentraler Faktor bei BPS.[2] Das heißt: Gefühle kommen schneller, intensiver und bleiben länger als bei den meisten anderen Menschen. Das Ziel von Emotionsregulations-Skills ist nicht, Gefühle abzuschaffen, sondern sie zu identifizieren, zu benennen und dann gezielt in ihrer Intensität zu beeinflussen.

    Ein konkreter Einstieg: Führe ein Emotionstagebuch – nicht als Roman, sondern als kurze Notiz. „Heute Nachmittag: Scham, Intensität 7 von 10, ausgelöst durch Kommentar meiner Kollegin." Das allein klingt banal, aber durch das Benennen beginnt das Gehirn, Emotionen als etwas zu verarbeiten, über das nachgedacht werden kann – statt als etwas, das einfach passiert und alles überwältigt.

    Entgegengesetztes Handeln

    Einer der wirksamsten Emotionsregulations-Skills heißt „entgegengesetztes Handeln": Du tust das Gegenteil von dem, wozu dich eine Emotion drängt – wenn dich Scham dazu bringt, dich zu verstecken, gehst du trotzdem (vorsichtig) auf einen anderen Menschen zu. Das funktioniert am besten bei Gefühlen, die situativ nicht angemessen sind. Es ist kein Verleugnen der Emotion, sondern ein bewusstes Durchbrechen des Teufelskreises.

    Modul 3: Stresstoleranz – Krisen überstehen, ohne es schlimmer zu machen

    Stresstoleranz-Skills sind für die Momente gedacht, in denen eine Emotion zu groß ist, um sie direkt zu bearbeiten. Das Ziel ist nicht, das Problem zu lösen, sondern die Krise zu überstehen, ohne durch impulsives Verhalten neue Probleme zu schaffen. Die DBT empfiehlt, zwei bis drei der wirksamsten dieser Fertigkeiten in einem persönlichen „Notfallkoffer" permanent griffbereit zu haben.[2]

    Dazu gehören starke Sinnesreize (zum Beispiel Eiswürfel in der Hand halten, intensiver Geruch, laute Musik), intensive körperliche Aktivität (schnelles Joggen, Liegestütze), Ablenkungs- und Selbstberuhigungstechniken sowie die 4-7-8-Atemtechnik: vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden halten, acht Sekunden ausatmen. Letztere aktiviert den Parasympathikus und kann das physiologische Anspannungsniveau innerhalb weniger Minuten senken.

    Modul 4: Zwischenmenschliche Fertigkeiten – Beziehungen trotz BPS

    BPS macht Beziehungen kompliziert – nicht weil Betroffene das wollen, sondern weil Verlustangst, intensive Emotionen und impulsive Reaktionen immer wieder dazwischenfunken. Das vierte DBT-Modul vermittelt konkrete Kommunikationstechniken: Wie bitte ich um etwas, ohne sofort nachzugeben oder zu überfordern? Wie sage ich Nein, ohne mich schuldig zu fühlen?

    Eine bekannte Technik ist das FAST-Prinzip (Fair, Apologies vermeiden, Stick to values, Truthful) für den Umgang mit sich selbst in Konfliktsituationen – und das GIVE-Prinzip (Gentle, Interested, Validate, Easy manner) für den Umgang mit anderen. Diese Kürzel sind nicht als Abkürzung gedacht, sondern als Gedächtnisstütze, damit man in aufgeregten Momenten einen Anker hat.


    Selbsthilfe bei Komorbiditäten: PTBS, ADHS und Depression

    BPS kommt selten allein. Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der Betroffenen gleichzeitig unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, einer Depression, einer Angststörung oder ADHS leidet.[6] Das ist keine Pechsträhne, sondern hat oft denselben Ursprung: frühe Belastungserfahrungen, die das Nervensystem dauerhaft beeinflusst haben. Das Wichtigste zuerst: Komorbiditäten machen die Diagnose komplizierter, aber nicht hoffnungsloser. DBT-Skills wurden inzwischen auch für Traumafolgestörungen weiterentwickelt.[7]

    BPS und PTBS: Wenn beides gleichzeitig da ist

    Die Kombination aus BPS und PTBS ist kein Sonderfall – sie ist häufig.[6] Das Problem: Manche Selbsthilfe-Ansätze, die bei BPS helfen, können Traumasymbole triggern. Deswegen ist es wichtig, bei Traumaanteilen behutsam vorzugehen und das Erden und Stabilisieren vor dem Bearbeiten zu setzen. Achtsamkeitsübungen, die in die Vergangenheit führen oder Körpersensationen intensivieren, sollten zunächst mit Unterstützung erprobt werden. Sichere Alternativen sind externe Anker: eine Tasse mit Lieblingstee in der Hand, ein vertrauter Geruch, ein Objekt, das Sicherheit symbolisiert.

    BPS und ADHS: Wenn die Skills nicht hängen bleiben

    Wer zusätzlich ADHS hat, kennt das Problem: Man liest etwas über Skills, findet es gut, vergisst es aber in der nächsten Krisensituation komplett. Das ist keine Faulheit – das ist die Kombination aus Arbeitsgedächtnisschwäche und emotionaler Dysregulation, die sich bei ADHS und BPS oft überlagern. Gegenstrategien: Skills schriftlich auf Karteikarten oder als Notiz im Handy griffbereit haben. Routinen aufbauen, die nicht von innerer Motivation abhängen (Achtsamkeit jeden Morgen um dieselbe Uhrzeit, nicht „wenn mir danach ist"). Kurze, klare Struktur statt langer Texte.

    BPS und Depression: Wenn nichts funktionieren will

    Bei schwerer depressiver Episode ist der Antrieb oft so eingeschränkt, dass selbst kleine Schritte riesig wirken. In dieser Situation ist es keine Schwäche, die Latte tief zu hängen: Ein einziger Atemzug bewusst tun, die Bettdecke zurückschlagen, einmal aus dem Fenster schauen. Emotionsregulations-Skills, die körperliche Aktivierung fordern, sind in tiefen Depressionen oft gar nicht umsetzbar. Dann sind Stresstoleranz-Skills und einfache Achtsamkeitsübungen sinnvoller. Wichtig: Wenn die Depression deutlich wird oder Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid auftauchen, ist das ein klares Signal, professionelle Unterstützung zu suchen.

    Aus der Praxis: „Ich habe gelernt, dass ich an einem schlimmen Tag nicht die komplette Skills-Liste durcharbeiten muss. Manchmal reicht es, einen einzigen Skill anzuwenden – und das ist dann trotzdem Selbsthilfe."

    Selbsthilfegruppen und weitere Ressourcen

    Selbsthilfe muss nicht solo betrieben werden. Selbsthilfegruppen – ob als Präsenzangebot oder online – sind für viele Betroffene ein entscheidender Faktor, weil sie etwas bieten, das keine Therapie ersetzen kann: das Gefühl, von Menschen verstanden zu werden, die ähnliche Erfahrungen machen.[8]

    Wozu Selbsthilfegruppen gut sind – und wozu nicht

    In einer guten Selbsthilfegruppe bekommst du keine Diagnosen, keine Ratschläge, die du nicht wolltest, und keine Belehrungen. Du bekommst Zuhören, Austausch und manchmal den Hinweis auf eine Ressource, von der du noch nichts wusstest. Was Selbsthilfegruppen aber nicht leisten können: therapeutische Begleitung, Krisenintervention oder die Behandlung von psychiatrischen Akutsymptomen. Das ist kein Defizit – es ist eine klare Rollenverteilung.

    Wenn du eine Gruppe suchst, die zu dir passt, schau dir an, wie die Gruppe strukturiert ist. Gibt es klare Regeln zum gegenseitigen Umgang? Wird krisenhaftes Verhalten ernst genommen, ohne das gesamte Treffen zu dominieren? Gibt es Moderatorinnen oder Moderatoren mit etwas Erfahrung? Das sind gute Zeichen. Gruppen, in denen jede neue Person von allen gleichzeitig mit Ratschlägen überhäuft wird, können schnell erdrückend wirken.

    Bücher, Apps und Arbeitsblätter: Hilfreiche Begleiter

    Das von Martin Bohus und Martina Wolf-Arehult entwickelte interaktive Skillstraining für Borderline-Betroffene, erschienen bei Klett-Cotta, gilt als eines der praxisnächsten Arbeitsmaterialien, die auch zur Selbsthilfe geeignet sind.[9] Es enthält Arbeitsblätter und Übungen zu allen vier DBT-Modulen und ist so aufgebaut, dass man es ohne Vorkenntnisse nutzen kann.

    Darüber hinaus gibt es inzwischen verschiedene Apps, die DBT-basierte Übungen anbieten. Wer Apps nutzt, sollte darauf achten, dass sie keine medizinischen Diagnosen stellen, keine Krisenbegleitung simulieren und transparent machen, wer die Inhalte entwickelt hat. Apps ersetzen keine Therapie – aber eine gut gemachte App kann als tägliche Erinnerung und Übungsumgebung nützlich sein.

    Die Rolle von Angehörigen

    Auch für Angehörige gibt es Selbsthilfe-Ansätze. Die S3-Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, das soziale Umfeld in die Behandlung einzubeziehen.[4] Was Angehörige im Alltag tun können: zuhören, ohne sofort zu lösen; die Erkrankung ernst nehmen, ohne sie zu dramatisieren; und lernen, wann sie selbst Abstand brauchen, ohne das als Versagen zu sehen. Angehörige von BPS-Betroffenen haben ein eigenes Recht auf Unterstützung – und das sollten sie nutzen.


    Ausblick: Was ist realistisch möglich?

    Eine der schmerzhaftesten Erfahrungen mit BPS ist das Gefühl, dass es nie besser wird. Dieser Eindruck ist verständlich – und trotzdem widerspricht er dem, was Langzeitstudien zeigen. Zanarini und Kolleginnen haben in einer vielzitierten Verlaufsstudie ermittelt, dass bei 290 stationär aufgenommenen Borderline-Patientinnen und -Patienten nach sechzehn Jahren nahezu alle die Diagnosekriterien nicht mehr erfüllten.[3] Das bedeutet nicht, dass alle beschwerdefrei sind – aber es bedeutet, dass sich Kernaspekte der BPS tatsächlich verändern können.

    Was Genesung für Betroffene bedeutet

    Qualitative Studien haben untersucht, was Betroffene selbst unter „Genesung" verstehen – und die Antworten überraschen: Es geht nicht primär darum, keine Kriterien mehr zu erfüllen, sondern um Selbstvertrauen, Kontrolle über Gefühle, gute soziale Beziehungen und einen verbesserten Umgang mit den verbleibenden Symptomen.[10] Das sind Dinge, die durch konsequente Selbsthilfe unterstützt werden können – auch wenn die Diagnose formal noch besteht.

    Warum Selbsthilfe den Unterschied machen kann

    DBT-Skillstraining als eigenständige Komponente – also ohne den Rest der vollständigen DBT-Behandlung – hat in Studien messbare positive Effekte gezeigt, unter anderem auf den Medikamentenverbrauch.[11] Das bedeutet: Selbst wer keinen Therapieplatz bekommt oder gerade in einer Wartephase feststeckt, kann durch konsequentes Skills-Training etwas bewegen. Nicht als Wunderheilung – aber als echter, belegbarer Schritt in die richtige Richtung.

    Gleichzeitig sollte man ehrlich bleiben: Selbsthilfe allein reicht bei schwerer Symptomatik oft nicht aus. Die aktuelle Leitlinie ist eindeutig: Wer mit BPS zu tun hat, sollte Zugang zu störungsspezifischer Psychotherapie erhalten.[4] Das zu fordern, ist kein Zeichen von Schwäche – es ist das, was die Wissenschaft empfiehlt. Selbsthilfe ist die Brücke, nicht das Ziel.


    FAQ

    Ich habe keinen Therapieplatz und werde auf Monate hinaus keinen bekommen. Was soll ich in der Zwischenzeit tun?

    Das ist eine der häufigsten und frustrierendsten Situationen. Ehrliche Antwort: Du kannst jetzt anfangen, DBT-Skills zu üben – mit einem Workbook, einer Selbsthilfegruppe oder einfach mit den Grundlagen aus verlässlichen Quellen. Das ersetzt keine Therapie, aber es ist kein Leerlauf. Viele berichten, dass sie nach Therapiebeginn gut vorbereitet waren, weil sie schon eigenständig geübt hatten. Außerdem gibt es in vielen Regionen psychiatrische Institutsambulanzen oder psychosoziale Beratungsstellen, die auch ohne langen Wartelistenplatz kurzfristig erreichbar sind.

    Bin ich wirklich Borderline – oder bilde ich mir das nur ein?

    Diese Frage stellt sich fast jeder, der die Diagnose bekommen hat – oder sich fragt, ob sie passen könnte. BPS ist keine Diagnose, die man sich „verdient" oder die man sich einbildet. Sie wird von Fachleuten anhand klarer Kriterien gestellt. Wenn du an der Diagnose zweifelst, ist eine Zweitmeinung absolut legitim. Und wenn du noch keine Diagnose hast, aber dich vieles aus dem Bereich BPS beschreibt: Das ist ein guter Grund, mit einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen Fachkraft zu sprechen – nicht, um eine Schublade zu finden, sondern um zu verstehen, was los ist.

    Ich mache Selbsthilfe seit Wochen und merke keinen Unterschied. Wann wirkt das endlich?

    Das ist ein reales und nachvollziehbares Gefühl. Veränderungen bei BPS kommen meistens nicht als Aha-Moment, sondern schleichend – du merkst irgendwann rückblickend, dass eine Situation, die dich vor drei Monaten komplett aus der Bahn geworfen hätte, diesmal etwas weniger intensiv war. Das ist kein Trost-Klischee, sondern wie neuronale Veränderungen tatsächlich ablaufen. Wenn du wirklich das Gefühl hast, gar nichts bewegt sich, kann es helfen, mit jemandem darüber zu sprechen – einem Therapeuten, in einer Selbsthilfegruppe oder hier im Forum.


    Quellenangaben

    1. DGPPN (2022): S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, Version 2.0, Stand 14.11.2022. Federführende Fachgesellschaft: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. AWMF-Register Nr. 038-015. register.awmf.org
    2. Bohus M, Vonderlin R (2024): Dialektisch behaviorale Therapie für komplexe posttraumatische Belastungsstörung (DBT-PTBS): ein evidenzbasiertes störungsspezifisches Behandlungsprogramm. Nervenarzt 95(7):630–638. doi.org/10.1007/s00115-024-01667-x
    3. Zanarini MC et al. (2006): Prediction of the 10-year course of borderline personality disorder. American Journal of Psychiatry 163(5):827–832. Zitiert nach: Die Borderline-Persönlichkeitsstörung. Springerpflege.de, 2021. springerpflege.de
    4. Deutsches Ärzteblatt (2022): Diagnostik und Therapie: S3-Leitlinie zur Borderline-Persönlichkeitsstörung. Ärzteblatt, Dezember 2022. aerzteblatt.de
    5. Springermedizin/eMedpedia (2026): Dialektisch-Behaviorale Therapie für Borderline-Persönlichkeitsstörungen. In: Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie. springermedizin.de
    6. Deutsches Ärzteblatt (2024): Borderline-Persönlichkeitsstörung und komorbide Abhängigkeitserkrankungen: Epidemiologie und Therapie. aerzteblatt.de
    7. Bohus M et al. (2019): Dialectical Behavior Therapy for Posttraumatic Stress Disorder (DBT-PTSD) Compared with Cognitive Processing Therapy (CPT) in Complex Presentations of PTSD in Women Survivors of Childhood Abuse. JAMA Psychiatry 77(12):1235–1245. doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2020.2148
    8. Springer Psychotherapie Forum (2020): Die Borderline-Persönlichkeitsstörung in den psychosozialen, psychotherapeutischen und psychiatrischen Versorgungssystemen von Deutschland. link.springer.com
    9. Bohus M, Wolf-Arehult M (2024, 6. Nachdruck): Interaktives Skillstraining für Borderline-Patienten. Klett-Cotta, Stuttgart. ISBN 978-3-608-42827-8.
    10. DRKS – Deutsches Register Klinischer Studien (o. J.): Subjektive Genesung, Lebensqualität und Lebenszufriedenheit bei ehemaligen Patientinnen mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung. DRKS00005186. drks.de
    11. Soler J et al. (2022): „Skills for pills": The dialectical-behavioural therapy skills training reduces polypharmacy in borderline personality disorder. Acta Psychiatrica Scandinavica 146(3):242–252. PMC9305183. ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9305183

    Fazit: Borderline Selbsthilfe ist kein Ersatz für professionelle Begleitung – aber sie ist kein Platzhalter, den man überbrückt, bis endlich „richtige" Hilfe kommt. DBT-Skills, konsequent und mit realistischen Erwartungen eingesetzt, können den Alltag spürbar verändern. Das braucht Zeit, Geduld und die Bereitschaft, auch dann weiterzumachen, wenn es sich eine Weile nicht nach Fortschritt anfühlt.

    Community-Frage: Was war der erste DBT-Skill oder die erste Selbsthilfe-Strategie, die für dich persönlich etwas bewegt hat – und wie bist du darauf gestoßen? Schreib es gerne in den Kommentaren, damit andere davon profitieren können.

    Redaktionelle Angaben

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    • Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt.

    Über den Autor

    Hey, ich bin Shalin, 1982 geboren, komme aus Niedersachsen und bin seit 2004 in psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung. Seit 2005 steht die Diagnose „emotionale instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typus“ bei mir. Tagsüber besuche ich eine Tagesstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen, ansonsten verbringe ich meine Zeit gerne am Computer und im Internet, treffe mich mit Freunden oder genieße die Zweisamkeit mit meiner Partnerin. Ich telefoniere gerne, schaue DVDs und höre Musik.

    Schon seit Jahren beschäftige ich mich auf unterschiedliche Weise mit dem Krankheitsbild. Informiert bin ich nicht nur durch persönliche Erfahrungen und Psychoedukation, sondern auch durch den direkten Kontakt mit anderen Betroffenen. Außerdem recherchiere ich im Internet und lese Fachliteratur. Ich freue mich darauf, mein Wissen zu erweitern, Erfahrungen zu teilen und interessante Gespräche zu führen!

    Schreibt mich gerne an. :)

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