DBT: Was du aus Marsha Linehans Geschichte mitnehmen kannst

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DBT: Was du aus Marsha Linehans Geschichte mitnehmen kannst


Ich gebe zu: Die Verhaltenstherapie und ich sind nicht wirklich Freunde. Ich habe eine sehr zwiespältige Meinung zur Verhaltenstherapie, denn einiges, was dort geschieht, sehe ich kritisch. Da sind Dinge, die ich von außen kritisch betrachte und Aspekte, die ich selbst als unsinnig oder kontraproduktiv erlebt habe.


Auch mit der DBT habe ich selbst keine guten Erfahrungen gemacht, verknüpfe ich damit doch nicht viel mehr als eine junge, überforderte Therapeutin und das Gefühl, ein hoffnungsloser Fall zu sein.

Und trotz allem ist es die Frau hinter der DBT, die mich fasziniert.


Denn Marsha Linehan, die Begründerin und Entdeckerin der DBT Therapie, ist eine unglaubliche Frau.


Sie ist nicht einfach nur eine Therapeutin, die ein bedeutendes Projekt ins Leben gerufen hat.


Sie war eine Betroffene.


In ihrem Memoir »Building a Life Worth Living« berichtet sie über ihren ganz persönlichen Weg – über die dunkle Zeit ihres Lebens – von Suizidgedanken, Selbstverletzung, Impulsivität, intensiven Gefühlen und einer Hölle, die so vielen von uns vertraut ist.


2 Jahre befand sie sich in einer Klinik. Musste dort Elektroschocktherapien, Kältetherapien und jede Menge Medikamente über sich ergehen lassen. 12 Wochen am Stück verbrachte sie in kompletter Isolation.


Ihre Geschichte beeindruckt mich.


Und in vielem davon finde ich mich wieder.


Sie beeindruckt mich, weil Marsha Linehan sich aus der Hölle, wie sie sie selbst bezeichnet, herausgekämpft hat, nur um sie im Anschluss, gemeinsam mit ihren Klienten, wieder und wieder zu durchqueren.


Sie hat sich selber geheilt.


Obwohl alle sie aufgegeben haben und niemand daran glauben konnte, dass man ihr helfen könnte, ist sie heute gesund.


Wenn ihre Geschichte uns etwas zeigen kann, dann, dass so viel mehr möglich ist, als wir glauben.


Dass wir heilen können, und damit zu dem Menschen werden können, der wir sind.


Egal wie dunkel das Tal ist, das wir durchqueren; Es ist möglich, auch für dich.


Hier sind 5 Tipps, die Sie in Ihrer Biografie gibt, und die auch dir helfen werden:


1. Du musst den Ist-Zustand akzeptieren, um Veränderung möglich zu machen


Nur, wenn wir akzeptieren, wo wir gerade stehen und aufhören dagegen anzukämpfen, bekommen wir die Chance, wirklich etwas zu verändern.


Manche Dinge können wir schlicht nicht verändern, egal wie sehr wir uns das wünschen oder wie schwer sie uns fallen. Und genau das anzunehmen schafft die Grundlage, die es braucht, um Veränderung möglich zu machen.


Ohne die Akzeptanz des Ist-Zustandes (Radikale Akzeptanz) brauchen wir nämlich unsere gesamte Kraft dafür, gegen statt für uns selbst zu kämpfen.


Und dann ist keine Energie für etwas anders da.



2. Fokussiere dich auf deine gesunden Anteile


Jeder von uns hat gesunde Anteile. Dinge, die uns leicht von der Hand gehen oder für die wir mehr Talent besitzen als andere.


Nicht immer sind uns diese Anteile bewusst, und oft fällt es uns schwer, unsere eigenen Stärken zu sehen, aber: Sie sind da.


Manchmal sind sie unscheinbar, manchmal verbuddelt unter destruktiven Verhaltensweisen oder negativen Glaubenssätze.



3. Finde die passenden Werkzeuge


Wir brauchen Skills.


Sie helfen uns, Stress zu bewältigen, besser mit unseren Emotionen umzugehen und uns selbst zu beruhigen.


Doch nicht alles passt zu jedem – du musst deine eigenen, passenden Werkzeuge finden. Herausfinden, welche Dinge dir helfen und was deinen Weg auf positive Weise unterstützen kann.


Mithilfe der passenden Werkzeuge kannst du nämlich nicht nur dein Wohlbefinden verbessern, sondern auch deine zwischenmenschlichen Beziehungen stärken und dysfunktionale Verhaltensweisen loslassen.



4. Praktiziere Achtsamkeit


Sehr oft verlieren wir uns in Vergangenheit und Zukunft. Wir grübeln über Dinge, die wir nicht mehr ändern können, verlieren uns in schmerzhaften Erinnerungen oder haben Angst vor dem, was womöglich auf uns zukommt.


Achtsamkeit hilft dir, dich im Hier und Jetzt zu verankern.


Sie zu praktizieren bedeutet, wahrzunehmen, was gerade jetzt, in diesem Moment, in und um dich herum geschieht. Und aufzudecken, welche Gedanken und Gefühle in dir arbeiten.


Durch das bewusste Lenken auf den gegenwärtigen Moment wird es möglich, Anspannung und Stress zu reduzieren und dein Leben bewusster zu gestalten.


Es hilft dir, anzunehmen, was da ist und einen Weg zu finden, damit umzugehen.



5. Sei du selbst


Viele von uns versuchen jemand zu sein, der wir gar nicht sind. Wir verstellen uns, halten Aspekte von uns selbst zurück und hindern uns so selbst am Leben.


"Wenn du eine Tulpe bist, versuche nicht eine Rose zu sein. Finde das Tulpenfeld." – sagt Marsha Linehan und sie hat recht.


Wir sind, wer wir sind und es macht einfach keinen Sinn, jemand anderes sein zu wollen.


Statt also zu versuchen, in einem Rosenfeld zu überleben, mach dich lieber auf die Suche nach einem Feld voller Tulpen.


Sei, wer du wirklich bist und gib dir, was du wirklich brauchst.


Marsha Linehan hat niemals aufgegeben – und du solltest das auch nicht



In ihrem Leben ist Marsha mehr als einmal hingefallen. Es lagen so unendlich viele Steine in ihrem Weg, dass man sich fragt, wie sie es überhaupt geschafft hat, dort anzukommen, wo sie heute ist.

Doch trotz der zahlreichen privaten und beruflichen Rückschritte hat sie weitergemacht. Jedes Mal ist sie aufgestanden und hat es noch einmal versucht.


Und genau das solltest du auch.


Denn es spielt keine Rolle, wie oft du hinfällst; es ist vollkommen nebensächlich, wie viele Male du scheiterst. Es ist egal. Wichtig ist bloß, dass du immer und immer wieder aufstehst.

Denn es lohnt sich.


Wenn uns einer genau das zeigt, dann die Begründerin der DBT-Therapie.


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Über die Autorin:


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Anina von Jesche


Auf Seelenschreiberei.org bloggt Anina von Jesche über seelisches Wachstum, Persönlichkeitsentwicklung und die heilsame Kraft des Schreibens.