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Das Leben mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung meistern: Eine Reise der Heilung

  • Shalin
  • 4. März 2023 um 17:51
  • 1.640 Mal gelesen
  • 6 Antworten
  • Empfohlen
Leben mit Borderline heißt oft, mit starken Gefühlen und unsicheren Beziehungen zurechtzukommen und zusätzlich Vorurteilen zu begegnen. Hier erfährst du, was die Borderline-Persönlichkeitsstörung ausmacht, wie du typische Anzeichen einordnen kannst und welche Hilfen es von Psychotherapie bis Selbsthilfe gibt. Du musst diesen Weg dabei nicht allein gehen.
Lesezeit: 20 Minuten
🔄 Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026 – Zahlen, Behandlungsempfehlungen und Notfallnummern wurden mit der aktuell veröffentlichten S3-Leitlinie und den Angaben der TelefonSeelsorge abgeglichen. Die Leitlinie wird derzeit überarbeitet; sobald eine neue Fassung vorliegt, gleichen wir diesen Artikel erneut ab.

Wenn es dir gerade nicht gut geht: Du musst damit nicht allein bleiben. Auf unserer Notfallseite des Forums findest du Anlaufstellen und Notrufnummern auf einen Blick.

TelefonSeelsorge (kostenlos, rund um die Uhr): 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Bei akuter Gefahr wähle den Notruf 112.

Leben mit Borderline heißt für viele Menschen, mit sehr intensiven Gefühlen, schwankenden Beziehungen und einem unsicheren Selbstbild zurechtzukommen und dabei oft auf Vorurteile zu treffen. Dieser Überblick erklärt, was hinter der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) steckt, welche Symptome typisch sein können und welche Hilfen und Strategien dir im Alltag Halt geben können.

📌 Auf einen Blick

  • Häufigkeit: Je nach Studie sind etwa 0,7 bis 2,7 Prozent der Menschen in der Allgemeinbevölkerung betroffen.[1]
  • Kern: Starke Gefühlsschwankungen, instabile Beziehungen, ein unsicheres Selbstbild und impulsives Handeln.
  • Behandlung erster Wahl: Eine strukturierte Psychotherapie, die speziell auf Borderline ausgerichtet ist, zum Beispiel die DBT.[1]
  • Medikamente: Sie können eine Psychotherapie zeitlich begrenzt ergänzen, sind aber nicht die Hauptbehandlung.[1]
  • Verlauf: Die Beschwerden können sich mit der Zeit deutlich bessern, auch wenn der Alltag manchmal länger belastet bleibt.[1]
📋 Inhaltsverzeichnis
  1. Borderline-Persönlichkeitsstörung verstehen: Merkmale, Häufigkeit und Vorurteile
  2. Borderline Symptome erkennen und im Alltag damit umgehen
  3. Stigma bei Borderline begegnen und passende Hilfe finden
  4. Selbstfürsorge bei Borderline: Alltagstipps, die dir Stabilität geben können
  5. Psychiater bei Borderline: Welche Rolle sie spielen und wann Medikamente passen
  6. Häufige Fragen aus der Community
  7. Quellenangaben

Borderline-Persönlichkeitsstörung verstehen: Merkmale, Häufigkeit und Vorurteile

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine psychische Erkrankung, bei der Gefühle, Beziehungen und das Selbstbild stark schwanken. Typisch sind sehr intensive Emotionen, impulsives Handeln und die Angst, verlassen zu werden. Das Muster zeigt sich in vielen Lebensbereichen und beginnt oft im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter. Mit einer passenden Behandlung können sich die Beschwerden deutlich bessern.[1]

Wie sich Borderline im Alltag zeigt und warum die Diagnose anspruchsvoll ist

Im Leben mit Borderline reagiert die Stimmung oft sehr stark auf Auslöser und kann innerhalb weniger Stunden umschlagen. Dazu kommt häufig Impulsivität, also Handeln ohne langes Abwägen, zum Beispiel bei Geldausgaben, im Straßenverkehr oder beim Substanzkonsum. Bei manchen Menschen zeigt sich der innere Druck in selbstverletzendem Verhalten; auch dafür gibt es Hilfe.[1] Beziehungen werden oft als sehr intensiv erlebt: Nähe ist wichtig, fühlt sich aber schnell bedroht an, und die Angst vor dem Verlassenwerden kann groß sein.[1]

Die Diagnose ist anspruchsvoll, weil Borderline häufig zusammen mit anderen Erkrankungen auftritt. Fachleute sprechen dann von Komorbidität, gemeint ist, dass mehrere Diagnosen gleichzeitig vorliegen. Häufig sind Depressionen, Angststörungen, die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), ADHS und Abhängigkeitserkrankungen.[1] Weil sich die Anzeichen teilweise überschneiden, empfiehlt die Leitlinie eine sorgfältige Abklärung durch Fachpersonen, die ein strukturiertes Gespräch einschließt. Fragebögen und Online-Tests können einen ersten Hinweis geben, ersetzen diese Abklärung aber nicht.[1]

Wie häufig Borderline ist: Zahlen und Geschlechterverteilung

Wie viele Menschen betroffen sind, hängt davon ab, wie und wo gezählt wird. Für die Allgemeinbevölkerung nennt die S3-Leitlinie eine Spanne von etwa 0,7 bis 2,7 Prozent. Internationale Auswertungen kommen im Durchschnitt auf rund 2 Prozent, die laut Leitlinie einzige deutsche Interviewstudie dieser Art mit 2.488 Personen auf 0,8 Prozent. In Behandlungen liegt der Anteil deutlich höher.[1] Die Leitlinie stammt vom November 2022 und wird derzeit überarbeitet; die Angaben hier entsprechen der aktuell veröffentlichten Fassung.[2]

Die folgende Übersicht zeigt, wie unterschiedlich die Anteile je nach Blickwinkel ausfallen:[1]

Häufigkeit von Borderline: Zahlen im Überblick

Wo wurde gezählt?Anteil mit BorderlineAnschaulich gesagt
Allgemeinbevölkerung (Spanne aus mehreren Studien)ca. 0,7 bis 2,7 %etwa 1 bis 3 von 100 Menschen
Internationale Auswertungen (Durchschnitt)ca. 2 %etwa 2 von 100 Menschen
Deutsche Interviewstudie mit 2.488 Personen0,8 % (über fünf bis zehn Jahre betrachtet)knapp 1 von 100 Menschen
Menschen in ambulanter Behandlungca. 10 %etwa 1 von 10 Behandelten
Menschen in stationärer Behandlungca. 20 %etwa 1 von 5 Behandelten

Anders gesagt: In der Bevölkerung sind es je nach Studie etwa ein bis drei von 100 Menschen. Dass der Anteil in Behandlungen deutlich höher liegt, bedeutet vor allem, dass dort viele Betroffene Hilfe suchen. Kliniken sehen nur einen Ausschnitt, nicht die gesamte Bevölkerung (Einschätzung).

Oft heißt es, Frauen seien viel häufiger betroffen. Das Diagnosehandbuch DSM-5 nennt ein Verhältnis von etwa 3 zu 1, die S3-Leitlinie weist aber darauf hin, dass sich ein so deutlicher Unterschied in Bevölkerungsstudien nicht zeigt. Mögliche Gründe sind, dass Frauen eher Hilfe suchen und dass es Verzerrungen in der Diagnostik geben könnte. In einer neueren deutschen Interviewstudie zeigte sich über alle Altersgruppen kein Geschlechtsunterschied.[1]

Warum Stigma das Leben mit Borderline zusätzlich erschwert

Neben den Beschwerden selbst belastet im Leben mit Borderline oft, wie über die Erkrankung gesprochen wird. Zuschreibungen wie schwierig, manipulativ oder instabil begegnen Betroffenen im Alltag und manchmal sogar im Hilfesystem. Wer das erlebt, schämt sich schnell für die eigenen Symptome, zieht sich zurück oder sucht aus Sorge vor Verurteilung keine Behandlung. Dadurch kann das Gefühl von Isolation wachsen, was die Beschwerden zusätzlich verstärken kann (Einschätzung).

Die S3-Leitlinie nennt einen Grund dafür: Borderline galt lange als schwere Dauererkrankung mit schlechter Prognose, was zu einer starken Stigmatisierung beigetragen hat. Außerdem erleben Fachleute Betroffene oft nur in akuten Krisen, wodurch ein einseitig negatives Bild entstehen kann.[1] Wenn du verstehen möchtest, woher Stigmatisierung bei Borderline kommt, findest du dazu einen eigenen Beitrag im Forum.

Verlaufsstudien zeichnen ein differenzierteres Bild. In einer Langzeitstudie erfüllten zehn Jahre nach einer stationären Behandlung sieben von acht Untersuchten die Diagnosekriterien nicht mehr. Fachleute sprechen dann von Remission, also einer Phase, in der die Kriterien nicht erfüllt sind.[1] Das bedeutet nicht, dass dann alles gut war: Über die Hälfte war weiterhin im sozialen oder beruflichen Alltag stark belastet, und nach aktueller Studienlage erholen sich etwa 40 Prozent nicht vollständig.[1] Impulsive Verhaltensweisen wie Selbstverletzung nehmen im Verlauf deutlich ab, während Gefühle von Leere und die Angst vor dem Verlassenwerden langsamer nachlassen.[1] Die Studienlage zeigt also weder ein Dauerurteil noch ein Versprechen: Es gibt reale Chancen auf Besserung, und der Weg kann Zeit brauchen.

Borderline Symptome erkennen und im Alltag damit umgehen

Typische Borderline-Symptome sind starke Stimmungsschwankungen, impulsives Verhalten, ein instabiles Selbstbild, Schwierigkeiten in Beziehungen und ein Gefühl innerer Leere. Für die Diagnose müssen mindestens fünf von neun festgelegten Kriterien erfüllt sein. Deshalb zeigt nicht jeder Mensch mit BPS dieselben Anzeichen, und die Ausprägung kann von Person zu Person und von Phase zu Phase unterschiedlich sein.[1]

Typische Anzeichen im Überblick

Die folgenden Anzeichen können im Leben mit Borderline auftreten. Sie sind eine Orientierung und kein Ersatz für eine Diagnose:[1]

  • Impulsives Verhalten: Handlungen ohne langes Abwägen, etwa unüberlegte Geldausgaben, riskantes Fahren, Substanzkonsum oder Essanfälle. Auch heftige Wut, die schwer zu bremsen ist, kann dazugehören.
  • Starke Stimmungsschwankungen und innere Leere: Ein kleiner Anlass, etwa eine unbeantwortete Nachricht, kann ausreichen, um die Stimmung für Stunden zu kippen. Manche beschreiben zusätzlich ein anhaltendes Gefühl von Leere.
  • Schwierigkeiten mit Vertrauen und Beziehungen: Nähe ist wichtig, fühlt sich aber schnell bedrohlich an, und die Angst, verlassen zu werden, kann groß sein.
  • Instabiles Selbstbild: Unsicherheit darüber, wer du bist, was du willst und was dir wichtig ist, die sich je nach Umfeld verändern kann.
  • Misstrauen oder Dissoziation unter Stress: Vorübergehend können paranoide Gedanken auftreten oder das Gefühl, neben sich zu stehen oder von der Umgebung abgeschnitten zu sein (Dissoziation).
  • Selbstverletzendes Verhalten und Suizidgedanken: Wiederholte Selbstverletzungen sowie Suizidgedanken oder Suizidhandlungen können zum Bild gehören. Wenn dich das betrifft, sprich bitte mit einer Fachperson und nutze die Hilfen im Hinweis ganz oben.

Für eine Diagnose zählt ein dauerhaftes Muster, das in vielen Situationen auftritt und den Alltag deutlich belastet.[1] Auch Menschen ohne BPS kennen einzelne dieser Anzeichen, etwa Stimmungstiefs nach einem Streit. Wenn du genauer nachlesen möchtest, hilft unser Beitrag, um typische Anzeichen von Borderline einzuordnen.

Kurz gesagt: Im Leben mit Borderline zeigen sich vor allem schwankende Gefühle, impulsives Handeln und unsichere Beziehungen. Ein einzelnes Anzeichen ergibt noch keine Diagnose; entscheidend ist ein dauerhaftes Muster, das du mit einer Fachperson abklären kannst.

Erste Schritte im Umgang mit den Beschwerden

Der erste Schritt im Leben mit Borderline besteht darin, Unterstützung durch Fachleute zu suchen. Eine Fachperson kann mit dir gemeinsam Auslöser erkennen und Strategien entwickeln, die zu deinem Alltag passen. Nach der S3-Leitlinie sollen Menschen mit BPS eine strukturierte Psychotherapie erhalten, die speziell auf Borderline ausgerichtet ist, und die behandelnden Personen sollen darin fortgebildet sein.[1]

Ein bekanntes Verfahren ist die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT). Die DBT bei Borderline baut auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) auf und vermittelt Skills, also erlernbare Fertigkeiten, mit denen du starke Anspannung und Gefühle im Moment besser steuern kannst. Ein Beispiel: Eine unbeantwortete Nachricht wühlt dich stark auf. Ein Skill kann dann sein, deine Aufmerksamkeit bewusst auf fünf Dinge zu lenken, die du gerade siehst, um dich im Hier und Jetzt zu verankern.

Steht die Verringerung schwerer Selbstverletzung im Vordergrund, nennt die Leitlinie neben der DBT auch die mentalisierungsbasierte Therapie (MBT), in der du übst, eigene und fremde Gefühle und Absichten besser zu verstehen. Beide gehören zu den derzeit am besten untersuchten Verfahren der Borderline-Behandlung.[1] Wie du dich im Alltag zusätzlich stabilisieren kannst, steht weiter unten im Abschnitt zur Selbstfürsorge.

Stigma bei Borderline begegnen und passende Hilfe finden

Hilfreich im Umgang mit Stigma können drei Dinge sein: sich nicht auf die Diagnose zu reduzieren, bei Abwertung für sich einzutreten und sich mit Menschen auszutauschen, die Ähnliches erleben. Als Hilfe empfiehlt die S3-Leitlinie vor allem eine auf Borderline spezialisierte Psychotherapie.[1] In akuten Krisen sind Krisentelefone, die Notaufnahme oder der Notruf 112 da.

Mit Vorurteilen umgehen: Was entlasten kann

Eine Diagnose beschreibt ein Muster von Beschwerden, nicht deinen Wert und nicht deinen Charakter. Das zu wissen, kann entlasten, besonders wenn andere dich auf ein Etikett reduzieren. Wer im Leben mit Borderline abgewertet oder schlecht behandelt wird, darf das ansprechen oder sich eine andere Anlaufstelle suchen. Die S3-Leitlinie hält fest, dass alle Fachpersonen im Gesundheitssystem die Symptome erkennen und ihren Krankheitswert anerkennen sollen.[1]

Ein Beispiel aus dem Alltag: Du erzählst im Bekanntenkreis von deiner Diagnose und hörst, du seist eben dramatisch. Du musst dich dafür nicht rechtfertigen. Du entscheidest selbst, wem du was erzählst, und kannst es bei einem kurzen, sachlichen Satz belassen, etwa: Das ist eine anerkannte Erkrankung, und ich bin in Behandlung. Auch die Leitlinie sieht vor, dass Angehörige nur mit deiner Zustimmung über die Diagnose informiert werden.[1]

Selbsthilfe bei Borderline: Austausch mit Menschen, die dich verstehen

Im Leben mit Borderline kann das Gespräch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen kennen, Verständnis und Bestätigung geben. Selbsthilfe bei Borderline findet in Gruppen vor Ort statt, aber auch in Online-Gemeinschaften und Foren, in denen du anonym und zu jeder Tageszeit schreiben kannst. Auch hier im Borderline Forum tauschen sich Betroffene und Angehörige aus. Für Angehörige empfiehlt die Leitlinie ausdrücklich Selbsthilfeangebote und den Borderline-Trialog, also Gesprächsrunden, in denen Betroffene, Angehörige und Fachleute gemeinsam sprechen.[1] Selbsthilfe kann eine Behandlung ergänzen, ersetzt sie aber nicht.

Fachliche Hilfe finden: Therapie und Wartezeit überbrücken

Hilfe bei Borderline zu finden, kann Geduld brauchen, aber es gibt mehrere Wege. Such dir möglichst eine Therapeutin oder einen Therapeuten, die oder der Erfahrung mit Borderline hat und in einem störungsspezifischen Verfahren wie der DBT fortgebildet ist. Die Leitlinie verlangt diese Fortbildung und regelmäßige Supervision, also fachlichen Austausch über die eigene Arbeit, ausdrücklich von den Behandelnden.[1] Ist ein Platz für Einzeltherapie noch nicht in Sicht, sollte nach der Leitlinie zunächst mit einer störungsspezifischen Gruppentherapie begonnen werden, etwa einem DBT-Skillstraining.[1] Wie du den passenden Therapeuten findest, erklärt ein eigener Beitrag im Forum.

Wenn es akut wird: Krisenhilfe

Wenn du Suizidgedanken hast oder dich in einer akuten Krise befindest, hol dir bitte Hilfe: Ruf ein Krisentelefon an, wende dich an deine Therapeutin oder deinen Therapeuten oder geh in die Notaufnahme. Bei unmittelbarer Gefahr wähle den Notruf 112. Die TelefonSeelsorge erreichst du kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Weitere Anlaufstellen findest du auf unserer Notfallseite. Du bist nicht allein, und Hilfe ist verfügbar.

Selbstfürsorge bei Borderline: Alltagstipps, die dir Stabilität geben können

Selbstfürsorge bei Borderline bedeutet, den Alltag so zu gestalten, dass du gut für dich sorgen kannst: mit ausreichend Schlaf, regelmäßigen Mahlzeiten, Bewegung, Kontakt zu vertrauten Menschen, Zeit für Dinge, die dir guttun, und Skills wie Achtsamkeit. Selbstfürsorge ergänzt eine Behandlung, ersetzt sie aber nicht.

Die folgenden Tipps für das Leben mit Borderline beruhen überwiegend auf Alltagserfahrung und sind als Einschätzung zu verstehen. Wo es Studien gibt, steht die Quelle dabei. Probier aus, was zu dir passt, und fang klein an.

Körper im Blick: Schlaf, Ernährung und Bewegung

Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten und Bewegung sind keine Therapie, können aber die Grundlage dafür sein, dass du Belastungen besser aushältst (Einschätzung). Ein kleines Beispiel: eine feste Zeit zum Schlafengehen, ein Frühstück, das du dir auch an schlechten Tagen machst, und zehn Minuten Spaziergang nach dem Mittagessen. Für Bewegung gibt es Studien bei Depressionen, die im Leben mit Borderline häufig mit auftreten: Ein Cochrane-Review von 2026 mit 73 Studien und rund 5.000 Erwachsenen mit Depression kam zu dem Ergebnis, dass Bewegung depressive Symptome im Vergleich zu keiner Behandlung verringern kann.[3]

Die Aussage gilt mit Einschränkung: Viele Studien waren klein und methodisch schwach, und die Langzeiteffekte sind unsicher.[3] Für dich heißt das: Bewegung kann ein Baustein sein, der die Stimmung unterstützt, ersetzt aber weder Psychotherapie noch ärztliche Behandlung. Zu beachten ist außerdem, dass die Studien Depression untersuchten und nicht Borderline.

Kontakt, Hobbys und Zeit für dich

Kontakt zu Freunden und Familie kann Einsamkeit verringern und emotionale Unterstützung bieten (Einschätzung). Es muss nicht viel sein: eine kurze Nachricht, ein Telefonat oder ein Spaziergang mit einer vertrauten Person.

Ebenso wichtig sind Aktivitäten, die dir Freude machen, etwa Musik, Kochen oder ein Hobby, das dich aus dem Grübeln holt. Plane solche Zeiten bewusst ein, statt auf den passenden Moment zu warten. Gerade an Tagen mit viel Anspannung kann ein fester Termin mit dir selbst Halt geben. Achte darauf, dass dir die Menschen guttun, mit denen du Zeit verbringst. Selbstfürsorge gehört zum Leben mit Borderline dazu, auch wenn sie sich anfangs ungewohnt anfühlt.

Skills, Achtsamkeit und Auslöser kennen

Skills sind erlernbare Strategien, mit denen du Anspannung und Gefühle im Moment steuern kannst. Achtsamkeit und Entspannungsübungen gehören dazu: Du richtest die Aufmerksamkeit bewusst auf das Hier und Jetzt, zum Beispiel auf deinen Atem oder auf das, was du gerade hörst. Zusätzlich lohnt es sich, Auslöser zu erkennen, also Situationen, die deine Gefühle besonders schnell hochschaukeln. Hilfreich kann ein kleines Notizbuch sein, in dem du festhältst, was vor einer starken Gefühlswelle passiert ist. Mehr über solche Zusammenhänge lernst du in der Psychoedukation, einem Teil der Therapie, in dem dir Wissen über die Erkrankung vermittelt wird; die Leitlinie sieht sie als festen Bestandteil der Behandlung vor.[1]

Psychiater bei Borderline: Welche Rolle sie spielen und wann Medikamente passen

Was ein Psychiater für dich tun kann

Psychiaterinnen und Psychiater sind Fachärztinnen und Fachärzte für psychische Erkrankungen. Sie können dich beraten, die Diagnose abklären, mit dir Strategien für den Umgang mit den Beschwerden besprechen und bei Bedarf Medikamente verordnen. Wichtig ist, dass sie Erfahrung mit Borderline haben und du dich bei ihnen wohl und sicher fühlst. Im Leben mit Borderline kann diese ärztliche Begleitung ein wichtiger Teil des Hilfenetzes sein. Nach der Leitlinie sollen Medikamente in Abstimmung aller Behandelnden verordnet werden, nach Möglichkeit fachärztlich und in einer Hand, damit nicht mehrere Verordnungen unkoordiniert nebeneinanderstehen.[1]

Medikamente bei Borderline: Ergänzung statt Hauptbehandlung

In der Leitlinie stehen Medikamente nicht an erster Stelle. Sie sollen nicht die Hauptbehandlung sein und nicht anstelle besser geeigneter Hilfen wie Psychotherapie eingesetzt werden.[1] Ergänzend zur Psychotherapie kann ein zeitlich begrenzter Einsatz erwogen werden, um bestimmte Symptome zu behandeln; auch in akuten Krisen kann er infrage kommen, wenn Gespräche allein nicht ausreichen.[1] Die Leitlinie rät außerdem, möglichst wenige Präparate einzusetzen und auf Medikamente mit Abhängigkeitspotenzial nach Möglichkeit zu verzichten.[1] Wichtig dabei: Psychotherapie soll nach der Leitlinie nicht routinemäßig durch Medikamente ergänzt werden.[1]

Wenn du Medikamente bekommst, frag nach dem Ziel, der geplanten Dauer und möglichen Nebenwirkungen. Besprich Änderungen vorab mit der verordnenden Fachperson und setze Medikamente nicht eigenmächtig ab.

Die passende Behandlung finden: Geduld mit der Suche

Bei der Therapie selbst empfiehlt die Leitlinie, nach Möglichkeit mindestens eine Sitzung pro Woche nicht zu unterschreiten.[1] Es kann einige Zeit dauern, bis du jemanden findest, bei dem du dich verstanden fühlst. Das sagt nichts über dich aus. Probiere ein Erstgespräch aus, achte darauf, ob du dich ernst genommen fühlst, und frag offen nach der Erfahrung mit Borderline. Im Leben mit Borderline ist eine tragfähige Beziehung zu den Behandelnden ein wichtiger Baustein (Einschätzung).

Fazit: Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung, die Gefühle, Beziehungen und Verhalten beeinflusst. Hinzu kommt oft Stigmatisierung, die es schwerer macht, Hilfe zu suchen. Mit einer auf Borderline zugeschnittenen Psychotherapie, Selbsthilfe, Selbstfürsorge und ärztlicher Begleitung können sich die Beschwerden deutlich bessern, auch wenn der Weg Zeit braucht und nicht gradlinig verläuft. Du bist mehr als deine Diagnose, und im Forum findest du Menschen, die ähnliche Erfahrungen kennen.

Frage an die Community: Wie erlebst du das Leben mit Borderline im Alltag, und was hat dir dabei geholfen oder auch nicht? Schreib uns gern im Forum, wie du das erlebst.

Häufige Fragen aus der Community

Bin ich wirklich Borderline oder bilde ich mir das nur ein?

Dass du dir diese Frage stellst, heißt nicht, dass du dir etwas einbildest. Was du erlebst, ist real, auch wenn noch offen ist, wie es heißt. Ob es Borderline ist, kann nur eine Fachperson nach sorgfältiger Diagnostik klären. Dazu gehört ein ausführliches Gespräch, das durch ein strukturiertes Interview unterstützt werden sollte; Fragebögen und Online-Tests geben höchstens einen ersten Hinweis.[1]

Wird es mit Borderline irgendwann besser?

Viele Menschen erleben mit der Zeit eine Besserung, besonders bei impulsiven Verhaltensweisen. In einer Langzeitstudie erfüllten zehn Jahre nach der Behandlung sieben von acht Untersuchten die Diagnose nicht mehr.[1] Gefühle von Leere und die Angst vor dem Verlassenwerden lassen oft langsamer nach, und viele spüren die Folgen im Alltag länger. Das ist weder ein Grund zur Resignation noch ein Versprechen. Eine passende Behandlung kann die Chancen verbessern, und Rückschläge gehören zu vielen Verläufen dazu (Einschätzung).

Wie reagiere ich, wenn andere abwertend auf meine Diagnose reagieren?

Du musst dich nicht rechtfertigen und entscheidest selbst, wie viel du erzählst. Wenn dich solche Reaktionen verletzen, kann der Austausch mit anderen Betroffenen entlasten, die das aus eigener Erfahrung kennen. Ein Gespräch mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten kann zusätzlich helfen, mit Scham und Ärger umzugehen.

Quellenangaben

  1. DGPPN e. V. (Hrsg.) für die Leitliniengruppe (2022): S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, Langversion, Fassung vom 14.11.2022, AWMF-Register Nr. 038-015, insbesondere Kapitel 2 (Epidemiologie, Verlauf), Kapitel 3 (Diagnostik), Kapitel 4 (Behandlung) und die Empfehlungen im Überblick. S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, Langfassung (AWMF)
  2. AWMF (2026): Leitlinienregister, Eintrag 038-015 Borderline-Persönlichkeitsstörung, Stand 14.11.2022, Gültigkeit bis 31.05.2026, Hinweis: in Überarbeitung. AWMF-Leitlinienregister: Status der S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung
  3. Clegg AJ, Hill JE, Mullin DS et al. (2026): Exercise for depression. Cochrane Database of Systematic Reviews, Ausgabe 1, CD004366. Cochrane-Review: Wirkung von Bewegung bei Depression

Redaktionelle Angaben

Hinweise zur KI-Unterstützung

  • Das Beitragsbild wurde KI-generiert.
  • Zur Arbeitsweise: Recherche, Quellenauswahl und inhaltliche Verantwortung liegen bei Shalin. Bei Strukturierung und Formulierung wurde KI unterstützend eingesetzt; jede fachliche Aussage wurde anhand der angegebenen Quellen geprüft.

Zuletzt aktualisiert: 1. Oktober 2026 um 19:21

Über den Autor

Hey, ich bin Shalin, 1982 geboren, komme aus Niedersachsen und bin seit 2004 in psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung. Seit 2005 steht die Diagnose „emotionale instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typus“ bei mir. Tagsüber besuche ich eine Tagesstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen, ansonsten verbringe ich meine Zeit gerne am Computer und im Internet, treffe mich mit Freunden oder genieße die Zweisamkeit mit meiner Partnerin. Ich telefoniere gerne, schaue DVDs und höre Musik.

Schon seit Jahren beschäftige ich mich auf unterschiedliche Weise mit dem Krankheitsbild. Informiert bin ich nicht nur durch persönliche Erfahrungen und Psychoedukation, sondern auch durch den direkten Kontakt mit anderen Betroffenen. Außerdem recherchiere ich im Internet und lese Fachliteratur. Ich freue mich darauf, mein Wissen zu erweitern, Erfahrungen zu teilen und interessante Gespräche zu führen!

Ich habe das Forum im Jahr 2021 gegründet, um Menschen mit Borderline sowie ihren Angehörigen einen geschützten Ort für Austausch, gegenseitige Unterstützung und Vernetzung zu bieten. Mein Ziel ist es, ihnen dabei zu helfen, besser mit der Erkrankung umzugehen und sich auf ihrem persönlichen Weg begleitet zu fühlen.

Schreibt mich gerne an. :)

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Shalin Forenleitung
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Antworten 6

Christina
4. März 2023 um 17:57
Zitat von Senia

Diskussion zum Artikel Das Leben mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung meistern: Eine Reise der Heilung:

Zitat
wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

Ich denke mal das ist so, weil Frauen schneller zum Arzt gehen als Männer, denn Männer, trauen sich nicht so oft zum Arzt deswegen zu gehen, weil sie es als Schwäche ansehen, das soll jetzt keine Verurteilung oder so sein, nur in einer Gruppe in der Klinik mal haben Männer es so erklärt gehabt

FlatSea623
4. März 2023 um 18:57

es gibt immer mehr Experten die davon ausgehen, dass die Verteilung von Männern und Frauen etwa gleich groß ausfällt.

In der Tat gehen Männer immernoch weitaus weniger und später zu einem Arzt, wenn es sich um psychische Probleme handelt. Das kann ich auch von meiner Arbeit bestätigen. Deswegen tauchen in den meisten bisher veröffentlichten Studien über Borderline auch oft nur Patientinnen auf. Wer nicht zum Arzt geht, wird auch meistens keine Therapie beginnen, und taucht auch in meiner Statistik auf.

LaFoca
4. März 2023 um 19:08

Ich könnte mir auch vorstellen, dass Psychiater und Therapeuten da bereits mit vorgefasster Meinung dran gehen. Bei ähnlicher Symptomatik Männern eher narzisstische Störungen zuschreiben und Frauen Borderline oder Histrionie.

Chrissy
4. März 2023 um 19:15

Mein letzter Wissensstand ist auch, dass Männer und Frauen gleich betroffen sind.

Männer fallen oft anders auf, landen oft erst im Knast oder Entzug bevor es erkannt wird.

Außerdem begeben sie sich, wie schon erwähnt, nicht so schnell in Behandlung weil das eher als Schwäche zählt als bei den Frauen.

SuperForest636
4. März 2023 um 19:48

Ich fand den Artikel ganz gut. Hab das Meiste gelesen. Voll lang ;)

(Ich hab alles gelesen ^^ )

Zitat von Chrissy

Mein letzter Wissensstand ist auch, dass Männer und Frauen gleich betroffen sind.

Männer fallen oft anders auf, landen oft erst im Knast oder Entzug bevor es erkannt wird.

Außerdem begeben sie sich, wie schon erwähnt, nicht so schnell in Behandlung weil das eher als Schwäche zählt als bei den Frauen.

Nicht das Männer allgemein je nach Zeit , eh komischen Männlichkeitsidealen/ Rollenklisches unterworfen sind?

Frauen auch eben mehr Selbstbestimmung möglich ist, wenn ich bedenke das man teils vor 50 Jahren noch den Mann fragen musste ob man Arbeiten darf.

Heute ist eher der Mann ,voll der Pflegefall.

Über Gefühle reden oder nicht in einer Versorger Rolle stecken können weil Psychisch angeditscht.

Als Mann der nach promiskuitiver Phase rausgefunden hat ,das ich Hetero bin, kann ich amüsiert immer noch feststellen ,das ich das Gayradar anderer Leute durch

einander bringe durch Feminine Anteile. Zeitgleich treibe ich ''echte Alpha'' Männer mit diesen Eigentschaften zur Weissglut.

Ich durfte mir auch mal anhören das ich nicht meine Psychischen Erkrankung behandeln lasse sondern mein unmännliches Verhalten.

Ist es nicht ein wenig Kurios dann , wenn einerseits einem mangelde Identitätsgefühle unterstellt werden auch noch Gesellschaftliche Standesortnung wie man zu sein

hat obendrauf abgeladen werden kann?

------

Ich war schon in Therapie und hab über DBT ne Menge über mich gelernt. Als auch unterschiedliche Therapieansätze kennen gelernt.

Daher Unterstützung kann man annehmen. Ist ja Selbstoptimierung.

Forenbutler
1. Oktober 2026 um 19:24

Shalin hat das Thema gepusht.

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